Konferenz am Buß- und Bettag 1924 in Horten
Wegen finanzieller Schwierigkeiten waren diesmal mehrere Geschwister nicht zugegen; aber dennoch waren ebenso viele anwesend wie sonst auch. Man konnte mehrere unbekannte Gesichter sehen. Br. Ditlefsen kam sogar von Mehavn in der Finnmark und war nach fünf Tagen Reise pünktlich da. Auch von Dänemark kamen ein Bruder und eine Schwester. Des Weiteren kamen Geschwister aus Hallingdal, Hønefoss, Drammen, Kristiania, Drøbak, Sarpsborg, Kristiansand S, Brevik und Sandefjord. Es kamen auch Geschwister aus Porsgrund und Fredrikstad. Sie waren noch nie auf einer Konferenz gewesen, sondern hatten nur einiges hierüber gehört, wovon sie sich jetzt selbst ein genaueres Bild machen wollten. Ich kann die Geschwister damit erfreuen, dass diese mit ganz anderen Eindrücken nach Hause fuhren als denen, die ihnen von unseren Widersachern, die selbst meistens nicht wissen, wovon sie sprechen, eingetrichtert worden waren. Wie gewöhnlich wurde bis weit in die Nacht hinein unermüdlich mit Bibelstunden und Gesprächsrunden gearbeitet. Die Geschwister saßen in Gruppen beieinander und forschten im Gesetz des Herrn. Nur die Liebe zu Gott, zu seinem Wort und zu den Brüdern kann uns so eine herrliche Konferenz bescheren. Es ist wahr, was Schwester Madsen aus Kopenhagen sagte: „Man muss so eine Konferenz selbst erleben, um den richtigen Eindruck zu bekommen.“
Die Zeugnisse waren für mich und uns alle nahezu genauso gesegnet, ob sie nun von den Jüngeren oder den Älteren kamen. Daher werden wir diesmal keine Zeugnisse einzelner Personen wiedergeben, sondern nur eine
Kurze Zusammenfassung dessen, worüber auf der Konferenz im Wesentlichen gesprochen wurde.
Der Dienst in der Gemeinde: „Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen.“ 1. Kor. 12, 1.
Auch wir sollen nicht unwissend über die geistlichen Gnadengaben sein. Die Gnadengaben sind verschieden, doch es ist derselbe Geist. Es ist derselbe Geist, ob man Gottes Wort verkündigt, für die Mahlzeiten sorgt, Holz hackt, den Boden wischt, über Gottes Wort spricht oder singt und musiziert oder sich um die Einquartierung kümmert. Die Gnadengaben sind verschieden, doch es ist derselbe Geist. Jeder soll mit der Gnadengabe, die Gott ihm gegeben hat, zum Haupt heranwachsen. Auch diejenigen, die nicht am Wort dienen, sondern auf irdische oder geistliche Weise mithelfen, haben alle Gelegenheit, jemand von den Ältesten in der Gemeinde zu werden. Denn es gibt Älteste, die nicht Verkündiger des Wortes sind, auch diese soll man achten und ehren, doch am meisten diejenigen, die im Wort und in der Lehre arbeiten. Der ganze Leib, das ist die Gemeinde, wächst zum Haupt heran, indem er zusammengefügt wird durch seine Gelenke und Bänder. Während dieses Wachstums besteht nicht nur Bedarf an Rednern, es gibt viel Anderes, was auch dazu nötig ist. Kol. 2, 19. Eph. 4, 15-16. Jedem einzelnen Glied ist eine Wirksamkeit zugemessen. Wenn dann ein Glied leidet, dann leiden alle. Die Wirksamkeit, die kranke Glieder haben, hört auf, und das merkt man.
Man kann seinen Dienst auf verschiedene Weise ausführen. Am Anfang möchte man, dass jemand das Gute sehen soll, das man tut. Dieser Dienst ist gesetzlich, und früher oder später wird man müde, weil das Gesetz Zorn hervorruft, mitten in der Ausübung des Dienstes, mit dem man beschäftigt ist. Wer hingegen seinen Dienst nach dem Gesetz der Freiheit tut, ist selig in seiner Tat. Jak. 1, 25.
Daran kann man sofort erkennen, ob ein Mensch seinen Dienst gesetzlich oder nach dem Gesetz der Freiheit tut. Wer gesetzlich dient, ist immer der Ansicht, dass er am meisten tut und ihm niemand hilft. Dagegen ist derjenige, der nach dem Gesetz der Freiheit arbeitet, immer froh. Er fordert nichts von anderen, sondern tut sein Werk vor Gottes Angesicht und erwartet auch seinen Lohn von ihm. Es spielt für ihn keine Rolle, ob er für das, was er tut, gelobt wird oder nicht.
Es muss als Unrecht angesehen werden, in der Gemeinde einige Diener des Wortes zu Ältesten zu ernennen. Damit beschämt man ja die Ältesten, die nicht Diener des Wortes sind. Möglicherweise sind viele dieser Letzteren dem Haupt Christus näher als manche derjenigen, die predigen. Denn das Reden ist eine Gnadengabe und ist nicht das eigentliche Leben; doch das Leben bleibt bestehen, wenn die Gnadengaben aufhören. Denn seien es Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Aber die Liebe hört niemals auf. 1. Kor. 13, 8. Man lässt sich oft von großen Gnadengaben, weltlichem Ansehen, Gelehrtheit und Rang täuschen; aber es kommt oft vor, dass die Personen mit dem geringsten Dienst mehr Liebe haben als diejenigen, die predigen. Wenn dann die Gnadengaben verschwinden, werden diejenigen die Größten sein, die am meisten Liebe haben; denn diese hört niemals auf.
