Gerechtigkeit
Gerechtfertigt durch Glauben. Kurz vor seinem Weggang aus der Welt betet Jesus zu seinem „gerechten Vater“. Joh. 17, 25. „Die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich.“ Die Welt kennt Gott also nicht als einen gerechten Vater. Sie weiß überhaupt nichts von Gerechtigkeit; denn da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Röm. 3, 10. Gerechtigkeit ist daher eine himmlische Gabe und kommt von oben zu uns herab. Sie kam mit ihm, der sagen konnte: „Gerechter Vater“, und von dem der gerechte Vater sagte: „Dies ist mein lieber Sohn […]; den sollt ihr hören!“ Er war der „Liebe Sohn der Gerechtigkeit.“
„Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart […] durch den Glauben an Jesus Christus.“ Röm. 3, 21-22. Diese Offenbarung geschieht dadurch, dass Christus durch den Glauben in unseren Herzen Wohnung nimmt. Eph. 3, 17. Das Gesetz konnte den Menschen verurteilen; denn es steht geschrieben: „Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue.“ Doch nun können wir durch den Glauben lebendig gemacht werden – ohne das Gesetz, Gal. 3, 21; denn der letzte Adam wurde zum Geist, der lebendig macht. 1. Kor. 15, 45.
Lebendig gemacht zu werden bedeutet, auf den Grund der Auferstehung zu kommen, und auferstanden zu sein ist dasselbe wie gerechtfertigt zu sein; denn es steht geschrieben: welcher ist um unserer Sünden willen dahingegeben und „um unserer Rechtfertigung willen auferweckt“. Röm. 4, 25. Doch nicht nur Christus ist auferstanden: Wir sind mit Christus auferstanden. Kol. 3, 1.
Die Gerechtigkeit herrscht. Die Gerechtigkeit herrscht „vor dem Kreuz“ durch das Gesetz, „am Kreuz“ durch Gnade und Gerechtigkeit, „nach dem Kreuz“ durch sich selbst in ihrer freigemachten Herrlichkeit – ungehemmt von allem. „Am Kreuz“ geht die Gerechtigkeit zum Kampf gegen den Sündenleib, bis dieser ganz zunichtegemacht ist. Während dieses Glaubensstreites muss die Gerechtigkeit unseren Willen auf ihrer Seite haben. Der Triumph der Gerechtigkeit über Satan und die Sünde kommt in einem leidenden Menschen zum Vorschein, der der Sünde und Satan bis aufs Blut widersteht. Der Triumph der Gerechtigkeit über den Tod ist deren Wiedervereinigung mit der Seele im Blut des Bundes, Hebr. 13, 20, auf dem Grund der Auferstehung.
Für uns Menschen mit Sünde im Fleisch würde es den blutigen Tod und Untergang bedeuten, wenn die Gerechtigkeit sofort an uns durchgeführt würde. Deshalb muss sie durch Gnade über uns herrschen, Röm. 5, 21, um schließlich ihr Ziel zu erreichen: Dass sie nicht vergeblich ist, sondern dass es ihr gelingt, uns dazu zu bringen, dass wir mit Christus in seinem Tod gleichgestaltet werden, solange wir selbst nach Gerechtigkeit hungern und dürsten. „Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.“ Ps. 145, 17.
Gerechtigkeit muss mit Liebe und Langmut gepaart sein, denn sie harrt auf denjenigen, der sich erlösen lassen will, und wartet mit der Ausübung ihrer Urteile über die Gottlosen. 1. Petr. 3, 20. Aufgrund dessen, dass Christus für alle gestorben ist, offenbart sich die Gerechtigkeit im Gewissen aller Menschen. Davon ausgehend können gute Gesetze erlassen werden und kann es gerechte Richter in der Welt geben, und jeder Mensch kann selbst herausfinden, was recht ist.
Das Ziel der Gerechtigkeit ist es, gemäß ihrer eigenen Beurteilung alles in die richtige Ordnung zu bringen. Und da sie jede andere Beurteilung übertrifft, ist sie einzig dastehend, nachdem alles und alle von ihren Urteilen offengelegt und besiegt sind. Die Gerechtigkeit ist also gekrönt, und sie krönt jeden, der sich ihren Gesetzen unterwirft. 2. Tim. 4, 8. Offb. 2, 10.
„O Herr, du Gott Israels, du bist gerecht.“ Esra 9, 15. „Du hast dein Wort gehalten, denn du bist gerecht.“ Neh. 9, 8. „Der Herr liebt die Gerechten.“ Ps. 146, 8. „Das Haus der Gerechten wird gesegnet.“ Spr. 3, 33. „Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.“ Spr. 4, 18. „Das Warten der Gerechten wird Freude werden.“ Spr. 10, 28. „Der Gerechte wird nimmermehr wanken.“ Spr. 10, 30.
Selig ist daher jeder, von dem in Wahrheit gesagt werden kann: Das ist ein gerechter Mann; das ist eine gerechte Frau.
