Seele und Geist
Wie der seelische Mensch geistlich wird
Aber wie – müssen wir fragen – kann der Gläubige von dem „seelischen“ Zustand wegkommen, sodass er ein aktiver und „geistlicher“ Mensch wird? „Der Geistliche“ ist ein Mensch, der unter seinen Mitwanderern als einer bekannt ist, in dem der Geist die Leitung hat, schreibt Fausset. Und mit diesem „Treiben des Geistes“ ist nicht gemeint, dass Gottes Geist nur das Fleisch oder den seelischen Menschen beherrscht, sondern der wiedergeborene Menschengeist ist stärker gemacht als Seele und Leib, sodass er über beide herrscht, weil er vom innewohnenden Geist Gottes gestärkt ist, entsprechend dem Gebet des Paulus für die Epheser, dass sie durch seinen Geist stark würden am inwendigen Menschen.
Ein „geistlicher Mann“ ist ein Mensch, der „nach dem Geist wandelt“ und dessen Sinn den Geist versteht. Der Geist des Menschen wird auf diese Weise mit dem Heiligen Geist zusammenarbeiten, sodass der lebensspendende Geist des zweiten Adams dazu kommt, dass er die Anlagen der Seele, d. h. Gesinnung, Vorstellungsvermögen, Überlegung und die Urteilskraft, freimacht und völlig beseelt. Die Glieder des Leibes (Röm. 8, 11) werden unter die Leitung des Geistes kommen, sodass Gott durch sie seinen vollkommenen und höchsten Willen offenbaren wird.
Damit dies geschehen kann, muss der Gläubige nicht allein die negative Seite von Gottes Teilung ergreifen, die in Hebr. 4, 12 genannt ist, die Scheidung der Seele vom Geist, sondern auch die positive Seite, die in 1. Thess. 5, 23 erwähnt ist, wo der Gott des Friedens das Ganze dadurch „heiligt“, dass er den Geist des Menschen in Besitz nimmt und durch diesen arbeitet, sodass Seele und Leib ihre jeweilige Funktion erfüllen.
„Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm“, schreibt der Apostel. 1. Kor. 6, 17. Wenn wir also dem Gesetz durch den Leib Christi getötet sind, dann darum, dass wir einem anderen angehören sollen, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist. Röm. 7, 4. Hier sehen wir deutlich die Vereinigung mit Christus im Geist, die die Absicht – oder das Resultat – des Kreuzes ist. Diese Vereinigung mit dem auferstandenen und aufgefahrenen Herrn kann also im Geist vor sich gehen und kommt erst zustande, wenn der Geist des Gläubigen von der Hülle der Seele freigemacht (geschieden) ist. Denn – wie Stockmayer anmerkt – kann vom auferstandenen Herrn nicht gesagt werden, dass er der Bräutigam der Seele sei; denn die Seele, die Persönlichkeit des Menschen, kann nur das Gefäß sein, durch das der Herr sein Leben offenbart, das vereint mit dem Geist des Gläubigen „Frucht für Gott“ hervorbringt.
Der „geistliche“ Mann ist darum ein Mensch, in dem das Wort Gottes Seele und Geist scheiden konnte, sodass der Geist von der Verflechtung mit der Seele befreit worden ist. Oder wie Bromley 1774 schreibt: „Der Geist des Menschen ist losgerissen und erhoben aus der Umarmung der Seele und ist mit dem Herrn im Wesen vereint worden – Geist mit Geist – ein Geist, sodass Seele und Leib von da an als notwendige Werkzeuge dienen müssen, um durch den Gläubigen das Leben des Herrn, seinen Willen und seine Liebe zum Ausdruck zu bringen.“
In diesem Licht werden die Gegensätze zwischen Werken „nach dem Fleisch“ und „Früchten des Geistes“, die in Galater 5, 18-24 erwähnt sind, überaus stark, und jeder wird davon ausgehend bei sich selbst richten können, inwieweit die Motive für seine Werke aus dem tierischen Seelenleben im ersten Adam oder vom Leben des Geistes im zweiten Adam stammen.
Die Gesetze für ein geistliches Leben
Es ist auf dieser Stufe von großer Bedeutung, dass der Gläubige die Gesetze des Geistes kennt, und weiß, wie er nach dem Geist wandeln soll, wenn er nicht die Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist verlieren und dadurch verführenden Geistern Satans Gelegenheit geben will, das wahre geistliche Leben nachzuahmen. Denn diese Geister dringen in die Sphäre der Seele ein, wo man deren Arbeit kaum als unecht erkennt, und man kann wieder in das Seelische hinuntergezogen werden.
Der geistliche Mensch, dessen Geist von der Seele freigemacht oder „geschieden“ ist, ist jemand, der nach dem Geist wandelt – oder vom Geist getrieben ist und nicht von seiner Seele oder seinem Leib. Aber dies bedeutet nicht, dass er nicht wieder im seelischen Leben gefangen werden kann, wenn er aufgrund von Unwissenheit das Gesetz des Geistes, durch das der Geist ihn treiben kann, verfehlt. Er muss durch Erfahrung lernen zu unterscheiden, was vom Geist, von der Seele oder vom Leib ist, wie er seinen Geist frei und offen für Gottes Geist halten kann und in welchem Zustand sein Geist unbedingt sein muss, um weiterhin mit dem Heiligen Geist zusammenarbeiten zu können. Er muss Angriffe von bösen Geistern bemerken und ihnen gerüstet gegenüberstehen können, wenn sie, verstellt als Engel des Lichts, scheinbar mit Gottes Geist zusammenarbeiten. Er muss sie dann aus seinem Geist aussondern können und sie in die Seele hinunterdrücken und weiter hinaus denselben Weg, den sie hereinkamen. Denn ihre Absicht ist, von der Seele aus der Arbeit von Gottes Geist im Geist des Menschen zu widerstehen, sodass dieser gelähmt und passiv wird.
