Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1928-11 - Wer überwindet

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Wer überwindet

„Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen.“ Offb. 3, 12.

Es ist also möglich zu überwinden. Unter Überwinden versteht man ein unerschütterliches Festhalten an dem, was in jedem einzelnen Fall recht, gut und wahr ist. Aber weil wir nun in einer bösen Welt leben und wir selbst zum Bösen versucht werden, kostet der Sieg für den, der den Siegespreis gewinnen will, wirklich etwas. Es ist möglich, aber nur unter großer Aufmerksamkeit und mit Gebet und Demut. Wenn der Überwinder zu einem Pfeiler im Tempel Gottes werden soll, dann bedeutet das, zu einem Pfeiler für die Gläubigen, die ja der Tempel Gottes sind. Er wird nicht mehr hinausgehen. Nein, eben durch Treue wird man ein Pfeiler und eben durch fortdauernde Treue bleibt man ein Pfeiler, und als ein solcher kann man nicht hinausgehen. Wenn jemand dich aus deinem festen Stand herauslocken will, dann sagst du „Nein“. Wenn dich dein eigenes Fleisch reizt und lockt, dann sagst du nochmals „Nein“. Auf diese Weise lebst du ein Überwinderleben. Wenn uns etwas Unbekanntes und Neues begegnet, gilt es, in besonderem Maß zu wachen und zu beten. Denn mit neuen Verhältnissen im Leben kommen auch neue Versuchungen.

Wer überwindet, wird mit Jesus auf seinem Thron sitzen. V. 21. Sieg führt zur Königswürde, und das ist ja auch berechtigt. Wenn wir die Menschenmassen ansehen, so sind sie fast alle vom Stempel der Sünde gezeichnet. Sie sind nicht davon geprägt, dass sie über die Sünde siegen. Die Sünde reicht in ihren feinsten Verästelungen überaus weit. Sie lebt und herrscht in Königspalästen und in den Hütten der Elenden. Sie schleicht sich ein bei Richtern und den hochstehenden Autoritäten. Wer wachen will über die Sünde und die Ungerechtigkeit auf deren schlüpfriger Bahn, wird sogar gehasst werden, eben weil er den Kampf gegen die Sünde aufnimmt, wenn sie auf ihn eindringen will. Deshalb hält Jesus, der der „König der Gerechtigkeit“ ist, für jeden, der überwindet, eine große Belohnung bereit.

Auch in die Versammlungen Gottes schleicht sich die Sünde durch Ansehen der Person und allerlei Unredlichkeit in Handel und Wandel ein. Begleitet wird dies von alten sündigen und schlechten Gewohnheiten, daher ist es ein weiter Weg dahin, dass man ein Überwinderleben lebt, ein Leben, das den Thron als Belohnung hat.

Aber das ist möglich für den, der Licht über seine eigene Untauglichkeit bekommen hat, sodass er wartet, bis Gott ihn mit seinen Augen, mit seiner Sichtweise über die Sache, leitet. Am Kreuz siegte Jesus über Fürstentümer und Gewalten. Dort ist auch unser Siegesplatz, an dem man sich der Sünde gestorben und lebendig für Gott hält. Die Welt unterliegt der Macht der Sünde, weil sie nichts vom Kreuz wissen will. Nimm das Kreuz auf dich und folge Jesu Fußspur, dann wird der Sieg kommen. Und der Sieg wird begleitet von Siegesfreude, einer Freude, die den Heiligen ziemt. Unter Sieg versteht man, dass Gottes Werke durch unseren Leib hervorkommen. Das sind die reinen, heiligen Werke, die Gott durch seinen Heiligen Geist in uns gewirkt hat. Dem Überwinder wird gegeben, sich mit diesen anzutun. Offb. 19, 8. Aber nicht genug damit; denn in Offb. 21, 7 heißt es, dass der, der überwindet, alles ererben wird. Es lohnt sich, nein zur Sünde und ja zur Stimme des Geistes zu sagen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

So ein ständiger Sieg wird zu dem führen, was der Apostel Paulus in 1. Thess. 5, 23 beschreibt: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch.“ Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.

Die meisten Gläubigen legen viel zu wenig Wert auf die Heiligung. Deshalb ist die Freude bei weitem nicht das, was sie sein sollte. Aber fehlt es an der Freude, dann fehlt es auch an der Kraft, die Sieg geben soll; denn die Freude in Gott ist unsere Stärke. Wenn wir daher an unserer Heiligung mit Furcht und Zittern arbeiten und gleichzeitig suchen, Menschen zu gewinnen, dann tun wir ein doppeltes Werk, führen einen doppelten Kampf, und nachdem der Kampf doppelt ist, wird man ein zweifacher Kämpfer. Das war Jesus. Denn als er mit dem Sieg über Satan und die Macht der Finsternis aus der Welt ging, hinterließ er als Siegespreis seine Jünger, und diese führten den Kampf in der Spur des Meisters weiter.

„Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, einem jeden zu geben, wie seine Werke sind.“ Offb. 22, 12.