Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1927-05 - Seele und Geist

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Seele und Geist

Ausgearbeitet auf Grundlage eines Buches von Jessie Penn-Lewis

Die Befreiung am Kreuz

„Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt.“ Gal. 5, 24. Mit diesen Worten schließt der Apostel in seinem Brief an die Galater die Beschreibung der „Werke des Fleisches“ ab, und im Gegensatz dazu beschreibt er „die Früchte des Geistes“, die der geistliche Mensch dadurch hervorbringt, dass der Heilige Geist in seinem Leben wohnen und wirken durfte.

„Kleine Kinder“ in Christus, die noch fleischlich sind, brauchen ein tieferes Verständnis davon, was es mit dem Kreuz auf sich hat. Denn das Ziel Gottes mit „dem alten Menschen“ ist, dass dieser mit Christus gekreuzigt wurde, sodass die, die in Christus sind, „ihr Fleisch gekreuzigt haben“ samt den Leidenschaften und Begierden. Das Kreuz, an dem dem Unbekehrten die Sünde vergeben und die Sündenbürde durch des Lammes Blut weggetan wurde, ist dasselbe Kreuz, an dem auch der „fleischliche Christ“, der – trotz seiner Bekehrung vor vielen Jahren – ein „Kind“ in Christus ist, die Befreiung von der Herrschaft des Fleisches annehmen muss, sodass er nach dem Geist und nicht nach dem Fleisch wandeln kann, um dann zu seiner Zeit „geistlich“ und ein erwachsener und reifer Mann in Christus zu werden.

Röm. 6 redet klar von der Freimachung durch das Kreuz Christi, und dieses Kapitel sollten alle, die noch nicht Sieg über die Werke des Fleisches haben und deshalb kleine Kinder in Christus sind, genau kennen; denn es zeigt auf eine klare Weise die Grundlage für Befreiung, und darauf ist auch in Gal. 5, 24 ein kurzer Hinweis gegeben.

Alleine durch Aneignung von „mit Christus gestorben“ und durch Töten der Werke des Leibes (Röm. 8, 13 und Kol. 3, 5) kann der Gläubige im und durch den Geist leben, wandeln und handeln und so ein geistlicher Mensch werden. Denn als „wir im Fleisch waren“, wirkte die Sünde so in unseren Gliedern, dass wir dem Tod Frucht brachten, schreibt Paulus an die Römer. Nun aber sind wir vom Gesetz frei geworden, indem wir gestorben sind. Röm. 7, 5-6.

So wie sündiges Fleisch (Röm. 8, 3) hing Gottes Sohn als ein „Opfer für die Sünde“ am Holz. Und weil er für die Sünde starb, hat Gott auf diese Weise bei allem Fleisch ein sündiges Leben verdammt. Der, der glaubt, befindet sich zwar noch im Fleisch (2. Kor. 10, 3), weil er noch in seinem physischen Leib ist, aber er betrachtet sich als „der Sünde gestorben“ und wandelt nicht mehr „nach der Herrschaft des Fleisches“, sondern nach dem Geist. Wir sind losgekauft vom Fluch des Gesetzes, indem Christus ein Fluch wurde um unsertwillen. Wir haben uns von dem, was verflucht ist, abgesondert; denn wir haben durch den Glauben die Verheißung Abrahams empfangen, indem der Heilige Geist über uns gekommen ist. Gal. 3, 13-14. Wir sind nicht mehr im Fleisch (das verflucht ist), sondern im Geist (Abrahams Verheißung). Röm. 8, 9 und Röm. 7, 5. Abrahams Verheißung galt einem Leben durch Glauben „in dem Heiligen Geist“. Aber Glaube hat mit dem erhöhten Christus zu tun und nicht mit dem alten Menschen. Ein Leben nach dem Geist wird daher notwendigerweise das Fleisch im Hinblick auf eigene Lüste außer Funktion setzen und den Leib gefangen nehmen und in ein Werkzeug der Gerechtigkeit umgestalten. Da dies gegen die Natur allen Fleisches ist (nach dem Fall), wird das Fleisch in ein Knechtschaftsverhältnis gegenüber dem Geist gesetzt. Darum sind wir dem Fleisch nach „Christi Knechte“. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Fleisch und Blut werden das Reich Gottes nicht erben. Aber da wir nun nicht mehr „im Fleisch“, sondern „im Geist“ sind, befinden wir uns in „voller Freiheit“ und stimmen mit Freude der „Kreuzigung des Fleisches“ für alle Sünde zu. Jesus ist auch hier „der Weg“, denn auch er ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. Wir sterben mit ihm nach dem Fleisch am Kreuz und wir leben mit ihm nach dem Geist. 2. Kor. 4, 11; Jak. 4, 5.

