Groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht
„Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen.“ 1. Kor. 2, 6.
Wir sollten daher wo auch immer und wann auch immer beachten, was geschrieben steht:
„Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse! Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“ 1. Kor. 4, 1-2.
Nicht jedem Prediger ist es gegeben, Haushalter über die Geheimnisse Christi zu sein. In der Regel gehen die Geheimnisse nicht tiefer, als dass man sündigt und Gnade bekommt. Doch wie jeder bekennen muss: Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, usw. 1. Tim. 3, 16. Über diese Geheimnisse muss eine Haushaltung geführt werden.
Beachte, dass es „Geheimnisse der Gottesfurcht“ sind. Das heißt, man eignet sich diese Geheimnisse durch persönliche Gottesfurcht an. Man bekommt sie nicht dadurch, dass man umherreist und predigt, nicht durch hohe weltliche Bildung und Ausbildung, nicht durch weltlichen oder religiösen Rang und Titel noch durch allerlei religiöse Bettelei für „Gottes Sache“, wie es so schön heißt. Ebenso wenig bekommt man sie in theologischen Schulen oder Bibelkursen, auch wenn die, die unterrichten, Professoren, Apostel, Pastoren oder Älteste genannt werden.
Die Geheimnisse Christi werden Juden und Griechen, Knechten und Freien, Armen und Reichen, Mann und Frau nur durch persönliche Gottesfurcht offenbart.
Seine Geheimnisse erzählt man nicht irgendjemandem, das tut Christus auch nicht.
In allen Zeitaltern sind die Menschen, die sich persönlich geopfert haben, um den Willen Gottes zu tun, von den Religiösen ihrer Zeit für Ketzer gehalten worden. Wenn Jahrhunderte ins Land gegangen sind und der Abstand groß genug war, sind sie zu Heiligen erhoben worden. Die Väter töten und die Kinder bauen Grabmäler. Jesus selbst hat ja vorausgesagt, dass die Zeit kommen wird, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder den Vater noch den Sohn kennen. Joh. 16, 2-3.
Wenn man nun zu Wasser und zu Land umherreist, um aufs Eindringlichste vor den Gottesfürchtigsten zu warnen, dann verstehen wir, dass die Zeit fortgeschritten ist. Das tun sie, weil sie weder den Vater noch den Sohn kennen. An der Spitze dieser fürsorglichen Verleumder stehen die Prediger, die als religiöse Bettler mehr sich selbst dienen als dem Evangelium unseres Herrn Jesu Christi. Jesus hatte nichts, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Diese dagegen können alles zwischen Himmel und Erde brauchen, von einer Stecknadel angefangen bis hin zu Autos und Häusern. Alles für Gottes Sache. Nichts von alledem ist ihre eigene Sache. Es wäre ja unerhört, so etwas nur zu denken. Einige von ihnen leben und wohnen wie die höchsten Amtsträger des Landes; doch alles zusammen ist natürlich Gottes Sache.
Wenn man nun so hübsch mit „Gottes Sache“ manövriert, so lasst uns sehen, was in Wahrheit seine Sache ist:
Wenn Jesus betet: „Dein Reich komme“ und wenn er sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, dann muss jeder mit gesundem Urteilsvermögen verstehen können, dass „Gottes Sache“ oder, wenn man will, „Christi Sache“ zuallererst darin besteht, dass sein Reich kommen möge.
Was hat es nun mit Gottes Reich auf sich, da Jesus betet, dass dieses Reich kommen soll? Eben, dass das Reich Gottes nicht Essen und Trinken ist, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Röm. 14, 17. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. V. 18.
„Man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Lk. 17, 21. (LUT 1912)
Hieraus verstehen wir, dass das Reich Gottes nicht darin besteht, Haus an Haus zu fügen, allerlei Inventar für diese Häuser zu erbetteln und große Sorgen um Speis und Trank und um all das zu haben, was man sich ausdenkt und in Gang setzt. Das Reich Gottes ist inwendig in uns, während Villen und Autos außerhalb von uns sind, sofern das Reich Gottes in uns ist.
„Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Mt. 6, 30-33.
Dass wir alles, was wir zum Lebensunterhalt bedürfen, bekommen werden, ist eine Verheißung, die Gott selbst jedem gibt, der zuallererst nach dem Reich Gottes trachtet.
Woher kommt denn dann all diese Bettelei für Gottes Sache? Ganz einfach daher, dass man nicht zuerst nach dem Reich Gottes trachtet und dass man meint, was Gott gibt, sei nicht ausreichend. Man möchte es fein und elegant haben, und dass einem dies zufallen wird, hat Gott niemandem versprochen. So macht man es also wie die Heiden: Man trachtet nach den Dingen, die hier unten sind, und wird so den Dingen, die droben sind, die dem Reich Gottes angehören, in höchstem Maß fremd. Und obwohl man sich in einem solch elenden Zustand befindet, ist man aufgeblasen genug, um als Wegleiter der Blinden und als Licht derer, die in Finsternis sind, aufzutreten. Dabei glaubt man, die Dinge richtig beurteilen zu können, wenn es darum geht, was reine Lehre ist und was nicht reine Lehre ist.
„Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr’s empfangen.“ Mt. 21, 22.
Ich zweifle nicht daran, dass man betet, doch man hat keinen Glauben daran, dass Gott all das, worum man bittet, geben will; denn man will es in menschlichen Lüsten vergeuden. Und so bekommt man nichts von Gott, man muss es aber um jeden Preis haben, und dann bleibt nichts anderes übrig, als eine große Bettelei für Gottes Sache in Gang zu setzen. Nie habe ich irgendwo in der Schrift gelesen, dass, wenn man etwas nach dem Willen Gottes haben will, man dann Menschen schriftlich und mündlich um Hilfe rufen und bitten soll. Diese Gepflogenheit kommt nicht von oben, auch ist sie nicht biblisch, weshalb sie auch nicht verteidigt werden kann. Sie ist, wie man zu sagen pflegt, nicht waschecht, sondern von Grund auf falsch. Stattdessen sollten sich Menschen, die bis weit über beide Ohren in solchen Dingen leben, etwas Nützlicheres vornehmen, als Lehrer sein zu wollen. Sie sollten sich zuallererst einem gründlichen Unterricht in der Schule des Geistes unterziehen.
In den Tagen des Judas Makkabäus gab es einige Priester, die wie Judas in den Krieg zogen, um Heldentaten zu vollbringen und berühmt zu werden. Sie fielen aber im Krieg, weil ihre Motive unredlich waren. Ebenso gab es unter den Israeliten eine Menge Gefallene, und als man die Ursache für den Verlust an Menschen untersuchte, zeigte es sich, dass sie alle Abgötter bei sich hatten.
Gleicherweise ist auch Habsucht ein schlimmer Abgott, den man auf dem Schlachtfeld dabei hat. Solange man diesen Gott anbetet, sollte man zu Hause bleiben und Einnahmen und Ausgaben berechnen und darüber spekulieren, wie das Ganze in der Zukunft finanziell balanciert wird.
Möge Gott sein Volk von dieser Knechtschaft und Abgötterei erlösen.
Israel trug in der Wüste die Hütte Molochs und den Stern Räfans mit sich. Apg. 7, 43. Deshalb kamen sie nicht in das Land der Verheißung hinein. So gehen auch heute viele von Gottes Volk in der Wüste und in Knechtschaft umher, weil sie sich mit Bürden belasten, die uns die Schrift gebietet abzulegen. Hebr. 12, 1. Doch alles ist natürlich „Gottes Sache“ und „biblisch!“
Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Wir sind wohl nicht größer als er. Er ist uns als ein Beispiel gegeben, das wirklich der Nachfolge wert ist. Wir, die wir hier auf dem 60. Breitengrad wohnen, brauchen sicherlich ein warmes Haus. Haben wir aber dieses sowie Nahrung und Kleidung, sollen wir uns daran genügen lassen. Diejenigen, die wie die levitischen Priester Opfer und Gaben entgegennehmen, sollten zusehen, sich so einzurichten wie die Menschen, die ihnen den Zehnten und die Gaben zuteilwerden lassen. Hebr. 10, 8. Denn es ist eine Tatsache, dass es meistens arme Leute sind, die Geld für Gottes Sache geben.
