Die Gesinnung Sauls
David floh vor Saul und rettete sich in die Höhle Adullam, wo ihn sein Vater, seine Mutter und seine Brüder besuchten.
Und es sammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und verbitterten Herzens waren, und er wurde ihr Oberster; und es waren bei ihm etwa vierhundert Mann. 1. Sam. 22, 1-2.
„Und David ging von da gen Mizpe ins Land der Moabiter. Aber der Prophet Gad sprach zu David: Bleib nicht auf der Bergfeste, sondern geh hin ins Land Juda.“
Saul war ein abgefallener Fürst, dessen ganzes Haus zum Untergang verurteilt war. David war bereits an seiner Statt zum König gesalbt, aber die Zeit war noch nicht gekommen, dass er die Königswürde nach Saul übernehmen sollte. David wurde aus dem Land gejagt, der Herr jedoch gab ihm zu verstehen, dass er wieder in das Land Juda zurückkehren sollte.
So gibt es auch in unseren Tagen viele Abgefallene, die Gottes Erwählte aus dem Heiligtum hinaustreiben – obwohl das Gericht über sie selbst bereits wirksam ist. Neid war die Ursache dafür, dass Saul David verfolgte, denn er hatte davon gehört, dass die israelitischen Töchter im Reigen gesungen hatten: Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend. 1. Sam. 18, 6-7. Aber es sind nicht die Gottlosen und Neidischen, die das Land behalten dürfen, daher sagte der Prophet Gad zu David, dass er wieder in das Land Israel zurückkehren sollte.
Saul sagte zu seinem Sohn Jonathan: „Denn solange der Sohn Isais lebt auf Erden, wirst du und auch dein Königtum nicht bestehen. So sende nun hin und lass ihn herholen zu mir, denn er ist ein Kind des Todes.“ 1. Sam. 20, 31.
David hatte nichts Böses getan, aber allein, dass der Herr mit ihm war, war für Saul Grund genug, ihn bis auf den Tod zu hassen.
Dasselbe war bei Jesus der Fall. Die religiösen Schriftgelehrten jener Zeit sahen, dass Gott mit ihm war, daher erwachte ihr Neid.
Daraus können wir lernen, dass religiös zu sein nicht dasselbe ist, wie Gott auf seiner Seite zu haben; denn man kann religiös und dennoch ein Mörder und Gottes Feind sein.
Die Gesinnung Sauls und die Gesinnung der Schriftgelehrten und Pharisäer lebt heute noch. Alle haben sie den Schein der Gottesfurcht, aber es fehlt die Kraft. Sie wissen nichts von Christi Schmach, die der größte Reichtum ist, und man muss viel von Davids Geist und Gesinnung haben, um den Geist Sauls in ihnen zu bemerken. Denn sie hassen den Geist und die Gesinnung Davids. Leute mit Davids Gesinnung werden aus den Synagogen ausgeschlossen werden.
Niemand kennt Saul besser als David, und niemand weiß besser als Saul, wie gefährlich David ist. Jonathan gibt davon Zeugnis, als er zu David sagt: „Fürchte dich nicht! Sauls, meines Vaters, Hand wird dich nicht erreichen, und du wirst König werden über Israel, und ich werde der Zweite nach dir sein; auch mein Vater weiß das sehr wohl.“ 1. Sam. 23, 17.
Saul ahnte, dass David König über Israel werden sollte, ebenso wie Josefs Brüder ahnten, dass Josef eines Tages über sie herrschen würde.
Eben diese Vorahnung ist es, die bei Leuten mit Sauls Gesinnung Neid weckt.
