Bittere Wurzeln
Alles, aber auch alles sieht so hoffnungsvoll und schön in der Gemeinde aus – und dann wächst eine bittere Wurzel auf. Der eine oder andere wird neidisch oder verärgert und flüstert es einem anderen zu, der auch findet, dass es verkehrt ist. Es breitet sich weiter und weiter aus und viele werden befleckt.
Wenn man aber das tun würde, was in Hebr. 12, 14-15 erwähnt ist, würde einem so etwas sicher erspart bleiben:
„Jagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird! Und achtet darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet und viele durch diese befleckt werden.“
Eine bittere Wurzel wird gedeihen, wenn man nicht dem Frieden mit jedermann nachjagt. Sie wird besser gedeihen und mehr Nahrung bekommen, wenn man sich zum Widerstand gegen den einen oder anderen wappnet. All dies geschieht, weil man sich von Gottes Gnade zurückzieht. So findet man in der Bitterkeit Fehler an der Lehre, an der Person oder an sonst etwas, wodurch man sich bestätigt fühlt. Aber die eigentliche Ursache liegt in der Bitterkeit, alles andere sind nur Waffen im Dienst der Bitterkeit.
Korah, Dathan und On nahmen eine Schar mit sich. „Und sie empörten sich gegen Mose, samt 250 Männern aus den Kindern Israels, Vorstehern der Gemeinde, Berufenen der Versammlung, angesehenen Männern.
Und sie versammelten sich gegen Mose und gegen Aaron und sprachen zu ihnen: Ihr beansprucht zu viel; denn die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig, und der Herr ist in ihrer Mitte! Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn?“ 4. Mos. 16.
Ja, hier haben wir eine kräftige bittere Wurzel. Man kann sicher sein, dass sie lange gegärt hatte, bevor sie so reif wurde, dass sie so auftreten konnte wie an jenem Tag. Mit wie vielen Verdächtigungen und wie vielen schiefen Blicken hatten Mose und Aaron doch zurechtkommen müssen. Doch nun war die Wurzel reif dafür, vor den Augen aller Kinder Israels offenbart zu werden.
Am nächsten Tag kam die Abrechnung. Der Herr redete zu Mose und Aaron und sprach: Rede zu der Gemeinde und sprich: Entfernt euch ringsum von ihren Wohnungen. Und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie samt ihren Wohnungen. Und Feuer ging aus von dem Herrn und verzehrte die zweihundertfünfzig Männer.
Die Ursache für diese kräftige bittere Wurzel war Neid. Der Herr redete nicht nur zu Mose, meinten sie. Sie sagten weiter: „Ist es nicht genug, dass du uns aus einem Land herausgeführt hast, in dem Milch und Honig fließt, um uns in der Wüste zu töten? Willst du dich auch noch zum Herrscher über uns aufwerfen?“
Dasselbe wiederholt sich überall, wo eine Gemeinde Gottes aufblüht. Böse Menschen brauen eine bittere Wurzel zusammen. Leute, die nie zuvor von Gott benutzt worden sind, werden plötzlich so groß, und ihre Kraft holen sie von unten und von denen, die befleckt sind. Was diese haben, sind keine göttlichen Kräfte, auch ist es kein göttliches Licht, sondern etwas, was sie sich für diese Gelegenheit zurechtgelegt haben. Wer sich ihnen anschließt, wird deshalb auch betrogen.
Die Korinther hatten sich dahin entwickelt, dass sie aufgeblasen waren. 1. Kor. 5, 2. Sie waren klug, stark und in Ehren; während Paulus ein Narr um Christi willen geworden war. Aber wo hatten die Korinther ihre lebendigen Empfehlungsbriefe? Für wen waren sie Väter? Hier waren sie weit zurückgeblieben. Und doch verlangten sie einen Beweis dafür, dass Christus durch Paulus redete. 2. Kor. 13, 3.
Die Korinther hatten sich betrügen lassen. Denn wenn jemand zu ihnen käme und einen anderen Jesus verkündigte, den Paulus nicht verkündigt hatte, oder wenn sie einen anderen Geist empfingen, den sie früher nicht hatten, oder ein anderes Evangelium, das sie vorher nicht angenommen hatten, dann würden sie es gut ertragen. 2. Kor. 11, 4.
Die bittere Wurzel hatte Kräfte in sich, ihnen alles rauben zu können, nämlich: Jesus, den Geist und das Evangelium. Stattdessen bot die bittere Wurzel ihnen: Einen anderen Jesus, einen anderen Geist und ein anderes Evangelium.
Wie fürchterlich! Man muss daher alles prüfen, was man hört. Nicht alle sind Lehrer. Wenn etwas dem widerspricht, was man von Anfang gehört hat, dem, was uns glücklich gemacht hat, dann muss man auf der Hut sein.
Die Apostel wussten, dass nach ihrem Abschied Männer aufstehen würden, die Verkehrtes lehrten. Darum sagt auch Petrus: „Ich will aber dafür Sorge tragen, dass ihr euch auch nach meinem Abschied jederzeit diese Dinge in Erinnerung rufen könnt.“ 2. Petr. 1, 15.
Wenn „das Ackerland“ eine zeitlang alleine ist und Gottes Mitarbeiter nicht anwesend oder nicht hellwach sind, dann hat Satan es leicht, in der Gestalt eines Engels des Lichts Offenbarungen zu geben, die zur Verdammnis führen. Das Kennzeichen dafür ist, dass die Bruderliebe verschwindet, man will „sein Licht“ durchdrücken, das in Wahrheit Finsternis ist, und so wächst die bittere Wurzel.
Absalom hat eine solche bittere Wurzel gegen seinen Vater David aufgebaut; aber es endete damit, dass er mit seinen Haaren an einer großen Eiche hängen blieb, ohne irgendeinen Boden unter seinen Füßen zu haben, während das Maultier, auf dem er ritt, unter ihm weglief. 2. Sam. 18, 9.
So geht es jedem, der sich gegen die bestehende, von Gott bestätigte Arbeit auflehnt und der Verderben in Gottes Ackerfeld hineinbringt. Sie bekommen keinen festen Boden unter die Füße, oder sie gehen unter durch die Widerspenstigkeit Korahs.
Möge Gott sein Volk von all diesem Verderben befreien, sodass wir uns vielmehr befleißigen, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren und nicht ablassen zusammenzukommen. Denn wir sollen zusammen mit den anderen wachsen zu einer Wohnung Gottes im Geist. Die gegenseitige Hilfe bewahrt vor dem Untergang, und die Zucht der Gemeinde bringt Weisheit.
Wenn aber jemand zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm.