Derjenige, der im Tor zurechtweist, war seit jeher verhasst; denn man hält es für sein gutes Recht, das Schaf und die Wolle so zu behandeln, als wären diese um der Hirten willen erschaffen. Man nützt Leute mit schwachem Gewissen aus und hält Bußpredigten für sie, wonach sie für Gottes Sache tief in den Geldbeutel greifen müssen. Liebe Seele, gehe einmal hinter die Kulissen und untersuche, wie die Hirten in der Regel den Zehnten und die Gaben, die du für Gottes Sache gibst, verwenden. Salbe deine Augen mit Augensalbe!!!
Denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Hause Gottes – mit uns. 1. Petr. 4, 17. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist. Was das Licht nicht erträgt, gehört der Finsternis an, wo der Fürst der Finsternis die Macht hat. Man darf sich daher nicht darüber wundern, dass das Fleisch tobt, wenn das beleuchtet wird, was das ganze Geschäft zusammenhält. Auch in alten Tagen wurde gerufen: „Groß ist die Diana der Epheser“, als der Apostel dem Broterwerb der Zauberkünstler in die Quere kam. Apg. 19, 23-32. Jeder ruft: „Siehe hier ist Jesus!“ Lk. 21, 8. „Wir haben den Jesus der Bibel!“ Zwischen den Zeilen bedeutet dies nichts anderes als: Durch „unseren Jesus“ soll das Geschäft blühen und gedeihen!
Sie haben sich in ihrer eigenen fleischlichen Einbildung ein Ideal von Jesus gemacht, und damit darf der wirkliche Jesus nicht kollidieren. Sie haben einen Jesus, in dessen Fleisch die Sünde nicht verdammt wurde. Röm. 8, 3. Sie haben einen Jesus, der niemals gesagt hat: Nicht wie ich will. Denn der Jesus, den sie in ihrer Phantasie anbeten, hatte selbst dem Fleisch nach keinen anderen Willen als den Willen Gottes. Ich nehme an, dass diese, die ohne uns herrschen, eine klare Antwort darauf geben können, wie folgende Schriftstellen verstanden werden sollen: Joh. 5, 30. Joh. 6, 38. Mt. 26, 42. Sie haben also einen Jesus, der nicht in allen Dingen seinen Brüdern gleich wurde. Hebr. 2, 14, einen Jesus, der nicht versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde, d. h. ohne Sünde zu tun, als er versucht wurde. Hebr. 4, 15. Es passt schlecht mit ihrer Lehre zusammen, wenn es heißt, dass Jesus dem Fleisch nach aus dem Geschlecht Davids gekommen ist, Röm. 1, 3, dass er sich selbst entäußerte, Gott gleich zu sein und Knechtsgestalt annahm, Phil. 2, 7, dass er, als er den Menschen gleich ward, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Phil. 2, 8.
Wenn ich einen Stein ins Wasser werfe und nachher rufe: Seht nur, wie gehorsam war doch dieser Stein, dann müssen wohl alle Menschen, die das gesehen haben, sagen: „Dieser Mann ist verrückt!“ Wenn es von Jesus heißt, dass er an dem, was er litt, Gehorsam gelernt hat, dann müssen wohl Menschen mit ein wenig Verstand in Kopf und Herz verstehen, dass er durch Gehorsam sich selbst dem Fleisch nach überwand. Doch dies ist ein großes Rätsel für alle, die den Jesus ihrer Phantasie anbeten und religiöse Geschäfte betreiben. Dagegen ist es ganz klar für diejenigen, die Jesus durch Gehorsam gegenüber dem Geist in seiner Fußspur folgen – selbst für die Toren.
