Was verfolgst du mich?
Die Juden erwarteten einen Messias, der groß und mächtig war – einen Fürsten, der sie von allen ihren Feinden befreien konnte. Sie wurden darum sehr ärgerlich darüber, dass der Messias in solch einer Armut und Schwachheit kam. Sie sahen zwar alle seine Werke, aber weil er kein Ansehen hatte, fanden sie keinen Gefallen an ihm. Im Gegenteil, sie hassten ihn und kreuzigten ihn.
In unseren Tagen erleben wir genau dasselbe wieder. Prediger, die sich nach Luther, Wesley und Booth benennen, Pfingstler von A und Geschwister von B rasen gegen Christus geoffenbart im Fleisch. Sie erwarten ihn als einen großen Fürsten und können ihn nicht im Fleisch geoffenbart erkennen. Jedoch sagte die himmlische Erscheinung zu Saulus von Tarsus: „Was verfolgst du mich?“ Jetzt verfolgen diese großen Herren ihn in ihrer Blindheit, indem sie immer wieder, sowohl öffentlich als auch im Verborgenen, vor „Christus geoffenbart im Fleisch“ warnen. Sie warnen vor den Geheimnissen der Gottesfurcht, während sie sich selber gottlose Menschen in ihre Säle holen, um sich von deren Gesang und Musik unterhalten zu lassen. Sie zanken untereinander, aber sie werden sich wie Herodes und Pilatus schön darüber einig, jeden zu verfolgen, der sich erdreistet, seinen Leib als ein Gott wohlgefälliges Opfer hinzugeben. Trotzdem hört man immer wieder die alte Geschichte: Hätten wir zur Zeit unserer Väter gelebt, hätten wir Jesus nicht verfolgt. Aber jetzt verfolgen sie ihn trotzdem mit Worten und Taten, indem sie überall vor ihm warnen und ihn verspotten, wo er im Fleisch geoffenbart wird. Wie ihre Väter warten sie immer noch nur darauf, ihn als einen großen Fürsten zu sehen. Sie können ihn in der Erniedrigung als Opferlamm nicht ertragen. Immer noch töten sie die Propheten und bauen ihnen Grabmäler und meinen immer noch, Gott damit einen Dienst zu tun. Die religiösen Zeitschriften wetteifern in schöner Einigkeit darum, zu spotten und zu verlästern, wo immer Christus im Fleisch geoffenbart wird. All dies beweist, wie groß die Finsternis ist. Im Willen Gottes zu leben, ist immer noch ein Geheimnis, das weiterhin Opfer fordert, und dieses Opfer wird weiterhin verachtet. Man kennt Jesus nur als den Sohn Gottes und verwirft ihn als Menschensohn. Aber genau als Menschensohn musste er für uns leiden. Jeder, der durch Gehorsam mit Jesus in der Gemeinschaft seiner Leiden vereint wird, wird weiterhin als gefährliche Person, als Irrlehrer und Verführer betrachtet. Doch es werden Tage kommen, in denen sie eben diese Verachteten die Herrlichkeit mit Christus teilen sehen. Ob sie wohl dann noch ihre eigene Lehre preisen werden, in der weder Opfer noch Blut gefordert wurde? Die Christen unserer Zeit gleichen ihren Brüdern, den Pharisäern. Sie rühmen sich des Geistes, des Feuers, des Holzes und des Messers; nur muss man fragen: „Wo ist das Opfer?“ Dann sagt man: „Jesus ist doch das Opfer.“ Ja, das ist das Opfer für dich; aber wo ist dein Opfer in ihm, wo ist deine Nachfolge? Wir bemerken den Überfluss an Worten, vermissen aber die Kraft.
