Friede!
Danke für deinen lieben Brief vom 18. des Monats. Ich lege hier einen Brief von Frau Anna Kjærnet bei, den ich soeben bekommen habe. Du kannst daraus wirklich einen Kampf erkennen, von dem Schw. Ingeborg Stene angefochten wird. Sie ist nun bei Kjærnets und strickt. Wir hier in Ostnorwegen haben nichts gegen die Schwestern in Ålesund und dieser Brief zeugt überwiegend von Kampf. Aber du kannst selbst sehen, dass Schw. Kjærnet Schw. Ingeborg Stene schätzt. Wenn sie prophezeit, dass Wände und Dach einstürzen, wird das nicht unseren Frieden stören. Sie ist voll Eifer für Schw. G. W. Doch wir predigen nicht Menschen als Haupt, sondern Christus, der durch den Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren wurde, unter Pontius Pilatus gepeinigt wurde, starb und begraben wurde, von den Toten auferstand und zur Rechten des Vaters sitzt; von wo er wiederkommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. Einen anderen Jesus und ein anderes Haupt haben wir hier in Ostnorwegen nicht.
Ich habe ca. fünf Jahre lang mehr Kampf für Ålesund gehabt, als du ahnst. Ich habe sie mehr als irgendein anderer verteidigt. Zweimal haben sich die Geschwister in Ålesund endgültig von mir verabschiedet, aber ich habe die Hoffnung für sie noch nicht aufgegeben. Sie haben mich für in die Irre gegangen, schwach und nachgiebig gehalten, weil ich mich nicht wie der Papst in Rom über sie gesetzt habe und nicht mit Gewalt und Macht andere Meinungen unterdrückt habe. Beachte, wie Gottes Geist durch Überzeugen arbeitet und langmütig ist. Anders sollten geistliche Menschen nicht vorgehen. Schw. Lotte Johansen und Schw. Inga Eltvik erwähnten einzelne Wesenszüge von Schw. G. W., die deutlich erkennen ließen, dass in Ålesund der Größte weit weg davon ist, wie der Geringste zu sein.
Ich glaube nicht an gediegene, mit Schriftstellen gespickte kräftige Reden, wie sie gehalten wurden, als die Brüder in Ålesund waren, und wobei sie beiseite geschoben wurden. Ich glaube an die Kraft Gottes, die in der Schwachheit offenbart wird. So ist es mit mir gegangen und Gott gibt überall einen verwunderlichen Fortschritt. Ich möchte innig wünschen, dass Schw. G. W. alle Waffen gegen die Geschwister in Ostnorwegen niederlegen möge; denn wir lieben sie dort oben zu sehr, als dass wir gegen sie streiten wollten. Ich habe diese Streitfragen in Gottes Hand übergeben und er wird dem Recht geben, der Recht hat. Das sollte auch Schw. G. W. tun. Alle diese Mitgliederversammlungen und Beratungen voll von Anklagen haben keine Zukunft. Wir haben hier in Horten noch keine einzige Mitgliederversammlung gehabt. Ich habe die Geschwister in Ålesund verteidigt, aber jetzt sieht es danach aus, als ob die andere Seite Recht bekommt und ich beschämt werde.
Ich weiß, dass Schwestern gerne herrschen wollen. Ich habe mehrere Beweise dafür gesehen, und ich habe deswegen ständig kleine Gefechte, dies wurde also aus gutem Grund in Skj. Sk. erwähnt. Ich bin davon überzeugt, dass dies auch in Ålesund der Fall ist. Öffne die Augen und sieh, benütze den Verstand und verstehe, denke über das nach, was du in früheren Tagen gesehen und gehört hast, und du wirst erkennen, dass meine Worte zutreffen.
Ich verstehe deine Worte gut, lieber Bruder, dass du neutral sein willst. Dies war ich auch in den letzten Jahren, und ich habe in keinster Weise vor, gegen die Geschwister in Ålesund zu streiten und ich will jedem abraten, das zu tun.
Der Fehler liegt nicht bei den Geschwistern in Ålesund, er steckt nur bei der einen, Schw. G. W., die an ihrer leitenden Stellung festhält und die Würde haben möchte, die ihrer Meinung nach damit einhergeht. In dem Moment, in dem sie dies aufgibt, haben wir Gemeinschaft. Man soll sich nicht Lehrer oder Leiter nennen lassen wollen. Darin liegt der wunde Punkt, der Unruhe verursacht. Lege alle Waffen nieder, und der Friede kommt von selbst. Ich habe selbst nie verlangt, dass jemand mich als Leiter ansehen soll, und ich habe mich überall gerne zuunterst gesetzt, nicht nur auf den Bänken, sondern auch versucht, mich durch Gottes Gnade zu beugen, damit, wenn Gottes Zeit kam, er entscheiden sollte, was richtig war. Jesus erniedrigte sich selbst. Dies ist der Weg hin zum Haupt.
