Wer will in die Bresche treten?
„Ich suchte unter ihnen, ob jemand eine Mauer ziehen und in die Bresche vor mir treten würde für das Land, damit ich’s nicht vernichten müsste; aber ich fand keinen.“ Hes. 22, 30.
Immer, wenn viele von Gott abfielen, suchte Gott nach einem Mann, der in die Bresche treten konnte. Wenn Propheten, Priester, Hirten und Fürsten sich ihrem eigenen Gewinn zuwandten, wurden Wahrheit und Recht im Stich gelassen. Wer war dann bereit, in die Bresche zu treten, sodass der Zerstörer das Volk nicht verderben würde? Doch beachte, dass der Mann, der in die Bresche treten sollte, zunächst eine Mauer ziehen musste. Er musste eine Mauer aus Wahrheit und Recht in seinem eigenen Leben ziehen, bevor er für andere in die Bresche treten konnte. Was ist also „die Bresche“? Das ist eben die Kluft, das Tor oder die Öffnung, durch die Satan ungehindert seine zerstörerischen Geistesmächte schickt, um die Versammlungen Gottes zu verwüsten. Das ist das Tor, durch das jeder ungehindert und ohne den geringsten Widerspruch das Seine suchen kann. Wer in diese Bresche treten will, bekommt Priester, Prophet, Hirte und Volk gegen sich. Abraham trat in die Bresche, damit Lot verschont wurde. Josef trat für seine Brüder in die Bresche, um ein ganzes Volk am Leben zu erhalten. Mose trat für Israel in die Bresche gegen Pharao und ganz Ägypten. Josua und Kaleb traten für Israel in die Bresche – und wurden die zwei einzigen, die von ihrer Generation ins Land kamen. David trat gegen Goliath in die Bresche, der die Schlachtreihen Gottes verspottete. Jeremia trat in die Bresche, als Israel nach Babel verschleppt wurde. Daniel trat in die Bresche, als er dreimal am Tag sein Fenster in Richtung Jerusalem öffnete und – trotz des Königs Verbot – zu Jehova betete. Johannes der Täufer trat in die Bresche gegen das Otterngezücht seiner Zeit, das zu ihm kam, um dem zukünftigen Zorn zu entrinnen. Jesus trat in die Bresche für eine ganze Welt, die durch ihn errettet werden kann – wenn sie nur wollten! Seit jenen Tagen hat Gott in Zeiten des Abfallens nach einem Mann gesucht, der in die Bresche treten konnte, und er hat im Mittelalter und in jüngerer Zeit Männer und Frauen gefunden, die willig dazu waren.
Sie alle wurden von ihren Zeitgenossen verspottet, allermeist aber von den Religiösen ihrer Zeit. Alle mussten zuerst eine Mauer ziehen, und gegen diese Mauer hat man dann seine schwersten Geschütze und seine kräftigsten Urteile und Anschuldigungen gerichtet.
Die Pfarrer machen in der Regel keinen Unterschied zwischen heilig und unheilig, sie lehren das Volk nicht, zwischen rein und unrein zu unterscheiden. Sie schlafen in ihrem gepolsterten Bett und erheben ihren Lohn. Die Menschen werden wie Tiere von bösen Geistesmächten nach dem Lauf dieser Welt getrieben, und die Priester treiben in dieselbe Richtung. Man lebt wie in den Tagen Noahs, man heiratet und verheiratet, lässt sich scheiden und heiratet dann auch gleich wieder. Und dies wird zugelassen, wodurch die Ehen zerrüttet werden und die Kinder leiden. Die Bosheit ist groß auf Erden. Wer will in die Bresche treten gegen das Böse, das derart um sich greift? Es erscheint zwar der eine oder andere Protestartikel, doch die Kraft, die einen Mann auszeichnet, der in der Bresche steht, fehlt. Der Sport ist in Abgötterei ausgeartet, sodass in Amerika jährlich etwa 7000 junge Männer in Folge von sportbedingten Gesundheitsschäden sterben. Sollte jemand in einer Versammlung während einer Erweckung ein bisschen lauter rufen als gewöhnlich, dann sind die Zeitungen zur Stelle und wollen alles in gesündere Bahnen lenken. Doch nie habe ich gesehen, dass die Zeitungen die Gottlosigkeit, die Leib und Seele kostet, weghaben wollen. Wir haben haufenweise Priester für das Volk, aber wer wagt es, in die Bresche zu treten? Wer hat seine eigene Glaubensmauer in Ordnung? Alle schweigen, sie sind wie stumme Hunde, die nicht bellen können.