Als nun Gott seinen Sohn in die Welt sandte, um verlorene Sünder zu erlösen, gab er uns mit ihm den „Tod über den alten Menschen und die Sünde“ und „Leben und Frieden über den neuen Menschen“. Dies ist eine zweifache Gabe, wobei die eine der anderen entspricht.

Aufgrund des Werkes des Sohnes Gottes am Kreuz auf Golgatha, durch das der Sünder, für den Er starb, identifiziert wurde mit Ihm, der für ihn starb, ist der erkaufte und wiedergeborene Gläubige dazu berufen, sich selbst „der Sünde für gestorben zu halten“ oder zu betrachten, weil unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt wurde. Gott kann dann durch seinen Heiligen Geist, der in uns wohnt, seine Absicht ausführen, nämlich dass der „Leib der Sünde“ – der ganze Inhalt an Sünde im gefallenen Menschen – zunichtegemacht wird. Dies geschieht auf die Weise, dass der Gläubige seinerseits beständig und in Treue die Sünde abweist, sodass sie nie über ihn Herrschaft erlangt. Röm. 6, 6.11.13. Als „Kind in Christus“ macht man jetzt die Erfahrung, dass „das Fleisch“ aufhört, die Leitung und die Kontrolle zu haben, und als „Kind“ werden wir zur Vereinigung mit unserem auferstandenen Erlöser auferweckt und werden lebendig für Gott in Jesus Christus.

„Kinder in Christus“, die dies verstehen, erkennen auch die ganze Bedeutung davon, „in Christus Jesus lebendig“ gemacht zu werden. Und wenn sie nach dem Geist und durch den Geist wandeln, dann hören sie damit auf, Werke des Fleisches zu vollbringen. Denn danach wird ihr Geist, der Gottes Geist in sich wohnend hat, die Leitung über ihr ganzes Dasein übernehmen. Hiermit ist nicht gemeint, dass sie nicht noch einmal dahin geraten können, „nach dem Fleisch“ zu wandeln, aber das gilt, solange sie mit ihrem Sinn mit geistlichen Dingen beschäftigt sind und sich ununterbrochen als „der Sünde gestorben“ achten und die Werke des Leibes durch den Geist töten (Röm. 8, 13) und in einem neuen Leben wandeln.

Der seelische Mensch

Der natürliche Mensch (seelische Mensch) aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; […] denn es muss geistlich beurteilt werden. 1. Kor. 2, 14.

Christen, die in den Zustand gekommen sind, dass sie Erkenntnis über das Kreuz bekommen haben und damit aufhören, „nach dem Fleisch“ zu wandeln, glauben nun, „geistliche“ Gläubige zu sein, ganz erneuert und geleitet von Gottes Geist. Aber nun kommt die schwierigste Lektion, sagt. Dr. Andrew Murray – die Lektion über die Gefahr der „unverschämten Aktivität der Seele“ mit der Kraft und dem Willen ihres Sinnes – die größte Gefahr, die „die Gemeinde oder die einzelne Person zu fürchten hat“.

Der Gläubige, der in seinem Geist erweckt wurde, ist vom Geist geboren, und Gottes Geist wohnt in seinem Geist. Er hat Offenbarungen über das Kreuz bekommen, das ihm den Weg zum Sieg über ein Leben nach dem Fleisch gezeigt hat, und er wandelt nun in einem neuen Leben und hat Sieg über offenbare „Werke des Fleisches“. Aber auf dieser Stufe muss eine Frage gestellt werden, eine Frage an die Seele selbst (die Persönlichkeit): Woher bekommen der Verstand und die Gefühle ihre Aktivität? Welche Kraft beseelt die Werke des Mannes, wenn er von den „Werken des Fleisches“ erlöst ist? Ist er vom Leben des Geistes geleitet, das von oben her kommt – vom auferstandenen Herrn und Erlöser – vom zweiten Adam, vom Geist, der lebendig macht? Oder ist er beseelt von dem Lebensprinzip, das von den niedrigeren Regionen, dem gefallenen Leben, dem ersten Adam kommt?

