Reichtum
Wenn du reich werden willst, dann sei darauf vorbereitet, auf „dem Altar des Reichtums“ ein Leben mit harter Arbeit niederzulegen. Dein Gerechtigkeitsempfinden und deine Ehre müssen geopfert werden. Deine Gesundheit, dein Schlaf und dein Gewissen, dein guter Name und Ruf, ja auch deine Seele werden von dir gefordert. Bei all diesem machst du dir selbst viel Schmerzen, du machst dich verhasst, weil du das zurückhältst, was andere erfreuen sollte. Gott ist reich, ihm gehören Himmel und Erde, aber er hat alles zusammen uns gegeben, indem er sagt: „Alles ist euer.“ Niemand kann mit Recht sagen: Dieses oder jenes ist mein, es gehört mir. Selbst wenn wir eine Urkunde von unserem Grundstück haben, so sind wir doch nur Verwalter über die Mittel, die uns Gott anvertraut hat. Und wir sind untreue Haushalter, wenn wir dieser Welt Güter haben und sehen, dass unser Bruder an dem, was notwendig ist, Mangel leidet und ihm nicht helfen. Bald müssen wir den Reichtum verlassen und ihn anderen überlassen. Was bleibt uns dann von aller Mühe oder allem Reichtum? Wir haben haufenweise angesammelt, aber andere gebrauchen es. Die Erben freuen sich auf den Tag unseres Todes. Wo der Schatz ist, wird auch das Herz sein. Und so geht man in die Ewigkeit ein mit dem Herzen voller Liebe zu dem Gold, das andere verbrauchen werden. Ist das nicht auch die Eitelkeit der Eitelkeiten?
Lasst uns daher nicht das Sichtbare vor Augen haben, sondern mögen wir uns vielmehr befleißigen, uns Schätze zu sammeln, wo sie weder Rost noch Motten fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen – ewige und wertvolle Schätze. Vergiss daher nicht, zu geben und Gutes zu tun, denn solche Opfer gefallen Gott wohl und erlösen uns vom Geist des Geizes, der sogar in der Lage ist, durch Hunger seine Opfer zu töten, die Geld genug hätten, eine ganze Dorfbevölkerung zu ernähren. Und wie erbärmlich doch der Geizige wird! Rein menschlich gesehen wird er zum Narr, aber reich wird er, und mitten in seinem Reichtum ist er erbärmlich arm, sodass er sich bestimmt freuen würde, wenn er nur das Scherflein der Witwe bekommen könnte.
Nimm daher rechtzeitig den Kampf gegen alles Jagen nach Reichtum und gegen den Geist des Geizes auf; denn diese zwei Laster sind eng miteinander verwandt.
