Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Skjulte Skatter 1928-09 - Die Geduld als Sieger

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Die Geduld als Sieger

Die Geduld richtet ihren Blick auf das Ende einer Sache und lässt sich vom Vorläufigen nicht erschüttern. Wir haben viele Beispiele von Ungeduld, doch leider wenige von Geduld. Als Henoch mit Gott wandelte, war das eine große Prüfung der Geduld. Er konnte unmöglich mit Gott wandeln, ohne von der bösen Welt verhöhnt zu werden. Und er konnte unmöglich weiterhin mit Gott wandeln, ohne durch die Schule des Lebens zu gehen – in all den Details, die einem Menschen in allen möglichen Versuchungen begegnen können. Über all dieses errang er den Sieg, er hat standgehalten und alles überwunden. Er wandelte weiterhin mit Gott und wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn hinwegnahm.

Noah war ein gerechter Mann und untadelig unter seinen Zeitgenossen. Noah wandelte mit Gott. 1. Mos. 6, 9. Auf Gottes Befehl hin baute er die Arche und in all den Jahren, in denen er an dieser baute, verkündigte er mit Worten wie auch mit Werken Gericht über die Gottlosen. Aber es brauchte Zeit, diese langfristige Arbeit durchzuführen, und die Sintflut ließ auf sich warten. Die Gottlosen hatten reichlich Gelegenheit zu spotten und all ihre Galle auszuspeien. Selbst diejenigen, die mithalfen, Baumstämme herbeizuschaffen, an der Arche arbeiteten und wahrscheinlich Tagelöhner waren, ließen immer wieder spöttische Bemerkungen fallen, besonders wenn sie den klaren Himmel sahen und alles seinen gewohnten Gang ging. Während all diesem wandelte Noah mit Gott. Er stand im Bund mit dem Gott der Geduld. 1. Mos. 6, 18. Hat er da nicht einen göttlichen Sieg über die gesamte damalige Welt errungen? Ein wenig Ungeduld hätte das Ganze zerstört.

Josef wurde von seinen Brüdern gehasst, als er ihnen seine beiden Träume erzählte:

1) Siehe, wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand, aber eure Garben stellten sich ringsumher und neigten sich vor meiner Garbe. Da sprachen seine Brüder zu ihm: Willst du unser König werden und über uns herrschen? Und sie wurden ihm noch mehr feind um seines Traumes und seiner Worte willen. Und er hatte noch einen zweiten Traum, den erzählte er seinen Brüdern und sprach:

2) Siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir.

Wegen all diesem wurden seine Brüder neidisch auf ihn. Aber sein Vater behielt diese Worte.

Diese beiden Träume waren für Josef in all seinen Trübsalen in den späteren Jahren wie lebendiges Wasser. Als er in den Brunnen geworfen worden war, verstand er aufgrund der Träume, dass nun die Leiden begannen, die ihn zu der Macht führen sollten, die Gott verheißen hatte. Als er an die midianitischen Kaufleute verkauft wurde und auf dem Weg nach Ägypten litt, erinnerte er sich an die Träume und war geduldig. Im Haus Potifars bekam Josef eine Vorahnung auf die kommende Herrlichkeit, als er über dessen ganzes Haus gesetzt wurde. Doch Josef kannte Gott und verstand: sollte er die in den Träumen verheißene Würde bekommen, dann musste dies auf dem Weg der Reinheit und Gottesfurcht geschehen. Als die Frau Potifars ihn versuchte, lief er daher von der Herrlichkeit weg, die er in dem Haus Potifars vorübergehend gehabt hatte, weil mitten in dieser Satan selbst war. Er wurde ins Gefängnis geworfen, doch er wartete geduldig auf die Stunde des Herrn. Der Gefängnisvorsteher tat alle Gefangenen unter Josefs Hände und kümmerte sich um nichts, was unter seinen Händen war, denn der Herr war mit Josef und alles, was er tat, ließ der Herr in seiner Hand glücken. All dieses Glück mitten im Unglück war vom Herrn und gab ihm zu verstehen, dass die Träume immer noch Bestand hatten, die er zuhause bei seinem Vater und seinen Brüdern gehabt hatte. Geduldig durchlebte er all diese Erniedrigung, um dann schließlich vor Pharao geführt zu werden – um dessen Träume zu entschlüsseln und zu deuten, als alle Wahrsager und Weisen machtlos dastanden. Mit einem Schlag wurde er für ganz Ägypten zum Obersten nach Pharao gemacht. Das Bemerkenswerte ist, dass die Träume Pharaos in Harmonie und im Zusammenhang standen mit Josefs eigenen Träumen, die er als junger Knabe hatte. Nun machte er sich ganz Ägypten untertan und kaufte alles Korn. Und als die Hungersnot kam, verkaufte er es, bis sie sich selbst an Pharao als Knechte verkauften. Währenddessen lebte Josef in ständiger Erinnerung an seine Träume in der Jugendzeit. Und er wartete geduldig auf den Tag, an dem der Hunger seine Brüder vor sein Angesicht treiben würde und sie sich vor ihm verneigen würden. Dies war kein stolzer Ehrgeiz, sondern er wartete auf die Erfüllung einer göttlichen Offenbarung. Und als er geduldig gewartet hatte, kam die Stunde, dass seine Brüder kamen, um Getreide zu kaufen, und er bat sie herein und sie verneigten sich und fielen vor ihm nieder. 1. Mos. 43, 27. Doch Josef war kein brutaler Herrscher, der sich rächen wollte. Er wurde vom Gott der Geduld geleitet und verstand, dass er auf verwunderlichen Wegen geführt worden war, um ein ganzes Volk am Leben zu erhalten. Doch Josef war ein Diener des Herrn und gab sich nicht zu erkennen, bevor nicht Juda als Vertreter des ganzen Geschlechts ausführlich über sich selbst und die ganze Familie berichtet hatte und selbst in den Riss trat, um Benjamin zu befreien, damit ihr alter Vater nicht vor Gram ins Grab käme. Nun konnte Josef nicht länger an sich halten. Er schickte alle Fremden hinaus und brach in lautes Weinen aus, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab.