In Gottes Versammlungen ist nicht der Wandel in Gottes Licht Gegenstand und Grundlage für Gemeinschaft. Die Mitgliederzahl und die Einnahmen sind das Wichtigste. Das ist es, was die Pfründe „fett“ macht. Wahre Gottesfurcht ist fast ein Hindernis in diesem religiösen Geschäftsleben, in dem es am besten ist, dass die Mitglieder für alles, was vor sich geht, so blind wie möglich sind. Wer wagt es, hier in die Bresche zu treten? Ob nicht so jemand auch heute noch mit überwältigender Mehrheit ausgestoßen werden würde? Die Kraft und der Saft, die die Gemeinden in Christus Jesus haben sollten, liegt jetzt in den Finanzen und im gemütlichen und kameradschaftlichen Zusammensein. Wehe dem, der diese Idylle durch wahre Gottesfurcht stört! Abendunterhaltungen mit religiösem Schein, zu denen sogar gottlose Menschen eingeladen werden, um ihre Schau abzuziehen, sind gute Nahrung für die fleischlichen Christen unserer Zeit. Das Wort vom Kreuz würde in all dieser Behaglichkeit wie eine Bombe vom Himmel wirken, und man würde sicher im Chor heulen: Hinaus mit diesem Unruhestifter, hinaus mit Jesus Christus, hinaus mit den Aposteln! Ja, so wird es, selbst wenn man es nicht so meinte. Wer erhält dann Zugang? All jene, die Friede, Friede sagen, alle falschen Apostel, Hirten und Lehrer – alle Schmeichler, auch wenn sie offensichtlich gottlos sind. Für solche hat man Feste und Annehmlichkeiten. Wer will vor dieser eingerissenen Mauer in die Bresche treten? Man könnte meinen, dass er (Jesus Christus), der eine ganze Ewigkeit reich an Herrlichkeit machen kann, es nicht vermag, eine kurze Abendstunde mit Inhalt zu füllen. Wer ist daran schuld, Jesus oder diejenigen, die seine Diener sein sollten? Oder ist es so, dass das Christentum unserer Zeit nach Babel hinweggeführt ist, da es nicht geheilt werden kann?
Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller. Einerlei Meinung, ein Leib, eine Gemeinschaft. Wo findet man das? Am Kreuz! Am Kreuz!
Ans Kreuz mit Abendunterhaltungen, vielen Meinungen, mit der Gemütlichkeit und den Finanzen. Erst dann können wir Christus als Herrn in unseren Herzen heiligen, sodass wir zu einem Glauben und einer Hoffnung kommen. Gott hat niemanden dazu berufen, einen Priesterdienst für den alten Menschen zu versehen. Röm. 6, 6. Dieser soll weder unterhalten noch angeregt werden; er soll mit Christus gekreuzigt werden, sodass uns die Herrlichkeiten, die Jesus Christus auf Lager hat, im Geist geschenkt werden können und nicht als eine Herrlichkeit für das Fleisch, wie man nun denkt und sich bemüht, es hinzubekommen. Denn wir urteilen so, dass, wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Aber die Toten brauchen keine Unterhaltung, sondern Leben. Das brauchte Lazarus, und die Toten unserer Zeit sind wohl nicht besser als er…?
Aber man weiß ja so viel, und deshalb muss man wohl Recht haben? Salomo betete nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um Weisheit, um sein großes Volk zu regieren. Wissenschaft kann man für Geld kaufen, und Wissenschaftler lassen sich für Lohn anstellen, aber Weisheit bekommt man nicht um Gold. Jakobus weist diejenigen, denen es an Weisheit mangelt, zu Gott hin, der gern und ohne Vorwurf gibt. Die drei aus dem Morgenland, die dem Stern folgten und Jesus fanden, waren alle Weise. Sie waren Männer, die Offenbarungen von Gott empfangen konnten. Als Weise fanden sie den Weg und nicht als Astronomen und Wissenschaftler.
Es gibt viele Lücken in der Mauer. Wer will sich in eine dieser Öffnungen stellen und jemand werden, der die Lücken zumauert? Wer ist tüchtig dazu, sowohl Schwert als auch Maurerkelle zu gebrauchen? Lasst uns von Neh. 4, 15 lernen. Dies ist in der Kraft der Auferstehung nicht so schwierig; denn in dieser Kraft ist der alte Mensch schon besiegt.
