Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1927-07 - Seele und Geist

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Seele und Geist

Ausgearbeitet auf Grundlage eines Buches von Jessie Penn-Lewis

Auch bei der Missionswirksamkeit sind die Sinne und die seelischen Gefühle daran schuld, dass ein großer Prozentsatz von „Bekehrten“ am Tag der Prüfung nicht standhält, wenn die flüchtigen Gefühle, die sie bekommen haben, verschwinden. Dies ist auch der Grund dafür, dass viele Missionare übertrieben schnell erschöpft und bisweilen „zerbrochen“ sind. Ein Korrespondent schreibt: „Ist es nicht der wirksame seelische – oder natürliche – Mensch, der mit all seiner Glut, seinen Gefühlen, seiner Stimmung und Energie, mit seinen öffentlichen wie auch privaten Reden nervös und erschöpft wird? Und ist es für den Geist nicht möglich, die Wahrheit lebendig zu machen, ohne dass der Leib angespannt oder bis zum Weinen beschwert wird? Oder ist es für den Geist nicht möglich, die Wahrheit Gottes ohne „Stimulanz“ hervorzubringen? Oder ist es für Gott nicht möglich, seine Kraft in die Worte zu legen, die du anderen sagst – nicht so viel durch dich, sondern durch dein Zeugnis, nachdem es deine Lippen verlassen hat und in den Sinn eines anderen hineindringt? Es sieht so aus, als ob man auf diese Weise mehr Arbeit ausführen könnte und mit weitaus weniger Anstrengung, wenn meine Vermutung wahr ist.“

Ein Mensch kann von Natur aus eine „brennende Seele“ haben und durch diese brennende Seele die seelischen Gefühle bei anderen in Bewegung setzen. Aber ihr Glaube und ihre Weisheit stehen dann unter der Beeinflussung des Menschen, der sie in Bewegung gesetzt hat, und nicht unter der Kraft Gottes. Wir können nun sehen, was Andrew Murray meint, wenn er sagt, dass die größte Gefahr für die Gemeinde oder die einzelne Person „die unverschämte Aktivität der Seele mit deren Kraft aus Sinn und Wille“ ist. Die alten Quäker pflegten dies „Menschenwerk“ zu nennen, und das ist auch ein deutliches Einbringen von menschlicher Energie im Dienst Gottes, statt dass der Mensch im Geist die Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist suchen würde, der ihm als eine Gabe vom auferstandenen Sohn Gottes gegeben ist.

Man trifft Verstandesmenschen, deren Geist noch nicht wiedergeboren ist, die in das Leben unsterblicher Seelen eingreifen und für diese endgültige Entscheidungen treffen. Ebenso gibt es starke Willensmenschen, die Einfluss auf den Willen dieser unsterblichen Seelen ausüben. Und gebieterische Personen herrschen über das Leben und das Gewissen anderer. Es ist darum eine Falle, wenn man versucht, Menschen durch musikalische Unterhaltung, Musikübungen, Vorlesungen und andere populäre Dinge zu Gott zu ziehen. All diese Dinge sind Ausdruck verschiedener „seelischer“ Ideen von Menschen, die es sich zur Aufgabe machen, anderen zu helfen. Solche Menschen können wiedergeboren sein, aber sie sind „von der Seele geleitet“ und kennen den Geist Gottes nicht als eine treibende Kraft, die in ihrem Geist wohnt, wenn es gilt, Gottes Botschaft zur Erlösung für die Menschen hervorzubringen.

Aber es gibt einen anderen Zweig von Christen, deren Anzahl viel geringer ist als die der oben erwähnten. Sie wissen, dass der Geist Gottes in ihnen wohnt, sind aber dennoch in einem weit geringeren Maß seelisch. Das sind diejenigen, die „Seele“ und „Geist“ in ihrer religiösen Erfahrung vermischen und die nicht zufrieden sind, ohne dass sie immer die Nähe von Gottes Geist bei sich innerhalb der Begrenzung des Selbstbewusstseins spüren. Eine Folge davon ist, dass sie, obwohl Gottes Geist in ihnen wohnt, oft in das seelische Leben hinunterfallen, weil sie das geistliche Leben und die Zusammenarbeit des Menschengeistes mit Gott nicht verstehen.

Die Seele umfasst nicht allein Verstand und Gefühle, sondern aus der Schrift kann man ersehen, dass die Seele der Sitz für die Persönlichkeit in ihrer Hingabe, Freude und Sorge usw. ist. Es steht folgendermaßen geschrieben: „Meine Seele ist betrübt.“ Mt. 26, 38. „Meine Seele erhebt den Herrn.“ Lk. 1, 46.