Josef wandelte mit Gott und wurde durch seine Beharrlichkeit und Geduld zum Retter seines ganzen Geschlechtes.

Die Ungeduld Kains machte ihn zum Brudermörder. Esau hatte keine Zeit zu warten. Die roten Linsen hatten es ihm angetan, und er verkaufte sein Erstgeburtsrecht. Die Brüder Josefs waren ungeduldig mit Josef und wurden seine Knechte.

Die Ungeduld des Volks trieb Mose dazu, den Felsen zu schlagen, anstatt zu ihm zu reden. Das hatte zur Folge, dass Mose nicht in das verheißene Land kam. David, der ja ansonsten ein Mann nach dem Herzen Gottes war, wurde ungeduldig in seiner Versuchung und sündigte gegen die Frau Urias. Die meisten Könige Israels waren ungeduldig, wenn es darum ging, dem Herrn zu dienen und wandten sich den fleischlichen Lüsten und den Götzen zu. Dadurch zerstörten sie sowohl sich selbst als auch das Volk.

Glaube und Geduld gehen Hand in Hand. Um der vor ihm liegenden Herrlichkeit willen litt Jesus geduldig. Geduld führt zu Ruhe in Gott und zu vollkommenem Werk. Ungeduld ist Hochmut, man greift in die Geduld Gottes ein und vergisst seine eigenen Sünden.

Der Gemeindeengel in Philadelphia bekam ein gutes Zeugnis, weil er das Wort Gottes von der Geduld bewahrt hatte. Darum erhielt er auch die Verheißung, bewahrt zu werden vor der Stunde der Versuchung, die kommen würde über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen. Offb. 3, 10.

Wenn wir nun verstehen, dass es sich lohnt, geduldig zu sein, und dass es uns zur ewigen Herrschaft mit Christus führt, so lasst uns uns in Geduld üben.

Wie unvergleichlich groß ist doch die Geduld Gottes, seine Sonne aufgehen zu lassen über Böse und Gute! Menschen, die Tag und Nacht zur Sünde benützen – in direktem Gegensatz zu Gottes Gesetzen –, sättigt er mit Gutem. Gottlose Vergnügungsstätten, wo man Gottes Weisheit durch alle möglichen Übertretungen verhöhnt, ebenso falsche Religionen, Verfolgung der Heiligen – alles sieht er sich geduldig mit an und erträgt es. Tag und Nacht sind seine Arme offen für ein widerspenstiges Volk. Wie dankbar können wir doch sein, dass Gott mit uns Geduld hatte in unserer ganzen Unwissenheit, unserem Unglauben und unserer Verkehrtheit. Sogar jetzt, nachdem wir zum Glauben gekommen sind: Wieviel Mangel an Weisheit muss er doch ertragen und wieviel Dummheit muss er doch mit ansehen, selbst bei den Gottesfürchtigsten.

Ja, wir haben allen Grund dazu, uns in Geduld zu üben.