Die große Versammlung, die zur Einheit führt
Zwischen Juden und Heiden herrschte eine große Feindschaft. Die Juden glaubten nämlich von sich, viel besser als die Heiden zu sein, weil Gott dieses Volk vor anderen Völkern auserwählt hatte. Aber waren sie nun tatsächlich besser? O nein! Stephanus sagt von ihnen: „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr! Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, die vorher das Kommen des Gerechten ankündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.“ Apg. 7, 51-52. Ebenso sagt Paulus in Röm. 3: „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.“ Das Gesetz wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt.
Ob es nun Juden oder Heiden waren – sie hatten ein Fleisch, das sie an sich trugen und das in Feindschaft zu Gott stand.
Um nun ein Ende dieser Feindschaft zu erreichen, die zwischen dem jüdischen Volk und den Heiden bestand, und um eine Basis für Frieden zu schaffen – zwischen den Völkern und zwischen den einzelnen Individuen – musste Christus Jesus Fleisch und Blut annehmen. Siehe Hebr. 2, 14. Dieses Fleisch wurde ans Kreuz genagelt und durch dieses sein Fleisch hat er abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen. Die Gebote und Satzungen waren ja für das Fleisch gegeben worden, das in Feindschaft zu Gott stand und das dem Gesetz Gottes nicht untertan sein konnte. Es ist somit klar, dass diese Gebote und Satzungen von selbst hinfällig wurden, als dieses Fleisch gekreuzigt wurde. Genauso wurde die Ehre hinfällig, auf die sich die Juden den Heiden gegenüber beriefen, weil sie sich rühmen konnten, ein solches Gesetz bekommen zu haben. Auf diese Weise konnten sowohl Juden als auch Heiden – ohne etwas zu haben, dessen man sich vor dem anderen rühmen konnte – miteinander in einem Geist in Gott versöhnt werden am Kreuz, an dem die Feindschaft getötet wurde. Nun wurde Friede für die, die fern waren, und für die, die nahe waren. Eph. 2, 15 ff.
Angewandt in der Praxis in unserer Zeit bedeutet dies, dass alle Christen versöhnt werden können und in demselben Geist mit Gott und miteinander zur Einheit kommen können, wenn das Fleisch am Kreuz gehalten wird. Ist es nicht das Fleisch, das Parteiungen bildet? Und sind Parteiungen nicht vom Teufel? Doch, ganz bestimmt! Also „ans Kreuz“ mit allem Fleisch und dann verschwinden die Parteiungen – wie sich ihre Anhänger auch immer nennen. Mögen wir uns zur großen Einheitskonferenz „Ans Kreuz mit allem Fleisch“ versammeln. Dann kommt der Frieden wie ein Wasserstrom über jeden einzelnen, ob wir nun fern oder nahe waren.
Zur Freiheit hat uns Christus berufen, doch das bedeutet, zu einer Freiheit mit einem gekreuzigten Fleisch. Wenn die Rede von Freiheit ist, ohne mit ihm gekreuzigt zu sein, dann ist das Selbstbetrug. Denn das Fleisch kann Gottes Gesetz nicht untertan sein. Wenn wir daher ermahnt werden, in der Freiheit fest zu stehen und uns nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen zu lassen, Gal. 5, 1, dann ist damit gemeint, dass wir weiterhin in Treue am Kreuz bleiben und uns der Sünde gestorben und lebendig für Gott halten sollen. Mit dem Fleisch in dieser mit ihm gekreuzigten Stellung werden wir ein Fleisch mit ihm. „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.“ Eph. 5, 31-32. Daraus geht hervor, dass die Braut ein Fleisch mit Christus ist, und dass dieses Fleisch am Kreuz ist. Die Braut erleidet daher auch die Kreuzigung hier auf Erden, was auch mit Gal. 5, 24 übereinstimmt: „Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.“
Von diesem Kreuz aus können wir im Geist leben und im Geist wandeln. Gal. 5, 25. Und in diesem einen Geist haben wir Zugang zum Vater. Eph. 2, 18. Darum heißt es auch von Jesus, dass er nach dem Fleisch getötet, aber nach dem Geist lebendig gemacht wurde. „Denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden.“ Hebr. 2, 18.
Ob wir nun Jude oder Grieche, schwarz oder weiß, arm oder reich, katholisch oder evangelisch sind –am Kreuz können wir alle zur vollkommenen Einheit mit Christus gelangen, denn dort wird die Feindschaft getötet. Hier können wir uns in einem Geist und in einem Leib versammeln. Hier ist nicht die Rede von groß, größer, am größten; denn der Allergrößte wird aller Diener und der Größte wird wie der Geringste. Zu dieser Versammlung, die zur Einheit führt, ist jeder eingeladen, der seiner selbst und seines Fleisches überdrüssig ist; und der dessen überdrüssig ist, ein Knecht unter dem Fleisch anderer zu sein. Herrliche Freiheit!
