Der Kampfpreis
„Lasst nicht zu, dass euch irgendjemand um den Kampfpreis bringt, indem er sich in Demut und Verehrung von Engeln gefällt.“ Kol. 2, 18.
Man kann kaum eine Versammlung besuchen, mit einer Person sprechen oder eine Arbeit erledigen, ohne einen Kampfpreis zu gewinnen oder zu verlieren. Im Licht Gottes gibt es ständig genug Finsternis, gegen die es zu kämpfen gilt. Das Fleisch hat schlechte Gewohnheiten und Weltlichkeit im Schlepptau, noch lange nachdem man zum Glauben an Christus gekommen ist. Ein Mensch, der wegen seiner Gelehrtheit, Bildung oder Reichtum besonderes Ansehen genießt, wird höher geachtet als andere arme Seelen. Hier verlieren eine Menge Christen den Kampfpreis. Diese Sünde richtet in jeder einzelnen Versammlung Unheil an und bringt Gericht und Tod mit sich. Man ist so weit wie der Osten vom Westen davon entfernt, den Kampfpreis zu erringen. Versuche, ihn zu erringen, würden für unchristlich und lieblos gehalten werden und mit dem Ausschluss enden. In geschlossenen Kreisen wählt man einen Bruder oder eine Schwester mit einem starken Menschengeist und fleischlichem Ansehen aus und treibt mit ihnen „Engelsverehrung“. Das heißt, man bewundert und umsorgt sie auf jede erdenkliche Weise mehr als alle anderen. Es hat den Anschein, dass einige nicht ohne einen solchen „Engel“ leben können, und es scheint, dass manche sich nicht wohlfühlen, wenn sie nicht verehrt werden. All dies ist und bleibt Fleisch, wenn es auch einen mütterlichen oder väterlichen Schein von Religiosität über sich hat. Man hält Fleisch für seinen Arm, das Herz weicht vom Herrn, und man hat einen „Engel“ als sein Haupt anstelle von Christus. Der Kampfpreis ist verloren.
Ohne Kampfpreis gibt es auch keinen bewährten Glauben. 1. Petr. 1, 7. Gott schickt die Prüfungen, um unseren Glauben und unsere Treue zu prüfen. Wollen wir fähige Gemeindediener werden, müssen wir den Preis erringen. Gott hat genug Licht und Kraft gegeben, dass man diesen erringen kann. Sind jedoch Herz und Sinn fleischlichen Vorteilen zugeneigt, gewinnt man nie den Kampfpreis. Darum sagt Jesus mit Nachdruck: „Eines sage ich euch allen, wachet!“
Sich im Ansehen anderer zu sonnen, bedeutet Verlust des Kampfpreises. Jesus hatte kein Ansehen, das uns gefallen hätte. Hiermit wird ja ganz klar gesagt, dass Menschen Gefallen an angesehenen Personen haben, und mit diesen treibt man dann Verehrung der Engel. Draußen in der Welt ist Ansehen der Person ganz offenbar. Es kommt vor, dass der Verkäufer im Geschäft von seinem Chef dazu angehalten wird, seine Kunden stehen zu lassen, um zuallererst angesehene Leute zu bedienen. Vor denen verbeugt man sich, macht einen Kratzfuß, bietet ihnen das Beste aus dem Geschäft an, und das Merkwürdige ist, dass sie in der Regel die Waren sogar billiger bekommen als nicht angesehene Leute. Daher sagt man zu Recht, dass man seine besten Kleider anziehen soll, wenn man beim Einkaufen etwas Billiges und Gutes bekommen möchte. Wie werden doch diese Herrschaften von Kaufleuten, die so viele an der Nase herumführen, selbst an der Nase herumgeführt! All dies hat man von den Vätern geerbt und schleppt es Jahr und Tag mit sich herum, nachdem man vom Allerärgsten errettet worden ist. Manche sind vom Ansehen der Person sogar so gefangen, dass sie sich an dem einen oder anderen weniger gelehrten Ausdruck stoßen, obwohl die Rede durch und durch geistlich ist. Um solche auf fleischliche Weise eingebildete Wesen zufriedenzustellen, muss man mindestens Theologie studiert haben.
Es muss für uns zur Gewohnheit werden, den Kampfpreis zu erringen. Dazu gehört auch, dass man all das, worin man als Mensch so gerne Erfolg hätte, der Leitung Gottes überlässt. Nimm den Kampf auf gegen die fleischliche Unruhe im eigenen Körper! Ruhe in Gottes Führung in allen Dingen. Gott gibt uns massenweise Gelegenheiten, den Kampfpreis zu erringen und Sieger zu werden. Aber meistens beugt man seinen Nacken unter das Joch der Knechtschaft und wird Schwanz statt Haupt. Man wird untauglich zum Dienst des Herrn. Menschenfurcht raubt jahraus jahrein ansonsten gottesfürchtigen Seelen den Kampfpreis. Eine geschwätzige Zunge hat viele gestohlene Kampfpreise auf dem Buckel. Ein Schleckermaul verschlingt den Kampfpreis und überlässt dem Bauch die Herrschaft über sich. Keiner von diesen wandelt auf dem neuen und lebendigen Weg durch das Fleisch. Bedenke, dass wir durch das Fleisch sollen, durch die fleischlichen Lüste, die gegen die Seele streiten. Hier ist der Weg gebahnt und hier sind auch die Kampfpreise für uns bereitgelegt.
Versuche den Kampfpreis zu erringen, liebe Seele! Ist es am Anfang auch etwas schwierig, so wird es doch bald zu einer Gewohnheit. Man bekommt die Einstellung, diesen zu erringen. Eine unaussprechlich gute Gewohnheit, die Freude ins Herz und Mark in die Gebeine kommen lässt und eine Menge guter Früchte einbringt. Es soll nicht dein Ziel sein, mit allem und allen in einem fleischlichen Frieden zu leben, sondern mache dein Angesicht hart und scheide das Edle vom Unedlen. Dann wird man über dich dasselbe sagen können, wie Gott über Jeremia sagte: „Ich habe dich zum Prüfer gesetzt für mein Volk.“ Jer. 6, 27.
