Dies war etwas von Molinos‘ Geheimnis. Es wundert uns nicht, dass ein Mann mit solchen Grundsätzen für Tausende von Seelen, die tief in ihrem Innern nach Gemeinschaft mit Gott hungerten und dürsteten, zum Segen wurde. Es wundert uns auch nicht, dass diese Seelen ihm ihr Vertrauen schenkten und Anleitung von ihm annahmen. Obwohl er als Ketzer verdammt wurde und sein Mund durch lebenslanges Gefängnis verschlossen wurde, wirkte doch sein Zeugnis weiter in den Kreisen, in denen er gelebt hatte.
Molinos, Mme Guyon, Fenelon und Tersteegen wurden zu den Mystikern gezählt. In Deutschland wurde August Hermann Franke auf Molinos aufmerksam und gab die Schriften dieses geistlichen Leiters auf Latein heraus.
Doch was sagt das Evangelium hierzu? Molinos Lehre ist im Grunde genommen nur eine Auslegung von Röm. 6, 13: „Gebt euch selbst Gott hin, als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit.“ Dieser Satz des Apostels beinhaltet eine Wahrheit von großer Tiefe und Bedeutung. Molinos Lehre und Leben sind eine wunderbare Verwirklichung dieser Schriftstelle.
