Wann erwacht der Pharao?
„Und nach zwei Jahren hatte der Pharao einen Traum, er stünde am Nil und sähe aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase.
Nach diesen sah er andere sieben Kühe aus dem Wasser aufsteigen; die waren hässlich und mager und traten neben die Kühe am Ufer des Nils.
Und die hässlichen und mageren fraßen die sieben schönen, fetten Kühe. Da erwachte der Pharao.“ 1. Mos. 41, 1-4.
Zur Zeit Jesu waren die Pharisäer und die Schriftgelehrten schöne Kühe in den Augen der Menschen und nicht zuletzt in den Augen Pharaos (böse Geistesmächte). Jesus hatte keine Gestalt, die uns gefallen hätte, auch seine Jünger nicht. Sie waren wie hässliche und magere Kühe. Die katholische Kirche und die Staatskirchen sind wohl auch schöne, fette Kühe, die mit Verachtung auf die mageren Kühe herabsehen, auf die „Ketzer“ und „Sektierer“. Der Pharao freut sich bei all dem, und er schläft und träumt weiter. Als aber dann die sieben mageren und hässlichen Kühe die sieben schönen, fetten Kühe auffressen, da erwacht der Pharao. Dies wiederholt sich in der Christenheit durch alle Jahre. Wenn Gott eine Erweckung schickt, dann steigen sofort sieben schöne, fette Kühe aus dem Wasser. Sie prassen in der Gnade Gottes und werden mächtig und reich.
Sie sehen verächtlich auf die sieben mageren Kühe herab, die achthaben auf das Wort von der Geduld, von der Genügsamkeit und vom Gehorsam usw. Das ist alles zusammen Knechtschaft für die fetten Kühe. Doch dann geschieht es eines schönen Tages, wenn die Stunde Gottes schlägt, dass die hässlichen und mageren Kühe, vor denen man strengstens gewarnt hat, die sieben schönen, fetten Kühe auffressen. Doch dann erwacht auch der Pharao. Merkwürdig, dass er nicht weiterschläft. Vielleicht steht für ihn viel auf dem Spiel.
Auch in unseren Tagen sind die sieben fetten und schönen Kühe an ihr Ende gekommen. Es gibt kein Gras mehr am Fluss und die Krippe ist leer. Jetzt ist guter Rat teuer. Die mageren Kühe haben sich an Abmagerungskuren gewöhnt, darum fällt es ihnen nicht so schwer. Sie haben Ermahnung angenommen und sich rechtzeitig warnen lassen. Sie haben in ihren Kannen Öl gesammelt. Wenn Gott seine Gnade zurückzieht, dann wird es knapp auf der ganzen Linie, sowohl für die fetten als auch für die mageren Kühe. Dann ist es wichtig, dass man in den guten Zeiten nicht geprasst hat, sodass man in den schlechten Zeiten nichts hat.
Der Reiche rühme sich darum nicht seines Reichtums, denn um die nächste Ecke stehen die Armen bereit, seine Güter zu verzehren. Wer in geistlicher Hinsicht begabt und hoch angesehen ist, rühme sich nicht wider den weniger Begabten. Für jeden gilt es, die Gnade nicht vergeblich werden zu lassen.
Genauso wie die Katholiken das Wort „Ketzer“ verwenden, so benützt unsere Staatskirche das Wort „Sekte“, wenn sich jemand dafür entscheidet, Gott außerhalb der Staatskirche zu dienen. Ist Gott etwa von der Staatskirche abhängig? Oder ist er von irgendeiner anderen Parteiung abhängig? Sind es nicht die Menschen, die Gott liebt, und für die Jesus Christus gestorben ist? Er ist wohl nicht für Institutionen und Menschenwerk gestorben. Daher weg mit all dem dummen Gerede von „Ketzerei“ und „Sektiererei“. Dies zeigt nur, dass der Betreffende, der von solchen Dingen redet oder schreibt, selbst ketzerisch und sektiererisch ist. Lasst die Liebe herrschen, dann liebt man die Menschen um ihrer selbst willen. Gott tut das jedenfalls. Wenn wir dasselbe tun könnten, dann würde einiges von seiner Gesinnung durch uns strömen.
Glaubt aber jemand von sich, er wäre schön, fett und glänzend, dann denke er daran, dass sieben hässliche magere Kühe bereitstehen, um ihn aufzufressen. Dies ist von Gott selbst verordnet, und es nützt nichts, wenn der Pharao aufwacht und protestiert.
Wer hat in unseren Tagen eine hohe Meinung von den Pharisäern und Schriftgelehrten? Ob nicht die mageren Kühe von damals sie aufgefressen haben, denn man ehrt ja Jesus und die Apostel mehr als sie.
Vor ca. 100 Jahren lebte eine dieser mageren Kühe hier im Land, Hans Nilsen Hauge. Die fetten Kühe versuchten zwar, ihn aufzufressen, aber wo sind sie heute? Ob nicht Hans Nilsen Hauge sie aufgefressen hat, sodass von ihnen nur die Schande übrig ist, während Hauge selbst wie eine kleine Sonne leuchtet.
Sieh zu, dass du dich selbst nicht unter den fetten, glänzenden Kühen befindest und dann die mageren und hässlichen verachtest. Sonst könntest du selbst zu dem dunklen Hintergrund werden, der ihr Licht umso kräftiger erstrahlen lässt.
Denn es gibt nichts Neues unter der Sonne.
