Konferenz am Buß- und Bettag 1928
Es gibt eine Sache, die wir klar vor Augen haben müssen, und die finden wir in Röm. 6, 6: „Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.“ Wir müssen davon überzeugt sein, dass der alte Mensch gekreuzigt ist. Alle Unordnung, alle Untugend, aller Unfriede und alles Böse kommen vom alten Menschen. Wenn wir nicht Kreuz und Tod über den alten Menschen verkündigen, wird niemals wahres, göttliches Leben entstehen. In Röm. 6, 22 heißt es, dass wir von der Sünde freigemacht und in den Dienst Gottes getreten sind. Wann geschieht nun dies? Eben wenn der alte Mensch am Kreuz ist, dann sind wir freigemacht von der Sünde. Wenn er nicht dort ist, dann bist du ein Knecht der Sünde, ein Gesetzesübertreter, der kein Diener Gottes sein kann. Und warum gibt es keinen Fortschritt und keine Gleichgestaltung mit Christus? Deswegen, weil der alte Mensch immer noch wirksam ist, anstatt am Kreuz zu sein.
In 3. Mos. 21, 17-23 heißt es, dass keiner der Nachkommen Aarons, der einen Fehler hatte, zum Tisch des Herrn herzutreten sollte, um die Speise seines Gottes zu opfern. Doch essen durften sie die Speise ihres Gottes, vom Heiligen und vom Hochheiligen. Doch zum Tisch des Herrn durften sie nicht nahen. Hieraus geht hervor, dass man Zutritt zum Tisch des Herrn haben muss, um anderen Speise geben zu können, und dass man keinen Fehler an sich haben darf. Als sie die Brüder sahen, wurden sie froh. Es war ihnen anzusehen, dass sie mit den Speisen von oben her gesättigt worden waren; denn ihre Gesichter leuchteten vor Freude, als sie Paulus sahen. Die Priester, die kein gekreuzigtes Leben leben, können nicht zum Tisch Gottes herzutreten und Speise von Gott darbringen. Doch können sie davon essen. Untreue führt zu Fehlern, sodass der Zutritt zum Tisch des Herrn verwehrt wird. Man wird ein geistlicher Zwerg oder man bekommt Krätze oder Flechten, wird bucklig oder bekommt eine gebrochene Hand oder einen gebrochenen Fuß oder eine Missbildung. Es werden nicht drei gegen zwei und zwei gegen drei im gleichen Haus widereinander sein, denn dazu sind die Untreue und die Allianz viel zu groß. Man hinkt auf beiden Seiten und bekommt auf diese Weise keinen Zutritt zum Tisch des Herrn. Niemand soll sich dem Feueraltar des Herrn nahen, der nicht selbst das Feuer ertragen hat.
Doch als sie keinen Zutritt zum Tisch des Herrn bekamen, erfanden sie andere Mittel. Sie setzten ihre Schwelle an Gottes Schwelle und ihre Pfosten neben des Herrn Pfosten, sodass nur eine Wand zwischen Gott und ihnen war. Hes. 43, 8. Der alte Mensch ist erfinderisch. Doch was er auch erfindet, bekommt er immer eine Wand zwischen sich und Gott. Doch diese Wand wird am Kreuz abgebrochen. Der alte Mensch ist ein „Troll“, und es versteht sich von selbst, dass er jeden für gefährlich hält, der Kreuz und Tod über ihn verkündigt. Das ist eine gefährliche Lehre, ruft der alte Mensch. Viele Heilige durch alle Zeitalter haben dieselbe Lehre gehabt. Sie lebten nach ihr und gingen durch sie zur Ruhe ein. D. h. sie starben glücklich im Glauben an diese gesegnete Lehre. Wenn du also wie einer von Jakobs Söhnen sein willst, dann verkündige das Kreuz Christi und die Kreuzigung zusammen mit Christus. Denn die Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt, samt den Lüsten und Begierden. In diesem Zustand wirst du Zutritt zum Tisch des Herrn bekommen.