„Jetzt ist meine Seele betrübt.“ Joh. 12, 27. „Gewinnt eure Seelen durch euer standhaftes Ausharren!“ Lk. 21, 19. „Musste […] seine gerechte Seele von Tag zu Tag quälen lassen.“ 2. Petr. 2, 8. „Locken die unbefestigten Seelen an sich.“ 2. Petr. 2, 14.

Es ist daher klar, dass es die individuellen besonderen Eigenschaften ebenso in der Seele wie in den physikalischen Voraussetzungen des Leibes gibt. Und diese „Form“ oder dieses „Gefäß“ der Seele, wenn wir es so nennen können, kann entweder mit Freude, Liebe, Trauer oder Geduld vom heiligen, geistlichen Leben des zweiten Adams gefüllt werden, das in das Gefäß der Seele ausgegossen wird. Oder kann es auch mit einer seelischen oder sinnlichen Freude gefüllt werden, die von dem niedrigeren Leben des ersten Adams in das Gefäß der Seele hineinkommt. Im letzten Fall ist der Gläubige – obwohl der Heilige Geist in ihm wohnt – dennoch in dem Maß „seelisch“, wie das tierische Seelenleben in allen Variationen der Empfänglichkeit der Seele Spielraum hat. Es kann sein, dass er sich an eine seelische Freude klammert und innerhalb der Begrenzung der Gefühle der Seele lebt. So lebt er im Sitz seines Selbstbewusstseins – und nicht im Geist, der der Ort für das Gottesbewusstsein ist. Und so gehört er zu den Gläubigen, die immer geistliche „Erfahrungen“ im Sinnesbewusstsein suchen anstatt nur im reinen Gottesbewusstsein, dem wiedergeborenen Menschengeist.

Lasst uns mit diesem vor Augen sehen, wie die bösen Geister am seelischen Leben in all seinen Entwicklungsstufen arbeiten.

Die Seele und die Macht der Finsternis

Wenn du in deinem Herzen ein bitteres Gefühl von Feindschaft oder Neid hast, dann rede keine prahlerischen oder herausfordernden Worte wider die Wahrheit. Das ist nicht die Weisheit, die von oben herkommt, sondern sie ist von der Erde, von der ungeistlichen Natur (griech.: physikal) und von den bösen Geistern. Jak. 3, 14-15.

In der üblichen Übersetzung heißt der Text: „Das ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern sie ist irdisch, niedrig (natürlich, griech.: der Seele angehörend), und teuflisch (in einer engl. Übers.: dämonisch).“ Das haben wir bereits erwähnt, aber wir tun es nochmals, um von der Verbindung zwischen den bösen Mächten und dem tierischen Seelenleben zu überzeugen. Wir beziehen uns hier nicht auf die „Werke des Fleisches“, sondern auf den Verstand des Menschen, die Seele. Und die Schrift zeigt, dass böse Geister ebenso sicher am seelischen Teil des Menschen arbeiten, wie sie es an seiner fleischlichen Natur tun.

Es ist überraschend zu sehen, dass die Wahrheit so direkt gebraucht wird, wenn man doch weiß, dass jedes bittere Gefühl von Feindschaft und Neid in Verbindung damit, sich selbst hervortun zu wollen oder angesehen zu werden als einer, der Erkenntnis besitzt, von bösen Geistern herrührt, die am seelischen Leben arbeiten und ihren Ursprung – wie Fausset schreibt – in der Hölle haben.

Dies wird von vielen wahren Gotteskindern sehr wenig verstanden. Sie haben Erkenntnis über satanischen Einfluss, was grobe Sünden betrifft und wenn „Werke des Fleisches“ ans Tageslicht kommen, aber nicht, wenn es darum geht, Satans Arbeit im höchsten Teil der Zivilisation unserer Tage zu finden. Dem liegt die Unwilligkeit zugrunde, die Stellung von Gottes Wort bezüglich des Falls und tiefsten Versinkens des Menschen in Verderben und Tod zu untersuchen, das dazu geführt hat, dass alle Gedanken (innere Auffassungen) seines Herzens von Gott als „nur böse“ gesehen wurden. Und hinter diesem totalen Verdorbensein steht wiederum das Gift der Schlange, das sich Zugang durch die Öffnung verschafft, die man für Weisheit hält.