Wenn sie nicht einmal die Anfangsgründe und die Kinderlehre in Christus verstehen, wie sollten sie dann Dinge verstehen wie:
„Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft.“ 1. Kor. 12, 13. „Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer.“ 1. Kor. 12, 20. Euch „hat er jetzt versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod.“ Kol. 1, 22. Kraft des Blutes Jesu haben wir Freimütigkeit zum Eingang in das Heiligtum, den er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch sein Fleisch. Hebr. 10, 19-20. „Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“ 2. Kor. 4, 10.
Jesus Sirach sagt: „Die Weisheit des Schriftgelehrten gedeiht in günstiger Mußezeit, und wer kein Geschäft hat, kann sich der Weisheit widmen (oder kann weise werden).
Wie kann die Weisheit erlangen, wer den Pflug führt und seinen Ruhm findet in der Lanze des Ochsenstachels? wer Rinder antreibt und sich mit deren Arbeiten befasst und mit den jungen Stieren (= Kälbern) seine Unterhaltung führt? wer seinen Sinn darauf richtet, Furchen zu ziehen, und dessen unablässige Sorge auf die Fütterung der Kühe geht?“ Kap. 38 (Menge Übers.).
Gleichzeitig muss man fragen, wie der weise werden kann, dessen Gedanken und Sinn Tag und Nacht mit Häusern und Autos beschäftigt sind und der sich darum Sorgen macht, wie allerlei Lebensmittel ausreichend hereinströmen sollen. Nachdem man zum Glauben gekommen ist, sollte man zur Ruhe eingehen. Hebr. 4, 3. Doch stattdessen begibt man sich in eine zermürbende Mühe für sein Auskommen – von dem Gott verheißen hat, dass es uns zufallen wird. Aber ist nun das auch biblisch? Oder ist das Freiheit? Man rühmt sich des einen wie des andern, aber das ist höchst unbiblisch und fühlt man sich in dieser Knechtschaft frei, dann muss es dem Fleisch nach sein.
Persönlich habe ich nichts gegen Geldwechsler und Taubenhändler, Mt. 21, 12, solange sie sich auf ihrem Platz halten – draußen; denn Gott wird, die draußen sind, richten. Doch anders sieht es aus, wenn sie in den Tempel Gottes eindringen, um hier ihre Waren feilzubieten mit dem Ruf: Kommt her, hört her, denn hier ist der Jesus der Bibel!!! Wer einen Funken von der Gesinnung Jesu hat, muss da vom Eifer ergriffen werden. Und man braucht sich nicht zu wundern, dass solche Menschen dann Tische und Stühle umwerfen und die Händler mit einer Geißel hinausjagen. Denn es steht geschrieben: „Der Eifer um dein Haus (und sein Haus sind wir) hat mich gefressen.“ – und weiter: „Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?“ 1. Kor. 5, 12. „Gott aber wird, die draußen sind, richten.“
Aber es ist ja so, dass die Massen unwissend über den Weg Gottes sind und gerne jemanden haben wollen, der über sie herrscht. Religiösen Großtuern, die sich selber für fähig halten, Israels Wächter zu sein, fällt es daher nicht schwer, die Gelegenheiten zu ergreifen, wenn dazu noch Aussicht auf Gewinn besteht und das Amt als einträglich betrachtet werden kann.
Man muss unwillkürlich fragen: Wo soll man Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit finden? Wo soll man uneigennützige Verkündiger des Wortes finden? Wo soll man Gemeinschaft des Geistes finden? Gibt es solche, von denen man sagen kann: Siehe, wie sie einander lieben???
Die Wiederkunft Jesu ist nahe. Ob er Glauben finden wird auf Erden, wenn er kommt? Ich glaube bestimmt, dass er sehr viel aufreibende Arbeit, Wohltätigkeitsorganisationen und eine Menge zusammengekratzten Hausrat finden wird – alles für „Gottes Sache“; aber – ob er Glauben finden wird???
