Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1934-06 - Doppelmenschen

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Doppelmenschen

Es gibt Menschen, die an Gebetsstunden teilnehmen und die in Versammlungen Zeugnis geben, als ob sie durch und durch echt wären. Sehen wir sie von einer anderen Seite, dann tun sie ihr Möglichstes, um die Aufmerksamkeit auf ihre eigene Person zu lenken. In schwierigen Situationen, in denen der Glaube geprüft werden soll, versagen sie. Doch gleich danach strahlen sie wieder wie Engel Gottes, wie Seifenblasen in den schönsten Farben. Sie hatten ja nur einen Schnitzer gemacht. Im nächsten Moment sind sie fromm, als ob nichts gewesen wäre. Doch tritt man ihnen etwas näher oder verlässt man sich auf das, was sie vorgeben zu sein, platzt die Seifenblase. Etwas, das Selbstverleugnung fordert, ertragen sie nicht. Viele werden von ihrem religiösen Charme betrogen, denn im Kämmerlein des Herzens dienen sie sowohl Gott als auch den Abgöttern. Hesekiel sah zwischen der Vorhalle und dem Altar fünfundzwanzig Männer, die kehrten dem Tempel des Herrn den Rücken, ihr Angesicht aber nach Osten; und sie warfen sich nach Osten anbetend vor der Sonne nieder. Hes. 8, 16. Wenn das Leben geopfert werden soll, dann wendet man sich vom Tempel des Herrn ab und der Sonne nach Osten zu. Das heißt, man bekommt Lust zum Leben mit all seinen Herrlichkeiten. Der Altar steht da, doch wird nichts geopfert. Das ist der Doppelmensch, der versucht, sein Leben zu erhalten. Gleichzeitig wollen sie mit der besseren Hälfte des Herzens auch gerne geistliche Herrlichkeiten erreichen; aber da diese nur durch Leiden erlangt werden können, kommen sie nie weiter als „zwischen die Vorhalle und den Altar.“ Als Jesus sein Angesicht nach Jerusalem wandte, um zu leiden, da verließen sie ihn alle. So auch hier. Wenn man in die Nähe des Altars kommt, dann wendet man dem Altar und dem Tempel den Rücken zu. Dann macht man es wie Lots Frau: Sie schaute zurück nach den Herrlichkeiten Sodoms und wurde zu einer Salzsäule. Die Sonne im Osten wirkt verlockend, und so verliert man nie sein Leben.

Bileamwar ein Doppelmensch. Er segnete Israel und betete die Fürsten Moabs und Midians an. Deren Ehre und Belohnung waren wertvoll in seinen Augen. Wenn wir aber sein Ende ansehen, dann diente er einem harten Herrn; denn er wurde zusammen mit den Königen Midians erschlagen. 4. Mos. 31, 8.

Ahitofelwar sowohl für David als auch für Absalom ein großer Ratgeber. Ihn zu fragen war fast, als würde man den Herrn fragen. 2. Sam. 16, 23. Doch er war ein Doppelmensch. Neben guten Ratschlägen konnte er auch gottlose Ratschläge geben. So lange er glaubte, es wäre ein Vorteil, David zu folgen, hielt er sich als Ratgeber zu ihm. Aber, als er glaubte, das Glück würde sich Absalom zuwenden, zögerte er nicht, David zu verlassen. Um Hass zwischen Vater und Sohn zu säen, gab er Absalom den Rat, vor den Augen ganz Israels zu den Nebenfrauen Davids einzugehen. 2. Sam. 16, 20 ff.

Aber sehen wir sein Ende an, dann heißt es: „Als aber Ahitofel sah, dass sein Rat (David zu töten) nicht ausgeführt wurde, sattelte er seinen Esel, machte sich auf und zog heim in seine Stadt und bestellte sein Haus und erhängte sich.“ 2. Sam. 17, 23.

König Saulbefragte den Herrn durch den Propheten Samuel, solange dieser lebte. Als aber Samuel gestorben war, ging er zu einer Wahrsagerin in Endor, wo er erfuhr, dass er und seine Söhne am nächsten Tag tot sein würden und dass das Heer Israels in die Hände der Philister gegeben würde. 1. Sam. 28, 7 ff. Saul hatte eine geteilte Gesinnung, und er musste dafür büßen.

König Joastat, was recht war in den Augen des Herrn, solange ihn der Priester Jojada unterwies. Nur dass die Höhen nicht entfernt wurden. 2. Kön. 12, 2-3. Joas’ Herz war geteilt und das musste er teuer bezahlen. Denn nach dem Tod Jojadas kamen die Oberen Judas und huldigten dem König (mit der Bitte, den Abgöttern dienen zu dürfen). Da gab der König nach. 2. Chr. 24, 17. Diese Oberen hatten natürlich alle Jahre hindurch den Abgöttern auf den Höhen gedient; doch nun wollten sie für ganz Israel eine Erweckung zur Abgötterei haben. Hätte Joas schon zur Zeit des Priesters Jojada die Opferhöhen zerstört, hätten diese Oberen jetzt keine Macht gehabt, mit so einer Bitte zum König zu kommen. Aber ein wenig Nachgiebigkeit zieht Weiteres nach sich.

Dann fing Israel an, die Ascherabilder anzubeten, und sie verließen das Haus Gottes. Da kam der Geist Gottes über Sacharja, den Sohn Jojadas, des Priesters. Er trat auf und rügte das Volk um seiner Gottlosigkeit willen. Das Volk aber steinigte ihn auf Befehl des Königs. Der König Joas gedachte nicht der Liebe, die der Vater Sacharjas, der Priester Jojada, ihm erwiesen hatte.

Wir sehen hieraus, dass Abgötterei blind macht. Doch die Strafe Gottes über König Joas blieb nicht aus. Und als das Jahr um war, geschah es, dass der Herr ein kleines Heer Syrer gegen Israel sandte. Obwohl es nur aus wenigen Leuten bestand, gab doch der Herr ein sehr großes Heer in ihre Hand, weil jene den Herrn, den Gott ihrer Väter, verlassen hatten. So vollzogen sie das Strafgericht an Joas. König Joas selbst wurde auf seinem Bett getötet, weil er die Söhne des Priesters Jojada umgebracht hatte.

Eine geteilte Gesinnung ist eine schwache Gesinnung. Ein geteiltes Herz kommt vor dem Fall. Der Mann, der auf zwei Wegen geht, wird auf einem von beiden fallen.

Abgötterei auf den Höhen war für Israel besonders verführerisch. So ist es auch heute. Neben Gott betet man weltliche Größe und weltliche Weisheit an. Die Erkenntnis und Weisheit Gottes sind einem nicht genug. Man verneigt sich tief vor der Sonne im Osten, wenn man glaubt, dass es niemand sieht. Besonders zwischen der Vorhalle und dem Altar. Das sind Doppelmenschen, und sie können nicht wie Jesus sagen: „Ich bin dazu geboren, dass ich die Wahrheit bezeugen soll.“ Sie sind keine Könige der Wahrheit. Im Gegenteil werden die Allermeisten sehr beleidigt, wenn man ihnen die Wahrheit sagt, auch wenn diese in Liebe und Gnade verpackt ist.

Die wahren Propheten Gottes konnten auch Fehler machen; aber bei genauerer Betrachtung wirst du sehen, dass keiner von ihnen ein Doppelmensch war.