Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1929-01 - Freimachung von der Sünde

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Freimachung von der Sünde

Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass es nicht möglich ist, in diesem Leben von der Sünde freigemacht zu werden. Doch die Schrift sagt: „Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben.“ Röm. 6, 22. Freimachung von der Sünde in diesem Sinne bedeutet, dass wir von der Macht der Sünde freigemacht sind. Die Sünde soll nicht mehr über uns herrschen. Röm. 6, 12.

Die vom Sündenfall her geerbte Sünde liegt zwar in unseren Gliedern, aber wir sollen ihren Lüsten nicht gehorchen. Denn wir sind Diener dessen geworden, dem wir gehorchen, entweder der Sünde zum Tod oder der Gerechtigkeit zu Leben und Frieden. Es gibt also zwei Kräfte in unserem sterblichen Fleisch; ich meine hier: in der wiedergeborenen Seele. Das ist „die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit“ und „das andere Gesetz in meinen Gliedern“. Röm. 5, 17 und Röm. 7, 23.

Nun kommt es also auf mich selbst an, wem ich dienen will. Das Ganze liegt im Willen. Wir können um Versuchungen nicht herumkommen, aber wir brauchen der Versuchung nicht zu gehorchen. Ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Jak. 1, 14. Die Lust, von der man gelockt werden kann, ist ja die Sünde im Fleisch. Doch nun steht da ein kleines Wort: „Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde.“ V. 15. Wir haben von Gott Macht bekommen, in der Versuchung zu siegen, sodass uns dieses „danach“ nicht in bewusste Sünde zu führen braucht. Wenn ein Mensch versucht wird, muss er selbst der Versuchung gehorchen, wenn sie zur Sünde führen soll. Aber dies wollen wir nun nicht mehr. Im Gegenteil – wir wollen nun dem Gesetz Gottes mit unserer Gesinnung dienen. Röm. 7, 25.

Aber nun sagt Paulus im selben Vers, dass er dem Gesetz der Sünde mit seinem Fleisch dient. Er dient also gleichzeitig mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes und mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde. Wie ist nun das zu verstehen?

Indem man die Sache nüchtern betrachtet, wird man es ganz klar aus dem praktischen Leben verstehen. Denk an den geistlichsten Mann, den du hier auf Erden kennst. Er strebt mit allem, was in ihm ist, danach, Gott gehorsam zu sein und hat auch große Resultate erreicht. Doch bei näherem Kontakt mit ihm wirst du einige Dinge bei ihm finden, die dem Leben in dieser Welt angehören und die keinesfalls vom Heiligen Geist und dem neuen Leben stammen. Aus dem Leben dieses gottesfürchtigen Mannes kommen also Werke hervor, die von seinem Fleisch stammen. Er dient also dem Gesetz der Sünde mit seinem Fleisch, obwohl er mit seiner ganzen Gesinnung dem Gesetz Gottes dient. Wie sollen wir dann diese Werke nennen, die von seinem Fleisch hervorkommen? Die Schrift hat die Antwort. Wenn er etwas an sich sieht, das nicht vom Heiligen Geist gewirkt ist, dann soll er diese Werke töten (d. h. richten), weil sie durch „ein anderes Gesetz in seinen Gliedern“ hervorgetrieben sind. Röm. 8, 13.

Wenn zum Beispiel ein ansonsten gottesfürchtiger Prediger seine Zeitschrift mit Reiseberichten füllt, dann werden wir alle verstehen, dass hier das Fleisch aktiv ist. Oder wenn ein Prediger fleischliche Waffen gebraucht und Leute hinausjagt, die ihm widersprechen, dann verstehen wir, dass das Fleisch in Wirksamkeit ist. Diese beiden können es sicherlich gut meinen in ihrer Gesinnung, doch das Gesetz in den Gliedern geht mit ihnen durch. Wenn nun diese Prediger ihre Werke des Leibes richten würden, dann würden sie schließlich von diesen erlöst werden. Aber wenn diese Werke beibehalten werden, dann ist Stillstand im Leben. Man ist und bleibt ein unmündiges Kind in Christus – trotz seines Alters und trotz großer Gemeinden.