Um die Macht des Bösen auszuschließen, ist es für die Erneuerung und den Fortschritt des wiedergeborenen Menschen notwendig, dass jedes Element des gefallenen Lebens außerhalb aller Aktivität gehalten wird, sei sie nun fleischlich oder seelisch. Denn je „geistlicher“ ein Mensch wird, desto stärker wird er in einer aktuellen geistlichen Verbindung mit dem Herrn der Herrlichkeit vereint, und desto mehr entflieht er der Macht der bösen Geister, sodass er dazu ausgerüstet wird, sie zu beurteilen und gegen sie zu kämpfen. Aber man muss zuerst klar verstehen, dass „der Fall“ das Resultat der Lüge des gefallenen Erzengels Satan war, und als Satan das gelang, trank die gefallene Menschheit ein Gift, das ihr ganzes Dasein durchdrang. Dies gibt Satan Macht und Zugang zur ganzen dreigeteilten Natur; denn weil der gefallene Menschengeist „tot für Gott“ ist, steht er offen für die ganze teuflische Welt der Geister der Finsternis, die vom Fürst der Finsternis regiert wird. Seelen mit ihrem Verstand, ihrer Phantasie, ihren Gedanken, ihrem Willen und ihrer Hingabe sind vom Leben des ersten Adams geleitet, der gefallen und verdorben ist. Leib und Seele sind darum in allen Stücken empfänglich für das Gift der Schlange. Darum sagt Johannes geradeheraus, dass „die ganze Welt im Argen liegt“. 1. Joh. 5, 19.

Der gefallene Mensch muss darum nicht nur durch das Lebensblut des Sohnes Gottes erlöst werden, sondern das Ganze muss von der Macht der Finsternis in das Reich des Sohnes Gottes überführt werden. Daher muss jeder einzelne Teil des Daseins des gefallenen Menschen vom Geist des Menschen, der durch Gottes Geist täglich mehr und mehr erneuert und von der Macht der Sünde und dem tierischen Seelenleben erlöst wird, in Bewegung gesetzt werden. Wenn die erste Schöpfung „ehrfurchtgebietend und wunderbar gemacht“ war, dann muss die wiedergeborene Schöpfung, die in die tierische Seele und in das tierische Fleisch versunken gewesen und wieder in das Reich des Geistes erhoben worden war, um Seele und auch Leib beherrschen zu können, in Wahrheit ein wunderbares Werk sein, das nur der dreieinige Gott vollführen kann. Der Vater gibt den Sohn, der Sohn gibt sein Leben und Gottes Geist gibt sich selbst, um mit Geduld und Liebe den Willen des dreieinigen Gottes auszuführen.

Dass der Fürst der Finsternis jedem einzelnen Schritt widersteht, der den Menschen von der Knechtschaft der Sünde befreien soll, ist leicht zu verstehen, und es ist notwendig, dass wir über jedes Element in der gefallenen Schöpfung, das für seine Macht offensteht, Klarheit haben.

Dass er den nicht wiedergeborenen Menschen vollständig kontrolliert, wird in Eph. 2, 2-3 klar gezeigt, wo der Apostel sagt, dass „die Kinder des Zorns“ den Willen des Fleisches und der Gedanken tun, d. h. dass das seelische Leben ganz in der Macht des Fürsten der Finsternis ist. Wenn dann der Geist des Menschen zum Leben gebracht wurde und von der Macht der Sünde befreit ist, ist das seelische Element im physischen Leib offen für die böse Macht.

Zum Beispiel:

1. Zuerst im seelischen Leben, wo die seelische Weisheit „dämonisch“ wird, wenn böse Geister sie gebrauchen, um ihre Pläne auszuführen. Der Feind kann ein inneres Vorurteil aufbauen oder eine fixe Idee wecken – ohne, dass es der Mensch überhaupt merkt – und im kritischen Augenblick benutzt er das, um das Werk Gottes zu stören. Diese Arbeit des Feindes im Gemüt des Gläubigen, während Herz und Geist vor Gott wahr sein können, ist heute die ernsteste Wirklichkeit in Gottes Gemeinde. Denn durch die verschiedenen Ideen bei ansonsten guten Menschen wird die Arbeit von Gottes Geist oft mehr gehindert als durch Unglauben und Hass der Welt. Und abermals kann der Feind innerhalb der Reichweite des seelischen Gefühlslebens das natürliche Leben so erheben, dass die tiefgreifende Arbeit vom Geist Gottes entweder erstickt oder erschüttert wird und seine Stimme nicht gehört werden kann.

2. Im physischen Leib kann der Feind am Nervensystem arbeiten und vom tierischen Magnetismus Gebrauch machen, der so untrennbar mit der menschlichen Zusammensetzung verknüpft ist. Ebenso kann er viele andere Dinge benützen, die für die böse Macht in Anknüpfung an die „Werke des Fleisches“ und an das, was gewöhnlich Sünde genannt wird, offenstehen.

