Die Berufung und Erwählung festmachen
„Darum, liebe Brüder, bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen.“ 2. Petr. 1, 10.
Jeder Mensch hat seine spezielle Berufung und seine individuelle Erwählung. Ebenso wie es viele Glieder am selben Leib gibt, so gibt es auch viele Berufungen innerhalb desselben Leibes. Aber alle können sie zum Haupt – Christus – hinwachsen. Ein Jungknecht auf dem Land kann genauso schnell zum Haupt hinwachsen, wie ein Bischof in der Stadt und ein Dienstmädchen genauso schnell wie die Hausherrin. Es kommt nur auf den Gehorsam des Glaubens an. Aber nun gilt es, klare Linien darüber zu bekommen, auf welchem Weg wir unsere Berufung und Erwählung festmachen können. Wir müssen wohl alle darin einig sein, dass Jesus auch in diesem Stück der Meister war, von dem wir zu lernen haben.
„Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist.“ Phil. 2, 5-9.
Der Weg, die Berufung und Erwählung festzumachen, geht also durch Selbsterniedrigung. In welchem Stand und in welcher Stellung man sich auch immer befindet, ist es möglich sich zu erniedrigen. Alles Streben nach oben dient also dazu, Gottes Werk zu zerstören. Es ist nicht gefährlich, in einer Versammlung niedergesungen zu werden, so wie es dem betenden Missionar John Nelson Hyde von unverständigen Menschen widerfuhr. Er schwieg nur, dieser Gottesmann, und als einige sich darüber ereiferten, dass er so schlecht behandelt wurde, dann entschuldigte er nur das, was sie gegen ihn getan hatten. Es ist auch nicht anzustreben, Leiter einer Versammlung zu werden, wenn ich am allerbesten meine Berufung und Erwählung dadurch festmachen kann, dass ich zuunterst sitze. Unsere Sache ist es, tief hinunterzugehen. Gottes Sache ist es, zu seiner Zeit zu erhöhen. Alle Diener Gottes haben das Geheimnis verstanden, das darin liegt, hinunterzugehen. Paulus sagt: „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.“ Phil. 3, 7-8. Damit stellt der Apostel fest, dass alle andere Erkenntnis der Erkenntnis Christi Jesu im Weg stand. Wie plump hört es sich doch an, wenn man am Rednerpult steht und durch schöne Einflechtungen seinen Zuhörern vermittelt, was man alles für Examen gemacht hat. Wir brauchen ein Examen darin, zu gehorchen und zu glauben, darin hinunterzugehen und darin zu vergessen, was dahinten liegt. Wenn Gott dann am Ende erhöht, dann geschieht es auf seine eigene, verwunderliche Weise, um diejenigen zuschanden werden zu lassen, die sich dünken, etwas zu sein. Dies tut er durch alle Zeiten und Generationen hindurch. Die Mutter Jesu war gering in ihren eigenen Augen, und sie hatte auch bemerkt, wie Gott mit den Hochmütigen verfahren ist. Das können wir an ihren eigenen Aussagen sehen: „Dass er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter! Er tut Mächtiges mit seinem Arm; er zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Er stößt die Mächtigen von ihren Thronen und erhöht die Niedrigen. Hungrige sättigt er mit Gütern, und Reiche schickt er leer fort.“ Lk. 1. Wieder ein Beweis dafür, dass Berufung und Erwählung Selbsterniedrigung als Bedingung haben. „Er leitet die Sanftmütigen im Recht, und lehrt die Sanftmütigen seinen Weg.“ Ps. 25, 9 (ELB). „Der Ehre geht Demut voraus.“ Spr. 15, 33. Jesus ist ganz bis in die Tiefen der Erde hinabgefahren. Eben darum wird sein Name unter den Verkommensten gepriesen, denn sein gesegneter Geist ist unter ihnen wirksam.
Hebr. 12, 3: „Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat!“ (D. h. von den Obersten des Volkes, von dessen Hohepriester und dessen Priestern sowie von all den anderen, die auf ihre Leiter, oder besser gesagt ihre Irreführer, gehört haben.)
Wo dieses Christusleben im Fleisch offenbart wird, muss es erneut Widerspruch von den Sündern erdulden. Aber auch dies trägt dazu bei, Berufung und Erwählung festzumachen; denn die Zeit kommt, dass der Herr das Obere nach unten kehren wird, und das Untere nach oben, sodass das Angesehene geringgeachtet wird und das Geringgeachtete angesehen wird; sodass sie mit Entsetzen auf ihn hinsehen, den sie durchbohrt haben.
