Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1934-03 - Jakobs Kampf bei Pniel

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Jakobs Kampf bei Pniel

Jakob nahm alles, was er besaß, seine Frauen, die beiden Mägde und seine elf Söhne und ging über die Furt des Jabbok.

„Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, sodass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm. Und der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du segnest mich! Da fragte er ihn: Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob! Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!

Jakob aber bat und sprach: Lass mich doch deinen Namen wissen! Er aber antwortete: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort. Jakob aber nannte den Ort Pniel; denn er sprach: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden!“ 1. Mos. 32.

Die Ursache dieses harten Kampfes war, dass Jakob sich sehr fürchtete, weil ihm sein Bruder Esau mit 400 Mann entgegenkam. „Und Esau wurde dem Jakob Feind wegen des Segens, womit sein Vater ihn gesegnet hatte; und Esau sprach in seinem Herzen: Die Zeit, da man um meinen Vater trauern wird, ist nicht mehr weit; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen!“ 1. Mos. 27, 41 ff.

Vor kurzem hatte Laban ihn verfolgt und eingeholt. Er hatte sein ganzes Lager durchsucht, und nun erwartete Jakob seinen Bruder Esau mit einem ganzen Heer erwachsener Männer.

Jakob sandte zwei Abordnungen mit Geschenken an Esau. Und er ließ Raum zwischen ihnen. Denn er dachte: Wenn Esau das eine Lager überfällt und es schlägt, so kann doch das übrig gebliebene Lager entkommen! Danach betete Jakob inniglich zu Gott und hielt ihm eindringlich alles vor, was er ihm verheißen hatte und sprach: „Errette mich von der Hand meines Bruders, von der Hand Esaus; denn ich fürchte mich vor ihm, dass er komme und schlage mich, die Mütter samt den Kindern.“

Wie wir sehen, war Jakob in einer Notsituation. Er konnte nicht zurück zu Laban ziehen, denn Laban war ihm feindlich gesinnt, und außerdem hatte Gott zu ihm gesagt: „Zieh wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft, ich will dir wohltun.“ V. 10. So nahm Jakob in der Nacht alles, was er besaß, und überschritt die Furt des Jabbok. Er selbst blieb zurück und kämpfte im Gebet mit dem Engel des Herrn, bis die Morgenröte anbrach.

Dieser Kampf glich sehr dem Kampf Israels am Roten Meer: Der Pharao und die Ägypter hinter ihnen und vor ihnen das Rote Meer. So stellt Gott sein Volk auf die Probe, sowohl ein ganzes Volk als auch eine einzelne Person. Unter solchen Umständen haben wir nichts anderes zu tun als zu glauben und uns auf das zu verlassen, was der Herr gesagt hat. Auf diese Weise können wir durch das Meer gehen und an Esau vorbeikommen. Denn alles ist möglich dem, der glaubt.

„Und Jakob erhob seine Augen und schaute, und siehe, Esau kam heran und 400 Mann mit ihm. Da verteilte er die Kinder auf Lea und auf Rahel und auf die beiden Mägde. Und er stellte die Mägde mit ihren Kindern voran, und Lea mit ihren Kindern danach, und Rahel mit Joseph zuletzt.

Er selbst aber ging ihnen voraus und verneigte sich siebenmal zur Erde, bis er nahe zu seinem Bruder kam.“

Heutzutage gibt es viele Christen, die sich nur vor Gott, aber nie vor Menschen beugen wollen. Diese haben etwas von Jakob zu lernen. Hätte sich Jakob nicht siebenmal bis zur Erde vor seinem Bruder Esau verbeugt, dann wäre er höchstwahrscheinlich nicht mit heiler Haut davongekommen. Der Stolz in Jakobs Herz wurde an der Furt des Jabbok zerbrochen, wo er kämpfte und über Gott und Menschen siegte. Über welchen Menschen hat er Sieg errungen? Ja, über den Menschen, den er am meisten von allen fürchtete, nämlich Esau und danach über alle seine 400 Mann. Eine Folge dieser beeindruckenden Demut war, dass ihm Esau entgegenlief, ihn umarmte, ihm um den Hals fiel und ihn küsste; und sie weinten. V. 4.

„Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.“ Mt. 5, 25.

Alle wollen sich gerne vor Gott beugen, aber vor Menschen? Nein, niemals! Doch sehen wir, dass Jakob es lernte, sich sowohl vor Gott als auch vor Menschen zu beugen. Um dies ging es beim Kampf an der Furt des Jabbok. Gott lehrte ihn dort, wie er Esau behandeln sollte.

Auch Jesus lernte Gehorsam an dem, was er litt. Er lernte, für seine Mörder zu beten. Lernt von mir, sagte er, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.

Die Sache ist nämlich die, dass ein Mensch noch jahrelang hochmütig ist, nachdem er von gewöhnlichen Sünden erlöst ist. Darum sagt Elihu in Hi. 33: Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeden, damit er den Menschen von seinem Vorhaben abwende und von ihm die Hoffart tilge. Was war das, was er zwei oder dreimal tat? Er führte ihn nahe ans Grab und sein Leben zu den Engeln des Todes.

Einen Menschen verachtet man, obwohl man selbst ein Mensch ist. Das erste Gebot heißt, dass wir Gott mehr als alles lieben sollen. Aber das zweite Gebot ist ebenso groß und lautet: Und unseren Nächsten wie uns selbst.

Jakob lernte, sich siebenmal vor einem Menschen zur Erde zu beugen, von dem Gott sagt: „Esau habe ich gehasst.“ Obwohl Jakob den Segen und die Verheißungen hatte, musste er sich vor seinem Bruder beugen. Und nicht nur er, die Mägde traten herzu samt ihren Kindern und verneigten sich. Auch Lea kam herbei mit ihren Kindern, und sie verneigten sich; danach kam Joseph mit Rahel herbei, und auch sie verneigten sich 1. Mos. 33, 5-7.

Diese „Pass-Demut“ war die Einreiseerlaubnis in das Heilige Land. Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt. Aber wer mit dem „Mann von Pniel“ gekämpft und Gott und Menschen besiegt hat, kann Hoffnung haben, an Esau und seinen 400 Mann vorbeizukommen.