Die Tage des Menschensohnes
Wie es zur Zeit Noahs war, wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Und wie war es in den Tagen Noahs? „Und die Erde war verderbt vor Gott, und die Erde war voll Gewalttat. Und Gott sah die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden.
Und Gott sprach zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist vor mich gekommen; denn die Erde ist voll Gewalttat durch sie; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde.“ 1. Mos. 6, 11-13 (ELB).
Es bringt Verantwortung mit sich, ein Mensch zu sein. Es steht ein Gott dahinter und sieht auf alles. Vor seinem Angesicht tut jeder Mensch sein Werk. Es ist der Mensch, der die Erde verderbt (s. V. 12).
Dabei klagt man über schlechte Zeiten, anstatt über seine eigene Gottlosigkeit zu klagen. Die Arbeitgeber sind gegen die Arbeiter und die Arbeiter sind gegen ihre Arbeitgeber. Man übt Gewalt, Aussperrung und Streik. So kommen Armut und Not. In der Ehe übt man Gewalt, indem man unbarmherzig das zerbricht, was hier auf der Erde heilig sein sollte. Man lässt sich scheiden und heiratet aufs Neue. Auf diese Weise übt man Gewalt gegen seine Kinder, die ihre Mutter oder ihren Vater verlieren. Die Unbarmherzigkeit regiert. Und dann glaubt man, dass all dieses ungestraft verlaufen wird. So verrechnet man sich – welch eine Torheit!
Wir, die wir zum Glauben gekommen sind, wissen, wie genau Gott rechnet. Er führt uns in unserem Leben zurück und führt uns unseren Weg vor Augen. Und wir müssen wie Zachäus wieder schön in Ordnung bringen, was wir Böses getan haben, nicht nur gegenüber Gott, sondern auch gegenüber Menschen. Für den „Gewaltmenschen“ wird es ein harter Kampf werden, im Leben zurückzugehen und im Licht Gottes die eigenen Werke zu betrachten. Denn jeder wird seinen Lohn empfangen für das, was er getan hat bei Lebzeiten, d. h. für alles, was er getan hat, als er im Leib war. Es wird dann nicht angenehm sein zurückzublicken: auf Scheidungen und Ehebruch, für die Arbeitgeber auf Hungerlöhne und für die Arbeiter auf all ihre Unzufriedenheit, wenn die Umstände ansonsten annehmbar waren. Es wird für die Regierenden nicht angenehm werden, wenn sie ihr Volk irregeführt haben, hinein ins Verderben. Lasst uns an den Tag der endgültigen Abrechnung denken. Denn der ist näher, als du ahnst.
Die Feindschaft gegen das Christentum nimmt von Tag zu Tag zu, weil Satan durch alle Gewalttaten mehr Macht bekommt und die Herzen mehr verstockt werden. Und wer trägt die Verantwortung? Zuallererst diejenigen, die zur Gewalt anstacheln und danach diejenigen, die Gewalt ausüben. Ein Diener der Gemeinde soll nicht gewalttätig sein. Hieraus verstehen wir, dass „Gewalt“ von Satan ist. Wenn nun die Erde voller Gewalt ist, ist sie zu den Tagen Noahs zurückgekommen, wo alles Fleisch seinen Weg verderbt hat.
Die in Parteiungen und Feindschaft gespaltene Christenheit macht die Sache gewiss nicht besser. Sie ist zu kraftlos, um der Welt Glauben zu geben. Es war ja die Einheit der Christen, die die Welt zum Glauben bringen sollte. Doch nun sieht die Welt nichts anderes als Hass und Spaltung überall. Dann denken sie so: Lass mich bleiben, wo ich bin.
„Denn wie sie in den Tagen vor der Sintflut aßen und tranken, heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging, und nichts merkten, bis die Sintflut kam und sie alle dahinraffte, so wird auch die Wiederkunft des Menschensohnes sein.“ Mt. 24, 38-39.
Was bedeutet es, dass sie aßen und tranken, heirateten und verheirateten? Das bedeutet, dass sie nur irdische Vorteile vor Augen hatten. Auf die Gebote Gottes und den Willen Gottes in ihrem Gewissen haben sie nie achtgegeben. Sie brachen immer wieder Ehen und verheirateten an andere. Alles drehte sich darum, zu essen, zu trinken und die eigenen Lüste zu befriedigen. Die weniger Bemittelten litten Gewalt, denn wer reich war, konnte alles zuwegebringen, was sie wollten.
Wie es in den Tagen Noahs war, ist es auch jetzt. Aber, was sagt die Schrift: „Und nun, ihr Reichen: Weint und heult über das Elend, das über euch kommen wird!
Euer Reichtum ist verfault, eure Kleider sind von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis geben und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt in diesen letzten Tagen!
Siehe, der Lohn der Arbeiter, die euer Land abgeerntet haben, den ihr ihnen vorenthalten habt, der schreit, und das Rufen der Schnitter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth.
Ihr habt geschlemmt auf Erden und geprasst und eure Herzen gemästet am Schlachttag.“ Jak. 5, 1-5.
