Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Brief an Elias Aslaksen, 1. März 1932

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

(Kein Original)

Fredericia, den 1. März 1932
Lieber Bruder Elias Aslaksen,
Friede.

Ja, nun sind wir hier. Heute Nacht lag ich lange wach und dachte an den Schiffsführer Ivar Trondsen aus Helgeråen. Er war in jeder Hinsicht ein guter Mann und führte seinen Dienst zur vollen Zufriedenheit der Reederei aus. Aber dann heiratete Ivar, und er verspürte häufig Heimweh, wenn er auf den fremden Meeren unterwegs war. Er verdiente recht gut, genügend für den Unterhalt der Familie. Eines Tages, als Ivar Trondsen in London war, erhielt er einen Brief, dass seine liebe Frau Maria krank war und das Bett hüten musste. Das war ein Schmerz in dem lieben Mann und seine Gedanken drehten sich ständig darum. Dann entschloss er sich plötzlich, die Reederei um zwei Monate Beurlaubung zu bitten. Diese bekam er und der Erste Offizier übernahm die Aufgabe des Schiffsführers. Nach der Beurlaubung kam Ivar Trondsen zurück auf sein geliebtes Schiff. Die Fahrt ging in den Süden. Doch immer drehten sich die Gedanken des Kapitäns um sein Heim. „Heim, Heim, mein geliebtes Heim“, klang es ständig in seinem Inneren. Seine berufliche Lebensstellung wurde ihm nahezu ein Hindernis. Als sie das nächste Mal nach Europa kamen, war die älteste Tochter krank. Nein, das ging nicht. Ivar bat wieder um Beurlaubung und er bekam sie. Schließlich wurde es für ihn zur reinen Gewohnheit, um Beurlaubung zu bitten, weil die Familie bei ihm mehr Raum einnahm als seine ursprüngliche Berufung und Lebensaufgabe. Auf den letzten Antrag auf Beurlaubung antwortete die Reederei:

„Herr Kapitän Ivar Trondsen,

Ihren Antrag vom 17. diesen Monats haben wir erhalten; hiermit beurlauben wir Sie für immer. Der Erste Offizier wird vom 1. Januar nächsten Jahres an die Stellung des Schiffsführers übernehmen. Wir hoffen, dass Sie dann reichlich Zeit haben werden, um zuhause zu sein und sich um Ihre Familie zu kümmern.“

Kapitän I. Trondsen war kein Heide; er wollte zuallererst seine Familie versorgen. Als ein paar Monate vergangen waren, wurde das Geld knapp. Man flüsterte sich untereinander zu, dass bei dem Mann wohl eine Schraube locker sein müsse, weil er seine berufliche Lebensstellung aufgab, um sein Heim zu umsorgen. Schließlich endete das Ganze bei der Armenfürsorge. Er opferte alles auf dem Altar der Familie, das Ganze endete auf dem Altar der Armenfürsorge, denn das Rückgrat, seine berufliche Lebensstellung musste gegenüber der sogenannten Liebe zur Familie zurücktreten.

So geht es jedem, der nicht zuallererst seiner Berufung nachkommt. Er zerstört seine Familie.

Liebe Grüße von deinem allezeit ergebenen Bruder

J. O. Smith