Wir haben schon den Sieg des Gläubigen erwähnt, wenn er im Glauben „der Sünde gestorben in Christus Jesus“ ergriffen hat. Und wir haben erwähnt, wie er ein „geistlicher Mann“ wird – ganz geheiligt, wenn er sich davon enthält, „nach dem Fleisch“ zu wandeln. Aber wenn man auch davon freigemacht wurde, unter der Herrschaft des Fleisches zu sein oder ein Leben „nach dem Fleisch“ zu leben, dann bedeutet das nicht, dass man damit aufhört, seelisch zu sein – oder aufhört, in einem natürlichen Leben zu wandeln. Denn „der Sünde gestorben“ und die „Kreuzigung des Fleisches“ ist nur eine Stufe in der Arbeit des Geistes Gottes mit dem erlösten Menschen. Er kann damit aufhören, „sarkikos“ – oder fleischlich zu sein und weiterhin „psychisch“ – oder seelisch sein, d. h. in einer seelischen Atmosphäre leben, anstatt im Geist oder in einer gottesbewussten Atmosphäre.

Um dies klar zu verstehen, müssen wir erwähnen, was der Beweis dafür ist, dass ein Christ „seelisch“ sein kann, wenn er damit aufhört, „carnal“ zu sein oder „nach dem Fleisch“ zu leben.

Wir haben gesehen, dass die Seele den Verstand und die Gefühle wie auch die zentrale Persönlichkeit umfasst, die sie zum Sitz des Selbstbewusstseins macht. Der Gläubige kann ganz von den offenbaren Werken des Fleisches befreit sein, die in Gal. 5, 19-21 beschrieben sind, während sein Verstand und seine Gefühle noch durch die „Psyche“ oder „das tierische Seelenleben“ in Schwingungen versetzt werden. Er ist noch nicht erneuert und noch nicht ganz beseelt von der Arbeit des Heiligen Geistes im wiedergeborenen menschlichen Geist. Der seelische Christ ist daher jemand, dessen Verstand und Gefühle noch vom ersten adamitischen Leben geleitet sind und nicht von dem lebendig machenden Geist Christi (1. Kor. 15, 45), der bei den Gläubigen, die nach dem Geist wandeln, Verstand und Gefühle unter völlige Kontrolle bringt. Der Heilige Geist kann im Geist des Gläubigen wohnen und ihn dazu befähigen, die „Werke des Leibes“ zu töten, während sein Verstand und seine Gefühle noch „seelisch“ sind.

Wenn wir z. B. das Thema rein verstandesmäßig betrachten, dann zeigt uns der Apostel Jakobus auf eine klare Weise den Unterschied zwischen der himmlischen und der seelischen – oder der natürlichen – Weisheit. Er schreibt, dass die Weisheit, die nicht von oben her kommt, irdisch, seelisch (psychisch), natürlich (tierisch), zänkisch ist, sie führt zu Neid und Spaltungen. Dagegen ist die Weisheit „von oben“, die durch den Geist Gottes kommt, der im Geist des Menschen Wohnung nimmt, von Reinheit, Friede, Güte, Barmherzigkeit und guten Früchte geprägt. Die reine, himmlische Weisheit hat keinen Zusatz irgendeines Elements des seelischen Lebens, das der Ort für Selbstbewusstsein, besondere Meinungen und eigene Anschauungen ist. Sie führt daher zu Frieden anstatt zu Zank und Feindschaft.

Im Licht dessen, was von Jakobus beschrieben wird, können wir deutlich den Zustand von Gottes Gemeinde sehen und verstehen, warum sie in Parteiungen gespalten ist. Oft sind in Versammlungen bekennender Christen „Werke des Fleisches“ – Neid und Zank – Ursache zu Aufspaltung in Parteiungen (Gal. 5, 19-20). Aber die Ursache kann auch die sein, dass das Verstandesmäßige und Seelische herrschen darf. Man kann ziemlich oft sehen, dass „seelische Weisheit“ göttliche Wahrheiten so behandelt, dass sie die Arbeit dämonischer Geister, Christi Nachfolger zu entzweien, erleichtert.

