Pfingstkonferenz 1928 in Horten
J. O. S. Als Allererstes brauchen wir Vergebung für unsere Sünde. Doch damit nicht genug, es ist notwendig, dass wir mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. Und auch das ist nicht genug. Es ist notwendig, dass wir hören, was der Geist der Gemeinde sagt. Wir müssen in all unserem Tun und Lassen auf den Geist Gottes hören. Es gibt eine Sache, die in unseren Tagen unter dem Volk Gottes dringend nötig ist, und das ist „der Geist der Weisheit und der Offenbarung“, um Gott zu erkennen. Eph. 1, 17. Durch diesen Geist kann ein Mensch in aller Stille leiten und lenken. Die Weisheit ist geschaffen, um zu leiten, und sie kann nicht anders; weil sie alles durchdringt, was verborgen ist. Denn es wohnt in ihr ein Geist, der verständig ist, heilig, einzigartig, vielfältig, fein, behände, durchdringend, rein, klar, unversehrt, freundlich, scharfsinnig, ungehindert, wohltätig, menschenfreundlich, beständig, gewiss, ohne Sorge; sie vermag alles, sieht alles und durchdringt selbst alle Geister, die verständig, lauter und sehr fein sind. Denn die Weisheit ist regsamer als alles, was sich regt. Sie geht und dringt durch alles, so rein ist sie. Die Weisheit gibt überall Zugang. Sie ist ein Abglanz des ewigen Lichtes. Christus ist Gottes Weisheit. Die Bedingung dafür, Weisheit zu bekommen, ist, dass man ein gekreuzigtes Leben lebt. Die Sünde darf keinen Eingang finden. Wenn die Sünde hinauskommt, kommt die Weisheit herein. Sie muss jetzt in diesem Leben hereinkommen. Es steht geschrieben: „Die zwei werden ein Fleisch sein.“ Dieses eine Fleisch ist gekreuzigt und es erleidet den Tod. Doch wir sind Glieder seines Leibes und erfahren die Gemeinschaft mit ihm in seinen Leiden und werden so seinem Tod gleichgestaltet. Phil. 3, 10. Das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, und Gott sandte seinen Sohn und verdammte die Sünde im Fleisch. Er verdammte nicht den Menschen, sondern die Sünde im Fleisch. Er verdammte nicht einmal das Fleisch; denn das Fleisch Christi ruhte in Hoffnung. Daher sollen wir uns der Sünde für gestorben halten, aber lebendig für Gott. Bist du mit Christus gekreuzigt und achtest du dich der Sünde für gestorben, dann bist du ein Fleisch mit Christus, und dann bist du seine Braut. Unsere Arbeit hat zum Ziel, Christus eine reine Jungfrau zuzuführen. Daher versuchen wir nicht, Menschen zu unserer eigenen Person zu ziehen, sondern zu Christus, der das Haupt der Gemeinde ist. Du sollst das Haupt fragen, nicht die Glieder, wenn Schwierigkeiten bevorstehen. Sich von Menschen abhängig zu machen, ist Engelsanbetung. Das ist nicht göttlich; denn dann hält man Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom Herrn. Sei frei und selbstständig. Lass alles im Heiligen Geist geschehen. Tu, was du willst, aber tu es im Herrn.
J. O. S. 1. Tim. 2, 5. Der Mensch Jesus Christus ist unser Mittler. Gott ist ohne Begrenzung. Wir können ihn und alle seine Werke im Universum nicht fassen. Daher musste er uns einen Menschen als Mittler geben. Dieser Mensch war vom Vater von Ewigkeit her geboren. Er trug die Kräfte des ewigen Lebens in sich, doch war er gleichzeitig der Sohn Davids und der Sohn der Jungfrau Maria, er war der „Menschensohn“. Er wurde offenbart im Fleisch. In diesem Fleisch wurde er versucht und er litt, wenn er versucht wurde. Doch er widerstand der Sünde in all ihren Formen und errang vollkommenen Sieg über sie, obwohl er sich im Fleisch befand. Und es steht ja geschrieben, dass das Fleisch schwach ist. Gott verdammte die Sünde im Fleisch. Röm. 8, 3. Als Gottes Mittler kann Christus uns nun ganz bis zum Vater hinführen. Der Mittler ist nicht nur für einen, sondern für alle. Auf welcher Stufe in Christus wir auch stehen, ist er ein Weg und Mittler für uns.
Warum ist es schwierig, „Christus geoffenbart im Fleisch“ zu verstehen? Darum, weil man nicht in allen Dingen zuallererst nach dem Reich Gottes trachtet. Das Volk Gottes ist in der Regel mit allem anderen beschäftigt. In der Regel sinnen sie nicht Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nach und wandeln nicht auf dem Weg, daher wird ihnen der Weg durch das Fleisch auch nicht offenbart. Man sagt, dass Jesus wie Adam vor dem Fall war. Man sollte wohl begreifen können, dass es Adam nach dem Fall war, der einen Erlöser benötigte. Dann glauben einige, dass Jesus eine Engelnatur hatte. Doch die Schrift sagt, dass er sich nicht der Engel annimmt, sondern der Kinder Abrahams. Hebr. 2, 16.
Wie weit wir auch auf dem Weg kommen, so ist doch Jesus vor uns. Der neue und lebendige Weg geht durch den Vorhang, sein Fleisch. Wenn dieser Weg verborgen ist, dann deshalb, weil der Vorhang ihn verbirgt. Fange an, dich vom Geist treiben zu lassen, dann wirst du durch den Vorhang hindurchdringen. Jesus musste in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden. Die Kinder hatten Fleisch und Blut, daher musste er gleichermaßen dessen teilhaftig werden. Hebr. 2. Doch was die Prüfungen betrifft, so ist er versucht worden in allem wie wir, doch ohne Sünde. Das heißt, er hat alle seine Prüfungen bestanden, ohne zu sündigen, was kein anderer Mensch geschafft hat.
Ist dies schwierig zu verstehen? Falls du es nicht verstehst, ist es darum verkehrt? Oder bist du ein Maßstab dafür, was in der Schrift wahr oder unwahr ist? Sein Fleisch sah nicht die Verwesung. Es ruhte in Hoffnung. Gott erweckte ihn von den Toten, und dadurch kam einer, der aus dem Geschlecht Davids war und der in Ewigkeit auf dem Thron Israels sitzen sollte, aus dem Rachen des Todes frei. Apg. 2. David prophezeite im Voraus von der Auferstehung des Messias, denn dessen Fleisch sah nicht die Verwesung. Denn Satan hatte keinen Anteil an ihm, und er konnte um den Leib Jesu nicht rechten, wie er es um den Leib Mose getan hatte. Halleluja! Er sitzt zur Rechten des Vaters und ist unser Hohepriester und Fürsprecher. Christus ist auferstanden, und unser Glaube ist nicht vergeblich. Seinen Leib, den er vom Menschengeschlecht geerbt hatte, nahm er aus dem Totenreich mit herauf. Eben deshalb wird er „der Menschensohn“ genannt.
