Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Brief an Anna Kjærnet - 1931.10.13

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931
Horten, 13. Oktober 1931
Liebe Schwester Anna Kjærnet,
Friede.

Herzlichen Dank für den Brief und die schöne Strickjacke zu meinem Geburtstag. Das ist viel zu viel, da ich all diese Güte unmöglich vergelten kann. Es gibt jetzt an den verschiedenen Orten so viele Geschwister, dass ich nicht einmal alle Namen kenne, geschweige denn die jeweiligen Geburtstage. Doch euch in Drøbak kenne ich ja besonders gut, besser als ich viele andere kenne, da mir mein hochgeliebter Bruder euch vor seinem Heimgang ans Herz gelegt hat. Und ihr habt ja immer in vielfacher Weise Güte erzeigt. Mein tiefempfundener und herzlicher Dank Ihnen und all den anderen lieben Geschwistern für all dies. Danke auch für euren gottesfürchtigen und geschätzten Überbringer, Br. Kristian Kristiansen, der mir eure Briefe, Grüße, guten Worte und Geschenke überreicht hat.

Es kommt am Ende ein Tag der Abrechnung für alles, was durch den Leib geschehen ist. Dann werden auch alle Güte und jede Wohltat auf der Waage ins Gewicht fallen. Alle Treue, Ausdauer und Güte werden schwer wiegen, weil Gott all dies liebt. Dagegen werden alle Torheit, aller Unverstand und alle Fehler nicht so sehr ins Gewicht fallen, wenn die Gesinnung nicht darin verblieben ist, sondern man sich der Gottesfurcht und Güte zugewandt hat. Denn wer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm.

Grüßen Sie Elise und alle in Ihrem Haus. Grüßen Sie die Geschwister mit herzlichem Dank für alles.

Mit 50 Jahren erreicht ein Mensch den Höhepunkt seines Lebens und mit 60 Jahren beginnt das Alter. Aber ich bin einig mit Oberst Brengte von der Heilsarmee, der sagt: „Freut euch mit mir, denn jedes Jahr ist sehr wertvoll, weil man jetzt besser auf die Entwicklung und die Leitung Gottes achten kann und dadurch größere Reichtümer in Gott ernten kann.“

Ja, ich will hinzufügen: Wir Blinden sind zufrieden damit, blind zu sein, bis es Gott in jedem einzelnen Punkt gefällt, unsere Augen zu öffnen. Auch hierin liegt eine Ruhe, selbst wenn wir uns dessen völlig bewusst sind, dass die Torheit uns solange anklebt, bis neues Sehvermögen, ein neuer Morgenstern und neues Tageslicht in unseren Herzen aufgeht. Dann ist die Stunde gekommen für neues Gericht, neuen Tod, neue Auferstehung und neues Wachstum in dem einen Leib Jesu Christi.

Währenddessen warten wir in Hoffnung, wo nichts zu hoffen ist, und lernen auf die Weise, geduldig und langmütig zu sein. Und so gehen wir mehr und mehr in die Sabbatruhe ein, die für Gottes Volk vorhanden ist. In dieser Ruhe von unseren Werken begegnen wir unseren Brüdern in dieser Welt verständnisvoll und rücksichtsvoll und gehen zunehmend hinein in die Gemeinschaft der Heiligen in aller Ewigkeit.

Mit liebem Gruß und Dank.

Euer Bruder auf dem Weg

J. O. Smith