Ich habe einen Brief von Schw. G. W. bekommen, aber nach all diesen langwierigen Kämpfen, die nun hier zu Ende sind, will ich nicht wieder mit so etwas anfangen. Darum schreibe ich an dich direkt aus dem Herzen, wie ich es erlebe. Ich wünsche Schw. G. W. und den Geschwistern in Ålesund Gottes reiche Gnade und Frieden. Mögen wir einander hierin und in einer Gesinnung, die sich beugen kann, begegnen.
Du selbst musst tun, was dein Gewissen dir rät. Ich suche keine Anhänger, wenn das so wäre, wäre ich nicht Christi Diener. Wenn sich Br. Fugleseth zu den Schwestern in Ålesund hält, dann ist er mir darum genauso lieb; denn auch ich bin für sie, ohne hierin jemandem zu nahe zu treten.
Gib nun dem Ganzen Zeit, dann wird offenbar werden, wo der Fehler liegt. Warte auf den Herrn. Ich will hier nicht in Details gehen, aber ich liebe Schw. Lotte Johansen und Inga Eltvik ebenso wie die anderen in Ålesund, auch wenn sie sich mit Schw. G. W. überworfen haben. Jesus nannte Judas „Freund“, und er verhielt sich ihm gegenüber so, dass die Jünger nicht wussten, wer es war, der ihn verraten würde. Er hielt keine Donnerreden gegen ihn vor den Ohren aller. Er überließ alles dem Vater. Überlassen auch wir alles ihm, dann geht es gut.
Hieraus geht hervor, dass ich Schw. G. W. in keinster Weise anklagen will, sondern nur auf die Fehler hinweisen, die sie in aller Stille korrigieren sollte, dann wird das Ganze unbemerkt vorübergehen. Denn als „korrekter Leiter“ kommt man unter diesen Geschwistern nicht weiter; man muss beweglicher sein. Dies ist ein Werk Gottes, das er selbst ausführen muss, aber wir müssen demütig sein. Wir sollen uns nicht vor den Geschwistern in Ostnorwegen beugen, wie du erwähntest, sondern wir sollen uns vor Gott beugen, und dann bekommen wir Gemeinschaft mit den Geschwistern in Ostnorwegen.
Lass diesen Brief überall gelesen werden, wo es von Nutzen sein kann; denn wir wünschen nicht, irgendetwas geheimzuhalten.
Liebe Grüße an dich und die Geschwister in Molde.
Dein Bruder
J. O. SmithP. S.
Schwester Gunda Willersrud wurde in den ersten Jahren hier in Horten als eine herrschende Person und Schwester Jørgine Pettersen als ihre gehorsame Sklavin angesehen. Man meinte, die Geschwister in Aalesund wären alle zusammen fleischlich, wenn sie sich von einem solchen Herrschergeist leiten ließen. Und auch ich hätte mich von ihr täuschen lassen. Hierüber entstand Krieg.
Nun sehen sie ihre Annahme zusätzlich durch Schwester Lotte Johansen und Schwester Eltvik bestätigt.
Aufgrund von all diesem will ich nicht direkt an Schwester Gunda Willersrud schreiben, um nicht in der Gemeinde hier einen alten Streit anzufachen, indem ich möglicherweise einen langwierigen Briefwechsel mit ihr bekomme. Daher schreibe ich dir über dieses Verhältnis. Es kann vielleicht merkwürdig aussehen, dass ich nicht an Gunda Willersrud schreibe, aber nun weißt du die Ursache. Es war auch ursprünglich nicht meine Absicht, Schwester Gunda Willersrud zu verteidigen, doch wollte ich greifbare Tatsachen dafür haben, dass das wahr wäre, dessen sie beschuldigt wird. Ich glaubte, die Verhältnisse in Aalesund besser zu kennen als diejenigen, die sie beschuldigten. Dabei wurde auch ich verdächtigt, dass ich mich auf fleischliche Weise von Schwester Gunda Willersrud hätte täuschen lassen. All dies zusammen hat so ein Durcheinander verursacht, und darum schreibe ich an dich.
Meine persönliche Meinung und Ansicht über das Ganze ist nun, dass Schwester Gunda Willersrud in Aalesund zuviel Autorität angewandt hat – vielleicht ohne sich selbst dessen bewusst zu sein. Auch glaube ich, dass sie etwas bange ist, wie es finanziell gehen soll, wenn sie nicht dieses Regiment führt. Eine Genaralaussprache, die dies beweisen könnte, wäre meines Erachtens nicht besonders schwer einzuberufen. Doch ist dies nun nicht meine Aufgabe, sondern eher dies, überall zu Frieden und Versöhnlichkeit zu raten. Richtet nicht vor der Zeit, sondern wartet, bis der Herr kommt. Wenn der Herr selbst sich einer Sache annimmt, dann wird sie gründlich aufgeklärt. Auf ihn müssen wir harren und abwartend sein.