Pember merkt an, dass der Verstand nicht nur fehlbar ist, sondern dass er die gefährlichste aller Gaben ist, wenn er nicht vom Heiligen Geist geleitet wird. Denn unter den Christen neigt man dazu, göttliche Wahrheiten an sich zu reißen, und da möchte die Schrift darauf aufmerksam machen, dass der „seelische“ Mensch – und dies betrifft auch den Gläubigen, soweit wie er seelisch ist – die geistlichen Dinge nicht verstehen kann, denn sie können nur geistlich verstanden werden.

Ferner ist es meistens das seelische Element, das in denjenigen, die die Heiligung lehren und bekennen, die Ursache zu Spaltung und Uneinigkeit ist. Es kann gewiss Liebe im Herzen sein zu denen, die sich „absondern“, aber die Meinungsverschiedenheit trennt trotzdem aufgrund der dämonischen Kraft, die am seelischen Element im Gläubigen arbeitet, indem sie immer dem übertrieben Bedeutung beimisst, was trennt – und das immer im „Namen der Wahrheit“. Anstatt die Bruderschaft zu verherrlichen, werden eifrige Gläubige zum Kampf gegeneinander „für die Wahrheit“ getrieben, und sie tun es unter dem Namen, „Zeugen für Gott“ zu sein. Aufopfernde Gläubige glauben, dass sie Segen für andere suchen, wenn sie wie die Pharisäer „Land und Meer“ durchziehen, um einen Judengenossen zu gewinnen. Mt. 23, 15.

Es ist also das seelische Element in den Christen, das beharrlich ist, wenn es gilt, andere dazu zu bringen, „die Wahrheit zu sehen“, wie man es nennt, aber es ist wieder dasselbe, wie „den Zehnten von Minze, Anis und Kümmel zu geben“ usw., während man das Wichtigere im Gesetz vernachlässigt, das im Evangelium „das Gesetz Christi“ ist, das im Geist unter den Gläubigen Einheit schafft, sodass sie zur „Einheit im Glauben“ heranwachsen können. Eph. 4, 3-13.

Kurz gesagt, wenn böse, übernatürliche Kräfte am Seelenleben arbeiten, dann ist es diese Macht, die Uneinigkeit und Spaltung unter bekennenden und sogar wahren Gotteskindern verursacht. Diese sind es, die sich absondern, Menschen, die vom Seelenleben geleitet sind, sagt Judas in V. 19, „sich selbst absondern“ und „Spaltungen verursachen“, indem sie hochmütig von sich selbst überzeugt sind als solche, die größere Heiligkeit, mehr Weisheit und eine besondere Lehre haben, die andere nicht einmal annähernd haben. Fausset sagt, dass diese tierisch beseelt sind.

Ein Kennzeichen des seelischen Lebens ist immer, wenn man sich absondert als jemand, der größere Heiligkeit hat. Jesus sagt: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen […] um des Menschensohnes willen.“ Lk. 6, 22. Der Apostel Paulus sagt zur Frage der Absonderung: „Jeder bleibe in der Berufung, in der er berufen wurde.“ Bleibe darin vor Gott. Gott selbst wird durch seine Anwesenheit als Licht diejenigen, die im Licht wandeln von denen „absondern“, die in der Finsternis bleiben. Meist wollen diejenigen, die in der Finsternis wandeln, entweder die „ausstoßen“, die im Licht bleiben, oder werden sie auch selbst zum Licht gebracht. Der Mensch kann von der „Seele geleitet“ werden, selbst wenn er den Geist hat, und diese „Seelischen“ wollen immer in dem Maß, wie sie „seelisch“ und nicht „geistlich“ sind, sich selbst absondern und „Absonderung betreiben“.

