Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Brief an Edvin Bekkevold - 1928.08.14

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931
Horten, den 14. 8. 1928
Lieber Bruder Edvin Bekkevold,
Friede.

Herzlichen Dank für deinen Brief vom 12. dieses Monats, den ich heute erhielt. Danke auch für das Zusammensein während des Urlaubs.

Es war gut, dass du Hansens in der Rostedsgate 12 besucht hast. Vielleicht konnten die Töchter von Frau Hansen durch diesen Besuch ihre Mutter besser kennenlernen. Auch du selbst wirst dich ja erleichterter und freier fühlen, nachdem du getan hast, was getan werden konnte.

Der unbekehrte Mann, von dem du berichtest, der letzten Donnerstag nach der Versammlung im Birkelund zu dir kam, ist offensichtlich von den Fesseln seiner Sünden gebunden. Aber er will sich nicht bekehren. Er will nur die Fesseln loswerden, um weiterzuleben. Lies 1. Kor. 5, 9 bis ans Ende des Kapitels. Beachte Vers 12 und 13. Unter Gottlosen zu richten, steht uns nicht zu. Sie sind draußen, und die draußen sind, wird Gott richten. Wenn man aber einem Blinden auf der Straße begegnet und er nach dem Weg fragt, dann soll man ihm ja antworten und ihn auf den richtigen Weg leiten. Denn die Schrift gebietet, einem Blinden keinen Anstoß in den Weg zu legen. Du wirst wohl diesem Mann einen Rat geben können, falls er ihn befolgen will.

Man könnte etwas in dieser Art sagen:

1) Er ist mit Fesseln der Sünde gebunden und niemand anders als Gott kann ihn befreien – durch das Blut, das auf Golgatha floss. Er muss diese Erlösung annehmen.

2) Die erste Verlobte hat sich ihm gegenüber als treulos erwiesen, wenn es wahr ist, was er sagt. Außerdem ist sie nun verheiratet. Aus beiden Gründen, vor allem aus letzterem, muss er sich unweigerlich von ihr fernhalten. Dass er Liebe zu ihr hat und sie nun zu ihm, sind nur Träumereien des Fleisches. Man sucht im anderen Geschlecht und in der Sünde ein Heilmittel für seine Seelenqualen. Aber auf diese Weise werden die Qualen vermehrt.

3) Mit der letzten Verlobten hat er in der Verlobungszeit ehelichen Verkehr gehabt. Ehelicher Verkehr unter Verlobten ist nicht dasselbe wie gewöhnliche Hurerei. Man bindet sich durch einen Bund des Fleisches (ehelichen Verkehr) fest aneinander. Es ist daher dasselbe, als wäre man verheiratet. Zwar fehlt die äußere Form, aber die Wirklichkeit, die mehr wiegt als die Form, ist vorhanden. Und er kann nun die Letztere nicht verlassen, ohne eine weitere Sünde auf sein Gewissen zu bekommen.

Dass er mehr Liebe zu der ersten hat, kann gekränkter Stolz sein und dass er noch „Geschmack an erneuter Sünde“ findet. Aber was haben wir damit zu tun, diejenigen zu richten, die draußen sind? Ich schreibe dies alles um deinetwillen – und nicht deshalb, dass du nochmals in seinen Angelegenheiten richten sollst. Man kann den Gottlosen nämlich nicht richten, weil er lügt und weil er keine Kraft hat, den Rat zu befolgen, den man ihm gibt. Daher solltest du ihm, wenn er wiederkommt, den Hauptinhalt hiervon sagen.

Grüße die Geschwister.

Liebe Grüße von deinem Br.

J. O. Smith