Aber nun ist es so, dass die meisten in den Versammlungen fleischlich sind, sodass diejenigen, die dem Fleisch nach einen guten Eindruck machen, leicht groß in ihren Augen werden, und aus diesem Grund können Leute, die am weitesten untenan sitzen sollten, Leiter werden, bis sie schließlich offenbar werden und fallen. Die Geringen, die weniger begabt sind, sieht man kaum, obwohl sie durch ihre Liebe wie kleine Sonnen leuchten.
Hier muss man wachsam sein, wenn man nicht zur Schar derer gehören will, die die Person ansehen und dadurch Richter mit bösen Gedanken werden.
„Auch gibt es unterschiedliche Dienste, doch es ist derselbe Herr.“ 1. Kor. 12, 5
Der Dienst wird notwendigerweise in die Richtung gehen, wo man seine Gnadengabe hat. Doch muss zwischen Dienst und Gnadengaben unterschieden werden. Man kann eine Gnadengabe besitzen, sie jedoch nicht einsetzen, sodass wenig oder kein Dienst daraus wird. Ein anderer kann so dienen, dass er über seine Gnadengabe hinausgeht und mit dem Dienst eines anderen ins Gehege kommt. Für jeden Dienst muss man seinen Leib zur Verfügung stellen, daher heißt es: Es gibt unterschiedliche Dienste, doch es ist derselbe Herr. Ob man nun in der Küche oder am Rednerpult dient, ist der Herr derselbe. Der Herr hat den Leib als Gegenstück zum Geist. Dies muss man richtig verstehen. Hieraus folgt, dass die Dienste zum Wohl des Ganzen gleichermaßen notwendig sind und dass der Herr all das wirkt.
Es wird als eine einfache Tätigkeit angesehen, einen Kachelofen anzuheizen. Wenn man sich jedoch an einem kalten Wintertag zur Versammlung trifft und niemand den Ofen angeheizt hat, dann ist Satan sofort mit Anklagen zur Stelle. Die Sinne kommen, vielleicht ohne Worte, in Aufruhr, und Satan ist, während man friert, so sehr wirksam, dass derjenige, der Gottes Wort verkündigen sollte, dass man einander dienen und einander wärmen soll, kaum ein Wort über seine Lippen bringt. Hieraus folgt, dass derjenige, der den Ofen anheizt, eine große Tat vollbringt: er stopft all diesen Anklagegeistern Satans den Mund und er bewirkt, dass der Verkünder des Wortes frei und offen über das sprechen kann, was ihm anvertraut wird. In einer Dampfmaschine gibt es große Kolben und viele große Räder, aber es gibt auch kleine unansehnliche Schmierräder, und wenn diese nicht funktionieren, laufen die Lager heiß, das Metall schmilzt und die ganze Maschine kommt zum Stillstand und mit ihr das Fahrzeug. Dasselbe gilt für die Gemeinde. Daher soll man genau darauf achten, dass die unscheinbarsten Aufgaben versehen werden können, und dass diejenigen, die diese ausführen, ihre Wertschätzung erhalten.
Nicht der Dienst Marthas war zu tadeln; sondern es war zu bemängeln, dass sie ihn nicht ohne Murren ausführte. Alles, was sie tat, hätte sie ohne Murren und Zweifel tun sollen. Worüber Maria und Jesus sprachen, hätte sie dennoch später erfahren können, und dann hätte sie dasselbe wie Maria bekommen; und obendrein hätte sie ihnen gedient, was Maria nicht getan hatte. Aber nun machte sich Martha um viele Dinge Sorgen, und diese Sorgen wollte Jesus entfernen. Ihr Dienst war hingegen nicht zu tadeln, sondern sogar sehr lobenswert.
Wer in der Küche Kaffee kocht, kann ohne Worte durch seine Sanftmut und seinen stillen Wandel eine Rede halten. Kochen und Saubermachen können auch die Gottlosen; aber meistens geschieht dies mit Schimpfen und viel Lärm. Das Göttliche an einem Werk ist daher, es in der Einfalt des Herzens als dem Herrn auszuführen, sodass man selig wird in seiner Tat. Diese Seligkeit mitten in der Arbeit wirkt gesegnet ansteckend auf die Umgebung, denn man versteht, dass man hier einen Menschen vor sich hat, der seine Arbeit nicht nach dem Gesetz des Mose tut, denn dieses bewirkt Zorn, sondern nach dem vollkommenen Gesetz der Freiheit. Solche Menschen können – auch wenn sie nicht Diener des Wortes sind – dennoch zu den Ältesten gehören und sollten als solche geachtet und geehrt werden. Dass sie wirklich zu den Ältesten gehören, davon kann sich jeder überzeugen, indem er mit ihnen spricht. Aber wer diesen Sachverhalt überprüfen will, muss selbst dazu imstande sein, diesen zu beurteilen.