Diese Dinge im menschlichen Leib halten die Tür weit auf für böse Geistesmächte, und damit der Gläubige sein kompliziertes Dasein verstehen kann, muss er seinerseits intensiv nach Gottes Licht suchen, damit er sich selbst verstehen kann und wissen kann, demütig und in Abhängigkeit vom Schutz des auferstandenen Herrn vor dem Bösen zu wandeln. Das ist ein Schutz, der nur dann wirken kann, wenn der Mensch auf Jesu Blut sieht und stillschweigend dem geschriebenen Wort gehorcht, indem er für all die Wahrheit auf Empfang ist, die ihm Licht geben kann über die Grundlage, auf der er möglicherweise dem Feind Gelegenheit für dessen Angriffe bietet oder wodurch der Feind Zugang zu Sinn oder Leib bekommt.

Denn die Macht der Finsternis ist äußerst tüchtig darin, Seite an Seite mit „der Natur“ zu arbeiten oder ihren Zustand entweder als Temperament oder als Störung der gewöhnlichen leiblichen Funktionen oder Zusammensetzungen darzustellen, und sie wacht und wartet auf ein physisches oder geistliches Unwohlsein, das als Decke oder Entschuldigung für ihre Arbeit dienen kann.

Wie „Seele“ und „Geist“ geteilt werden

„Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ Hebr. 4, 12.

Diese besonderen Worte in Hebr. 4, 12 nehmen eine klare Trennung zwischen Seele und Geist vor und zeigen die Notwendigkeit auf, das eine vom anderen zu unterscheiden. Diese Worte zeigen auch die Mittel, wodurch dies getan wird, damit der Gläubige in Wahrheit ein „geistlicher Mensch“ wird, der in Gemeinschaft mit Gott im Geist lebt. 1. Petr. 4, 6. Pember sagt in diesem Zusammenhang, dass sich der Apostel hier „auf Gottes Wort bezieht, auf die Kraft zu scheiden, und dass es das Dasein des Menschen in Geist, Seele und Leib aufteilt, auf ebendieselbe Weise wie die Priester im Alten Bund die Tiere, die zum Brandopfer bestimmt waren, enthäuteten und zerlegten.“

Fausset schreibt: „Gottes Wort ist lebendig und kräftig, energisch kraftwirkend (griechisch), es dringt hindurch, sodass es sogar die tierische Seele scheidet vom Geist, der der höhere Teil beim Menschen ist, ja es dringt hindurch, um sogar Seele und Geist zu scheiden, Mark und Bein … , indem es zwischen dem scheidet, was vom Geist kommt und dem, was vom Fleisch und dem Tierischen im Menschen kommt, es scheidet den Geist von der Seele.“

Diese Worte zeigen, wie sehr dieses „Scheiden“ zum Nachdenken anregt und wie lehrreich dies ist für den Gläubigen, der geöffnete Augen für die Gefahr hat, dass ihn das Leben der Seele beherrscht anstatt der Geist Gottes, der frei in unserem Menschengeist wirkt.

Im Gläubigen, der beabsichtigt, ein geistlicher Mann zu werden, erhebt sich dann sofort diese Frage: „Was soll ich tun?“

Wie kann ich während meiner Wanderung und in meinem Dienst herausfinden, was dem seelischen Tierleben angehört? Wir haben einen Hohepriester, der die Himmel durchschritten hat, er, vor dessen Angesicht alle Dinge bloß und aufgedeckt sind. Hebr. 4, 13. Er will seinen Priesterdienst in unserem Inneren ausführen, indem er mit seinem zweischneidigen, scharfen Schwert im Wort Seele und Geist scheidet. Ja, er dringt so tief in die verborgenen Gedanken und Gesinnungen des Herzens ein, dass er sogar im Innern Gericht hält und Anleitung gibt, wo man unterwiesen werden möchte.

Unser Hohepriester, der selbst Mensch wurde, damit er ein „barmherziger und treuer“ Hohepriester würde (Hebr. 2, 17), ist mitfühlend im Hinblick auf unsere physischen und moralischen Schwachheiten (Hebr. 4, 15). Er ist der Einzige, der vor den Augen unseres bewussten Ichs das Opfermesser nehmen und geduldig das seelische Leben aus seinen alten Verbindungen „heraustrennen“ kann, von denen es im ersten Adam durch Gedanken und Gefühle so durchdrungen ist, und der dem Geist im zweiten Adam eine freigemachte Seele zur Verfügung und zum Dienst stellen kann. Was für ein gewaltiges Werk!!!