Es gibt also zwei Arten der Freimachung von der Sünde. Die erste Freimachung ist die Freimachung vom Gesetz der Sünde und des Todes. Röm. 8, 2. Die zweite Freimachung, in der man vollkommen gemacht wird, ist die Freimachung und das Wachstum heraus aus dem Gesetz der Sünde in den Gliedern. Die erste Freimachung wird auch in Kol. 2, 11 beschrieben, wo es heißt, dass wir durch die Beschneidung Christi „den Leib des Fleisches“ abgelegt haben (den Leib, der Sünde tat und der der Sünde diente). Die zweite Freimachung, die Stück für Stück geschieht, wird in Phil. 3, 7-16 beschrieben. Diese Freimachung ist auch eine Freimachung in Richtung auf die Vollendung hin. Letztere hatte Paulus noch nicht ergriffen. Er diente noch dem Gesetz der Sünde mit seinem Fleisch, obwohl seine Gesinnung mit aller Macht darauf eingestellt war, dem Gesetz Gottes zu dienen.

Die Sache ist nämlich die, dass das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist noch sein kann. Solange der kleinste Funke von Fleisch bei uns zu finden ist, wird es in der einen oder anderen Richtung zum Ausdruck kommen, z. B. indem man es ständig behaglich haben will, schlemmen, immer erster Klasse reisen, in teuren Hotels einkehren, von der Kollekte armer Leute auf großem Fuße leben usw., usw. Alles ist und bleibt Fleisch, das gerichtet werden muss, wenn man leben will. Bei Gott gibt es nämlich kein Ansehen der Person.

Was ist also zu tun? Ja, wir sollen auf uns selbst achthaben und versuchen, uns selbst bei unseren eigenen Ausschlägen des Fleisches zu ertappen und diese dann zu verdammen und zu korrigieren, sodass das Leben ein anderes Mal vollkommener werden kann. Auf diese Weise werden wir von Licht zu Licht und von Kraft zu Kraft gehen. Warum weiß man nichts von Gott? Eben weil man das Fleisch pflegt, das ja der Vorhang ist, der uns von Gott trennt. Reiße dieses Fleisch nieder, dann ist der Zugang zum Vater offen. Aber die meisten Menschen trödeln gerne und umsorgen das Fleisch liebevoll und das hat zur Folge, dass man am liebsten einen Prediger haben möchte, der dasselbe tut, der das Fleisch sogar verteidigen kann. Aber bedeutet das, am Vorhang (am Fleisch) zu dienen? Oder bedeutet das, am Brandopferaltar zu dienen? Nein, das bedeutet, ein Priester vor dem Volk und nicht vor Gott zu sein. Vom Volk bekommt man daher auch seinen Lohn, sodass man sein Fleisch unterwegs und zuhause pflegen kann, so wie es einem passt.

Aus demselben Grund wird man ein Feind des Kreuzes und vom Wort des Kreuzes. Man will Christus haben und gleichzeitig das Fleisch erhalten, und man versteht nicht, dass Krieg ist zwischen Geist und Fleisch. Und wer ein Diener des Geistes sein will, muss notwendigerweise mit jedem, der das Fleisch verteidigt, in Widerspruch kommen – in wem und bei wem sich dieses Fleisch auch befinden mag. Ob das Fleisch gebildet oder ungebildet ist, spielt für Gott keine Rolle; ans Kreuz damit, denn es ist verflucht! Da jetzt in Jesus Christus nur eine neue Kreatur gilt, sind wir der Auffassung, auf der richtigen Seite und im Dienst des Geistes zu sein, wenn wir das Schwert gegen alles fleischliche Wesen ziehen, das den Schein der Gottesfurcht hat und den Leuten den Kopf verdreht. Denn diejenigen, die einen Dienst im Heiligtum bekommen haben, tragen die Schuld für alle Sünde am Heiligtum und an ihrem eigenen Priesterdienst. 4. Mos. 18, 1.

Wenn man daher Jahr für Jahr fortfährt, offenkundige Werke des Leibes zu tun und diese nicht durch den Geist tötet, dann verstehen wir, dass alte Prediger und sogenannte Leiter weiterhin Kinder in Christus sein können. Sie reden wie Kinder, schreiben wie Kinder und machen Kinderstreiche mitten in ihrer eigenen Versammlung, die sie in keinster Weise zum Haupt, Christus, hinzuführen vermögen. Mit anderen Worten: sie gehen nie in ein tieferes Leben hinein und werden nie vom anderen Gesetz in den Gliedern erlöst, von dem Paulus sagt, dass er es sah. Diese aber geben offen und ehrlich zu, dass sie ein solches Gesetz nicht einmal sehen. Und wie sollen sie dann von ihm erlöst werden?