Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Skjulte Skatter 1932-03 - Eine Sekte?

Gesammelte Schriften Band 5 • 1932 - 1936

Eine Sekte?

„Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.“ Apg. 24, 14.

Der „Weg Gottes“ wird eine Sekte genannt, und aus welchem Grund? Eben deshalb, weil so wenige auf ihm wandeln! Diese Wenigen sondern sich also von der religiösen Menge ab und werden eine Sekte genannt. Aber ist es eine Sekte? Nein, es ist nur eine kleine Schar, die auf dem Weg des Lebens wandelt und dem Licht des Lebens folgt. Der Weg Gottes wird als eine Form der Lehre verkündigt, und durch Gehorsam ihr gegenüber wird man zu einem Gottesmenschen ausgebildet. Dies bekennen wir mit Freude vor allen, die uns auch heute eine Sekte nennen wollen.

Das Himmelreich ist ein Reich in Gerechtigkeit, Freude und Frieden im Heiligen Geist. Die Einwohner dieses Reiches werden eine Sekte genannt, weil sie in dieser Welt kein Heimatrecht haben. Sie sind Gäste und Fremdlinge. Selige Fremdlinge. Wie erbärmlich ist es doch, Christus mit dem Mund zu bekennen und von ganzem Herzen in dieser Welt zuhause zu sein. Jesus sagt selbst, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. Der „Weg Gottes“ führt von der Welt heraus, er führt hin zur Schmach Christi, zur Kraft Gottes und zu einem siegreichen Leben. Wer wagt es, auf diesem Weg zu gehen? Wer liebt diesen und wer liebt die Schmach? Es sind die Armen im Geist, die Friedfertigen, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden und die das Böse nicht dulden können. Diese alle bekennen gerne, dass sie dem Weg Gottes angehören, den man eine Sekte nennt; denn sie befleißigen sich, ein unverletztes Gewissen vor Gott und den Menschen zu haben. Auch glauben sie allem, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht. Das Himmelreich zehrt am Eigenleben und der Tod wird vom Leben verschlungen. Der von oben her kommt, ist über alle, denn ihm ist Macht über alles Fleisch gegeben. Religiöse Menschen bilden Sekten und suchen das Ihre. Diejenigen, die dem Himmelreich angehören und zu einer Wohnung Gottes im Geist erbaut werden, haben ein Reich bekommen, auf das man nicht zeigen kann. Man wird nicht sagen können: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Das Reich ist inwendig in uns und die Gemeinschaft besteht im Wandel im Licht. Die Lerche erkennt ihresgleichen am Gesang. So ist es auch bei denen, die die Gemeinschaft des Himmelreichs haben. Nur diejenigen, die auf „dem Weg“ wandeln, können wohlvertraut über diesen sprechen. Daran erkennt man die Gemeinschaft. Jesus ist „der Weg“, „die Wahrheit“ und „das Leben“. Wer aus der Wahrheit ist, hört die Wahrheit. Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen. Triffst du religiöse Menschen, die die Wahrheit nicht ertragen können, dann weißt du, dass sie weltliche Menschen gut ertragen können, und du weißt, dass sie die Lüge mehr lieben als die Wahrheit. Daran erkennst du auch, dass sie den Teufel (den Lügner) zum Vater haben. Und wenn sie sagen, dass sie Kinder Gottes sind, dann ist auch dies Lüge.

Auf „dem Weg“ lernt man durch die Wahrheit, das Edle vom Unedlen und Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Daher kann man durch Glauben lernen, klar zu sehen und klar zu reden. Das ist der Vorteil vom „Weg Gottes“ gegenüber anderen Wegen. Um auf diesem Weg zu wandeln, erwählt Gott allerlei Menschen. Jesus sagt: Die du mir von der Welt gegeben hast, habe ich in deinem Namen bewahrt. Sie waren dein, aber du hast sie mir gegeben, dass sie eins seien wie wir. Joh. 17, 11-12. Der Heilige Geist ist nicht in sich selbst gespalten. Alle, die diesen Geist der Wahrheit haben, sind eins. Diejenigen aber, die die Lüge verfechten, sind nicht aus der Wahrheit, sie sind auch nicht eins. Der Geist der Wahrheit nimmt zu in einem Menschenherzen. Wenn nun ein Mensch auf dem Weg den Geist der Weisheit hindert, um sich selbst zu schonen, dann nimmt er Satan an, und der Geist Gottes – der Geist der Wahrheit – muss vor dem „Schone dich selbst!“ weichen, vor Satan. Hier sind die Vielen, die im Geist anfangen und im Fleisch vollenden. Mit diesen können wir nicht eins sein; denn sie haben einen anderen Geist angenommen und einen anderen Jesus. Als jedoch unser Jesus dazu versucht wurde, sich selbst zu schonen, sagte er: „Weiche hinter mich, Satan!“ Jesus war ein Opfer für den Geist Gottes. Er opferte sich in der Kraft eines ewigen Geistes. Überall, wo das Himmelreich in ein Menschenherz eindringt, wird der Leib ein Opfer für den Geist. Darum heißt es in Röm. 12, 1: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“

Hieraus geht mit aller Deutlichkeit hervor, dass von einem geistlichen Gottesdienst nur dann die Rede sein kann, wenn man den Leib als ein Opfer hingibt.

„Der Weg Gottes“ wird also ein Weg des Opfers, und die Opfer haben wir in uns selbst. Der Weg geht durch das Fleisch, und wenn man durch das Fleisch will, dann kann keine Rede davon sein, sich selbst zu schonen. Dagegen kann die Rede davon sein, im Fleisch zu leiden und mit der Sünde fertig zu werden. Das göttliche Leben bildet selbst eine Lehre, denn die Opferung nach den Gesetzen des Geistes bringt die Gesetzeslehre Gottes in unserem inneren Wesen hervor. Das ist eine Lehre, die neu und lebendig ist, eine Lehre, die das Fleisch und der natürliche Mensch im Fleisch nicht fassen können, auch dann nicht, wenn er vom Predigen lebt. Hierin ist Gott gerecht, denn bei ihm gibt es kein Ansehen der Person. „Der Weg“ ist derselbe für uns alle, ob man gelehrt ist oder ungelehrt. Denn die Lehre des Gelehrten muss vor der Lehre Christi verstummen, und die Zunge des Ungelehrten kann im Geist eine Rede der Weisheit hervorbringen. Hier haben wir die Priester Gottes. Wer ist demnach „gelehrt“ ? Ja, diejenigen, die von Gott gelehrt sind. Und wer sind die „Laien“ ? Diejenigen, die nicht von Gott gelehrt sind. Und wer wird von Gott gelehrt? Diejenigen, die seine Gebote haben und halten! Hier haben wir Weise und Schriftgelehrte, die Jünger des Himmelreichs geworden sind; diese bringen aus ihrem Schatz Neues und Altes hervor. Das alles haben sie auf dem Weg gelernt, der eine Sekte genannt wird.