Können wir nicht sehen, dass die Prophezeiung des Jakobus in Erfüllung geht?
Schreit nicht der Lohn, der den Arbeitern vorenthalten wurde, und ist nicht das Rufen der Schnitter vor die Ohren des Herrn Zebaoth gekommen? Ist nicht das Gold und das Silber dadurch verrostet, dass da, wo Reichtum ist, die Steuern zunehmen, die Bettler an der Tür Schlange stehen und haufenweise Bettelbriefe ankommen. Früher hatte man Respekt vor dem Reichen, doch nun ist alles Derartige verschwunden. Man hat ganz einfach folgende Denkweise: Er ist reich, und er soll geben, er soll extra Steuern bezahlen usw. Dies sind Tage der Rache über die Reichen, weil sie den Arbeitern ihren Lohn vorenthielten.
Aber zu uns, die wir glauben, sagt Jakobus: „So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ V. 7-8.
Was will Jakobus uns hier sagen? Dass wir uns nicht in den Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitern einmischen sollen; uns nicht in die Gerichte Gottes über die Reichen in den letzten Tagen einmischen sollen, sondern in Geduld leben und uns mit dem, was wir haben, genügen lassen; denn der Herr kommt bald, und dann werden auch wir ernten, was wir gesät haben. Der Bauer muss in Geduld auf die kostbare Frucht der Erde warten, so müssen auch wir geduldig auf die Frucht warten, die wir gesät haben. Die Reichen ernten wieder, was sie gesät haben, so wird jeder Mensch wieder ernten, was er gesät hat.
„Wer ist weise und verständig unter euch? Der zeige durch einen guten Wandel seine Werke in Sanftmütigkeit, die aus der Weisheit kommt!“ Jak. 3, 13.
Eben dies wird in unserer Zeit benötigt: Sanftmütigkeit, die aus der Weisheit kommt. Wie schön anzusehen ist ein Wandel in Sanftmütigkeit, die aus der Weisheit kommt. Es ist ein fürstlicher Wandel, wo ein anderes Reich, das nicht von dieser Welt ist, sichtbar wird. Denn: „Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedfertig, gütig; sie lässt sich sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei.“ V. 17.
Aber ist das die Weisheit, die in unseren Tagen praktiziert wird? Nein, da sind Neid, Bitterkeit, Streitsucht, Prahlerei, Verschwendung, böse Lust usw. Alle solche Weisheit ist irdisch, niedrig und teuflisch. Wenn dann dies als Saat ausgesät wird, kann man sich vorstellen, wie die Ernte wird.
Gottlose Eltern, die nicht annähernd ihren eigenen Wandel steuern können, sollen Kinder erziehen. Man kann sich vorstellen, welche Saat sie in die Kinderherzen säen. Sie bereiten selbst den Weg für den Gesetzlosen und lehren ihre Kinder, noch gottloser als sie selbst zu werden. Denn es ist nun einmal so, dass die Kinder unauslöschliche Eindrücke von den Eltern in sich aufnehmen. Der Mörder von Düsseldorf sagte ja öffentlich, dass es die schlechten Eindrücke von zuhause waren, die ihn von Anfang an auf die schiefe Bahn brachten. Welch eine Verantwortung haben doch solche Eltern! Es gibt auch religiöse Menschen, die ihren Kindern gegenüber gewalttätig sind. Ich kenne Kinder, die nicht nach Hause kommen wollten, solange der Vater lebte, weil er hart gewesen war. Und ich war entsetzt, als der Sohn eines herausragenden Verkündigers des Wortes am Rednerpult stand und von seinen Reisen in Amerika erzählte, wie sein Herz über der Behandlung, die er zuhause erfuhr, hart geworden war, dass jedoch die sanfte Stimme von Gottes Geist ihn weich gemacht hatte, sodass er jetzt selbst ein Verkündiger des Wortes war.
Sieh, wie schwierig es ist, ein Vorläufer zu sein, ein Beispiel, zu dem man sich hingezogen fühlt. Meistens nimmt man sein Fleisch zu Hilfe und will die Kinder zwingen, gesetzliche Christen zu sein. Das weckt Hass und bitteren Widerstand, die vielleicht das ganze Leben lang andauern.
Wenn wir über all dies nachdenken, werden wir leichter verstehen, wie es beim Kommen des Menschensohnes sein wird:
Dann werden zwei auf dem Feld sein; der eine wird angenommen, und der andere wird zurückgelassen. Lasst uns sagen, dass dieses Feld das Missionsfeld oder ein anderes religiöses Arbeitsfeld ist. Nur der eine wurde angenommen, als der Herr kam. Der andere war viel zu kalt und weltlich. Es war zu viel vom Pharisäer in ihm.
Zwei Frauen werden auf der Mühle mahlen; die eine wird angenommen, und die andere wird zurückgelassen. Die Mühle, auf der diese zwei Frauen mahlen, kann „Arbeit für die Sache Gottes“ sein. Doch nur die eine wurde angenommen. Die andere blieb zurück.
„Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“ Denn wir leben in den Tagen des Menschensohnes!
