Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1934-03 - Der natürliche Mensch

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Der natürliche Mensch

Man sollte meinen, wenn ein Mensch in den Dienst Gottes getreten ist, dass dann der natürliche Mensch unwirksam geworden ist. Dass dies aber nicht der Fall ist, dafür haben wir unzählige Beweise gesehen. Darum ermahnt Paulus die Korinther und sagt: „Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.“ Wer das Seine sucht, wandelt gemäß „dem natürlichen Menschen“. Was sie von Natur aus kennen wie die unvernünftigen Tiere, daran verderben sie. Diese lästern alles, wovon sie nichts verstehen. Jud. 10. Das, was geistlich ist, kennen sie nicht. Und in ihrem Irrtum liegt der Weg Kains vor ihnen und um Gewinnes willen der Irrtum Bileams. Und im Aufruhr Korahs kommen sie um.

Was den Dienst betrifft, suchen sie alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. Niemand konnte eine so aufrichtige Fürsorge für die Philipper haben wie Timotheus. Der natürliche Mensch machte sich überall geltend, wodurch die Liebe und die Fürsorge Christi in den Hintergrund kamen. Die Rücksichtnahme auf Frau und Kinder, die Sorge für den Lebensunterhalt und alles andere, was der Natur angehört, trat in den Vordergrund und nahm eindeutig den ersten Platz ein, und so kommt das Reich Gottes an die zweite Stelle. Was sie von Natur aus kennen, daran verderben sie. Die meisten Prediger sind sicherlich zu Anfang ehrlich. Doch wenn sich dann die Verpflichtungen für die Familie melden und die Forderungen zunehmen, dann versagt meistens der Glaube, und der natürliche Mensch mit allen seinen Merkmalen kommt zum Vorschein. Darum gilt es, treu zu sein bis ans Ende. Wenn der Prediger gerne treu sein möchte, so kann es sein, dass Frau und Kinder mehr als das fordern, was Gott in ihren Weg sendet. Gibt dann der Mann diesem Druck nach, dann kommt die fleischliche Natur hervor und erhebt ihre Ansprüche. Der Glaube fordert nichts. Alles ist möglich für den, der glaubt. George Müller versorgte Hunderte von Kindern durch Gebet und Glauben.

Auf der anderen Seite sollen diejenigen, die das Wort von einem Diener des Herrn empfangen, solche anerkennen. Und ist er ein „Levit“ (d. h. hat er sich nach dem Willen Gottes von Jugend an für den Dienst des Geistes geopfert), dann heißt es: „Und hüte dich, dass du den Leviten nicht leer ausgehen lässt, solange du in deinem Lande lebst.“ 5. Mos. 12, 19. Denn, wenn du seine geistlichen Güter erntest, was Großes tust du, wenn du ihm etwas vom Zeitlichen gibst?

Das Volk murrte gegen Mose bei dem Wasser in Meriba, sodass Mose ein schlimmer Fehler passierte. Bei diesem zweiten Mal sollte er zum Felsen reden, doch im Unglauben schlug er den Felsen. 4. Mos. 20. So kann auch ein Diener des Herrn – wenn der Druck von den Murrenden zu groß wird – den Felsen schlagen und vergessen, zu ihm zu reden. Die Folge davon ist, dass er nicht ins Land hineinkommt. Man verliert die Geheimnisse des Hohepriesters und alles, was Gott gibt. Man hat dann Jesus Christus nur noch als Schlachtopfer, denn Jesus wurde geschlagen. So sinkt man in den gewöhnlichen Dienst an der Hütte hinab, und die inneren Wege werden dunkel. Er, der vom Himmel redet, kommt außer Hörweite, und zum Schluss hat man nur noch Christus als Sühnopfer für Sünden und kennt ihn nicht als Mittler und Hohepriester.

Ein Prediger der Pfingstgemeinde erzählte einmal vom Rednerpult aus von einem Prediger im Ausland, der anfing, auf den inneren Wegen zu gehen und das anderen zu verkündigen. Doch die Zuhörerschar wurde so klein, dass er wieder anfangen musste, für Sünder zu predigen. Ich gehe davon aus, dass er fand, dass die Kollekte zu klein wurde. Geldsorgen und Unglaube trieben ihn dazu, wieder den Felsen zu schlagen, anstatt zu ihm zu reden. Denn die Massen sind Sünder und brauchen Vergebung und Gnade. Sie brauchen Versöhnung mit Gott durch den Tod seines Sohnes. Doch jeder, der zum Glauben gekommen ist, braucht die Erlösung durch sein Leben. Röm. 5, 10. Solche soll man im Weg der Gerechtigkeit unterweisen und darin, täglich ihr Kreuz auf sich zu nehmen und nicht zu sündigen. Die Menschen hören es gerne, wenn davon geredet wird, den Felsen zu schlagen, um Wasser zu bekommen. Und die Prediger verstehen dies sehr gut und so richten sie sich danach. Nur wenige leben so, dass sie zum Felsen reden. Dieses intimere Leben in Gott leben nur diejenigen, die zur Ruhe eingehen, nachdem sie zum Glauben gekommen sind. In das Land kommt man nur auf diese Weise. Durch den Dienst des Trösters bekommen wir Kraft, die inneren Feinde zu besiegen. In dieser Kraft können wir die Sünde besiegen, bevor sie aus unserem Mund und aus unserem Leib herauskommt. Wir können wie der Meister selbst die Sünde im Fleisch verdammen, sodass ein neuer und lebendiger Weg durch dieses entsteht.

Wenn man immer davon lebt, dass man den Felsen schlägt, um Wasser zu bekommen, bekommt man nie göttliche Natur; denn dass wir eine neue Natur bekommen, dies geschieht durch den Dienst unseres himmlischen Hohepriesters. Daher bleiben solche, die ihr ganzes Leben hindurch den Felsen schlagen, um Wasser (Sündenvergebung) zu bekommen, nur natürliche Menschen.

Wir wissen auch aus Erfahrung, dass diese natürlichen Menschen keine Geistesgemeinschaft miteinander haben, und dass sie nicht erfassen, was dem Reich Gottes angehört. Gewöhnlich sind sie Feinde der Wahrheit und des Kreuzes Christi. Doch wenn sie allzu viel sündigen und das Gewissen sie zwingt, dann schlagen sie den Felsen. Diejenigen, die gelernt haben, zum Felsen zu reden, werden nicht von einem schlechten Gewissen getrieben, sondern von der Liebe Christi. Die Liebe zu Gott macht, dass wir seine Gebote halten. Wer aber seine Gebote hält, tut nicht Sünde. Er redet zum Felsen und bekommt Wasser.

Paulus war ein Diener des Geistes und nicht des Buchstabens. Er hatte gelernt, zum Felsen zu reden, und der Felsen konnte zu ihm reden. Dies ist das rechte Verhältnis, das Brautverhältnis.