Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1934-03 - Das unaussprechliche Seufzen des Geistes

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Das unaussprechliche Seufzen des Geistes

„Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ Röm. 8, 26.

Von uns selbst aus wissen wir nicht, wie wir zu göttlicher Natur gelangen können; denn der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes. Deshalb muss uns der Geist zu Hilfe kommen. Das Seufzen des Geistes wirkt immer in die Richtung, das Leben zu verlieren; denn der Geist streitet wider das Fleisch und das Fleisch wider den Geist. Darum geht das Seufzen des Geistes immer gegen die Menschennatur, die nicht fassen kann, dass das Leben im Fleisch dem Geist widersteht. Die Gesinnung des Geistes ist Leben und Friede. Hier sehen wir, dass das Leben im Geist liegt, ebenso der Friede. In der Menschennatur gibt es weder Leben noch Frieden. Das Seufzen des Geistes bahnt sich einen Weg in uns und wählt dabei die Opfer in unserem Leben aus, auch die allerverborgensten. „Der aber die Herzen erforscht, weiß, was das Trachten des Geistes ist; denn er tritt so für die Heiligen ein, wie es Gott entspricht.“ V. 27.

Es gibt vieles im Herzen eines Menschen, das nach dem trachtet, was in der Welt ist. Davon weiß Gott, darum bittet unser himmlischer Hohepriester für uns. Und daher ist es unsere Sache, nicht nach den Dingen in der Welt zu trachten.

Alle Geschehnisse im Leben sind das Eingreifen Gottes, um unsere Gedanken auf die ewigen Werte zu lenken. Deshalb sehen wir auch: wenn Sorgen und Not kommen, dann wird das Herz aufmerksamer für das unaussprechliche Seufzen des Geistes. Unter den mannigfachen Gaben Gottes ist ein hörendes Ohr die allergrößte; denn wer hört, der liebt; er hält die Gebote. Er weiß, dass es hörenswert ist, dass es sich lohnt. Er weiß auch, dass es sich lohnt, das zu tun, was er hört, dass es Frieden, Freude und Seligkeit mit sich bringt sowie eine Hoffnung der Herrlichkeit, die sich weit über Tod und Grab hinaus in die Ewigkeit erstreckt. Das hörende Ohr ist das erste unserer Glieder, welches das unaussprechliche Seufzen des Geistes empfängt. Auch Christus wendet sich zuallererst an die Person, die Ohren hat zu hören. Diese sind die Johannesse unserer Zeit, die an Jesu Brust liegen. Diese sind die Jünger, die Jesus vor anderen liebt. Denn sie hören, weil sie lieben. Hier kommt Maria vor Martha, Mose vor Aaron und Mirjam, Josef vor seinen Brüdern, hier kommen die Propheten vor dem Volk, hier kommt Jesus vor allen.

Der Schwerhörigste ist der Gleichgültigste. Deshalb wünschte Mose, dass alle vom Volk des Herrn Propheten wären. Und Paulus stritt mit all seiner Kraft dafür, dass die Gemeinden den Geist der Weisheit und der Offenbarung bekommen sollten. Und diesen konnten sie nur bekommen, wenn sie auf das unaussprechliche Seufzen des Geistes hörten. Aber um für dieses Seufzen aufmerksam zu sein, muss die Liebe zu Christus enorm groß werden. Und wer Christus liebt, liebt die Wahrheit, auch die Wahrheit über die eigene Schlechtigkeit.