Eine andere Seite des „seelischen Lebens“ sind die Gefühle, die von den Sinnen des Leibes kommen. Auch hier kann der Christ vom Seelischen in Schwingung versetzt werden und glauben, dass alles „geistlich“ ist. Pember sagt, dass „die Erkenntnis über biblische Psychologie (Seelenlehre) die Idee zunichtemacht, wonach die Beeinflussung durch den Heiligen Geist mithilfe der Sinne in Wirksamkeit gesetzt werden kann.“

Dennoch ist es die Absicht des Gottesdienstes vieler Kirchen, dass sie den Geist mit ihren Sinnen erfassen wollen. Ja, dasselbe ist sogar der Fall bei vielen Missionsversammlungen, in denen das Evangelium verkündigt wird. Pembers Worte darüber veranschaulichen das; er sagt: „Prachtvolle Bauwerke, engelhafte Kleider, malerische Zeremonien für das Auge mit süßen Düften; denn der Geruch und mitreißende Musik für die Ohren können zwar mit der angenehmsten Sinneswahrnehmung das Bewusstsein des Menschen verzaubern, aber es durchdringt nur die Seele. […] unser Geist […] nimmt keine Eindrücke von den Sinnen entgegen, sondern nur vom Geist.“ Er will also darauf hinweisen, dass unser Dasein von Gottes Seite aus in dieser Reihenfolge gesehen wird: Geist, Seele und Leib, weil Gottes Einfluss zuerst unseren Geist berührt. Danach nimmt er Gefühle und Verstand in Beschlag und zum Schluss beginnt er, den Leib zu zügeln. Aus Satans Standpunkt ist es entgegengesetzt. Er berührt zuerst die irdischen Sinne, danach das Seelische, um dann zum Schluss den Menschen durch den Geist dämonisch zu machen – wenn es möglich ist.

Wie ernst ist es doch und wie deutlich zeigt es doch, dass die Gemeinden nur mit „Namenschristen“ gefüllt sind, die kein Anzeichen davon aufweisen, dass Christus in ihnen lebt und wirkt. Wie betrüblich ist es doch, dass fast alle dieser Anbeter Christi zeigen, dass sie in ihrem Geist einen unbewussten Schrei nach Gott haben, der in Tausenden von Fällen nie zufriedengestellt wird, weil ihr Seelenleben in der Regel nur mit verstandesmäßiger, seelischer Auslegung des Buchstabens der Wahrheit gefüllt wird; oder wird ihr Sinnesleben in den sogenannten „ruhigen Stunden“ auch mit stimulierender Musik zufriedengestellt, ohne dass der Mensch jemals wirklich dazu geleitet wird, Gott in Geist und Wahrheit anzubeten, was als einziges von ihm anerkannt wird.

Ist dann all diese Beeinflussung wertlos? Ganz und gar nicht. Aber das wird die Seele nicht erlösen. Doch kann es die Seele vorbereiten und sie in Reichweite vom Wort der Wahrheit bringen, das aus der Schrift von den Kanzeln vorgelesen wird. Man tut hier gut daran, sich Jesu Worte zu merken: Was sie euch sagen, das tut, aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln (wenn die Verkündiger nicht im Geist leben und wandeln).

Doch Gott auf diesem Weg zu suchen ist ernsthaft gefährlich, weil der kirchliche Kultus (Gottesdienst) durch die Sinne nur bis zur Seele durchdringt und mit Gottes wiedergebärender Kraft nicht bis zum Geist gelangt. Er ist daher betrügerisch und gibt dem Menschen „einen Schein von Gottesfurcht ohne Kraft“ und bringt Christi geistliche Religion auf dasselbe Niveau hinab wie Philosophie und Kultus der Heiden. Von diesem Standpunkt aus ziehen religiöse Menschen – die nur „seelisch“ sind – den Sohn Gottes hinab an die Seite von Mohammed und Konfuzius und diskutieren über das Christentum als „eine von den zu dieser Welt gehörenden Religionen“, anstatt den Menschen dahin zu leiten, dass er auf die ersten Tage der Gemeinde blickt, wie der Geist Gottes an Pfingsten mit einer gewaltigen Kraft über die Versammlung kam, die mit Kraft Zeugnis von Jesus, dem Sohn Gottes, ablegte, der der einzige Erlöser für die verlorene Welt ist. Und so wie die Propheten Jahrhunderte vor Christi Geburt klar und deutlich von ihm geweissagt haben, hat das kein Prophet von den Gründern der übrigen Weltreligionen getan.

(Fortsetzung folgt)