Soll der Gläubige im Geist wandeln, muss er wissen, was vom Geist ist und was der Geist braucht, um nicht erstickt zu werden. Der Gläubige fühlt zum Beispiel, dass etwas Schweres seinen Geist drückt, aber er arbeitet weiter unter diesem Druck, ohne dass er sonderlich darauf achtgibt. Die Arbeit scheint hart zu sein, aber er gönnt sich keine Zeit zu untersuchen, was die Ursache sein kann, bis das Gewicht ganz unaushaltbar wird und er gezwungen wird, anzuhalten und zu ergründen, was im Weg ist – ob er selbst daran schuld ist, dass von Anfang an etwas Gelegenheit bekommen hat, an seinem Geist zu kleben. Er bringt diese „Bürde“ in einem kurzen Gebet vor Gott, wirft allen Druck des Feindes ab und ist wieder frei.
Er muss dazu kommen, dass er imstande ist, seinen Geist zu verstehen und sofort zu bemerken, wenn dieser nicht mehr mit dem Heiligen Geist zusammenarbeitet, und dann sofort alle Angriffe abwehren, die seinen Geist aus dem Gleichgewicht bringen und aus der Gemeinschaft mit Gott ziehen wollen.
Er muss merken, wenn sein Geist vom Gift böser Geister berührt wird durch das Einspritzen von z. B. Missmut, Verzagtheit, Bedrücktsein, Murren, Fehlersuchen, Anstoß, Bitterkeit, sich verletzt fühlen, Eifersucht, usw., was alles direkte Angriffe des Feindes auf den Geist des Menschen sind. Er muss allem Missmut, aller Bedrückung und allem Murren, die in seinen Geist eingespritzt sind, widerstehen, denn ein siegreiches Leben und ein befreiter Geist bedeuten Freude. Gal. 5, 22. Wenn diese oben erwähnten Dinge den Geist des Menschen berühren, dann sind dies keine offenbaren „Werke des Fleisches“, da ja der Gläubige ein Leben nach dem Geist kennt; aber diese Dinge können bald in die Sphäre des Fleisches hinuntergelangen, wenn sie nicht bemerkt werden und ihnen nicht mit scharfer Abwehr und Widerstand entgegengetreten wird.
Er muss erkennen, wann sein Geist die rechte Stellung einnimmt, sodass er durch diesen die Leitung über Seele und auch Leib haben kann. Und er muss verstehen, wenn sein Geist sich während kritischer Konflikte außer Gleichgewicht befindet, und wie er dann wieder eine richtige und zielbewusste Stellung einnehmen kann. Um besser zwischen den verschiedenen Zuständen des Geistes unterscheiden zu können, muss der Gläubige zwischen den drei verschiedenen Hauptstellungen des Menschengeistes unterscheiden können, nämlich:
Wenn ein Mensch nach dem Geist wandelt, und versteht, dass sein Geist in einer dieser Stellungen ist, dann weiß er, wie er ihn mit einem beruhigenden Willensakt „erheben“ und „kontrollieren“ kann, wenn er durch Übereilung aus der Stellung herausgezogen wurde oder von geistlichen Feinden in die Flucht getrieben wurde.
Der Geist kann mit dem elektrischen Licht verglichen werden. Wenn der Geist des Menschen in Kontakt mit dem Geist Gottes ist, ist er voll von Licht, aber außerhalb von ihm ist alles finster. Der Geist des Menschen ist elastisch. Wenn er gebunden, unter Druck oder beschwert ist, dann hört er sozusagen auf zu funktionieren oder Kraftquelle oder Ursprung des Lebens zu sein. Wenn ein Mensch sich bedrückt fühlt, dann sollte er herausfinden, was es ist, das ihn bedrückt. Wenn man ihn fragt: „Fühlst du Druck vom Leib?“, dann wird er wahrscheinlich Nein antworten, aber dass er innere Fesseln fühlt. Und was sind dann diese Fesseln oder dieser Druck? Ist es nicht der Geist, der gebunden oder unter Druck ist? Denn der Geist des Menschen kann zusammengepresst oder ausgeweitet werden, hinauf- und hinabgehen, an seinen Platz gehen oder diesen verlassen, gebunden oder frei sein.
Mit Licht über diese Dinge kann man selbst regulieren, da ja die Geister der Propheten den Propheten untertan sind. Man hat Macht bekommen, die Unruhe zu entfernen, wenn man erst weiß, was stört, und auf diese Weise kann man, wie in Hebr. 4, 3 erwähnt ist, durch Glauben „in die Ruhe eingehen“.
Die „vielen Möglichkeiten“ des Menschengeistes werden erst erkannt werden, wenn dieser durch seine Verbindung mit Christus durch Übung stark gemacht ist im Heiligen Geist, um der Macht der Finsternis zu widerstehen, die ja auch eine Macht der Unwissenheit ist. Unter der Leitung des Lichtes von Gottes Geist und unter der lebendig machenden Entwicklung des zweiten Adams, wird der Geist des Menschen dazu fortschreiten, dass er volle Kontrolle über Seele und Leib hat, indem Christus als Herr geheiligt ist im Herzen.
