Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931

Brief an Sivert Bolsønes - 1927.08.23

Gesammelte Schriften Band 4 • 1924 - 1931
Horten, 23. 8. 1927
Lieber Bruder Bolsønes,
Friede.

Herzlichen Dank für den Gruß durch Bruder Oscar Hansen, der euch besucht hat. Er berichtete gestern Abend in der Versammlung nur kurz von der Reise.

Es könnte vieles geben, über das ich gerne mit dir – lieber Bruder – sprechen würde, aber nun ist die Entfernung groß und es kann nur schriftlich geschehen. Ich möchte dich aber dazu ermahnen, in der Bruderliebe Liebe zu allen zu erweisen. Was die Geschwister in Ålesund betrifft, weiß ich bei mir selbst in meinem Gewissen, dass ich ihnen nie etwas anderes als Gutes wollte und sie können wohl selbst kaum etwas anderes sagen. Sie haben nun zweimal zu erkennen gegeben, dass sie sich von uns trennen wollen. Ich habe nämlich neulich einen Brief von Schw. G. W. bekommen, in dem sie sich über die Schwestern Lotte Johansen und Inger Eltvik beschwert. Ich glaube, diese Schwestern brauchen – genauso wie wir alle – Gnade und Liebe, damit ihre Herzen mit den unseren zusammenschmelzen können, ebenso wie wir es selbst nötig haben, Versöhnlichkeit, Nachsicht und vor allem Liebe zu erweisen, die der Sünden Menge deckt. Ich habe persönlich mit diesen beiden Schwestern gesprochen und kann nichts anderes erkennen, als dass sie für Gott leben wollen. Haben sie etwas falsch gemacht, dann ist ja Jesus eine Sühnung für unsere Sünden. Wir müssen alle den Kampf dagegen aufnehmen, dass man festgefahren ist in seinem Denken, und um Gnade beten, um Versöhnlichkeit und Liebe zu bekommen. Ich muss dir sagen, lieber Bruder, dass ich nie vorhatte, eine neue Parteiung zu gründen, sodass man sich uns anschließen und sich von uns trennen kann. Wenn die Geschwister in Ålesund sich 70 x 7 Mal am Tag von mir trennen, bedeutet das für mich persönlich nichts. Ich halte es nur für kindisch. Wenn sie im Licht wandeln, wie er im Licht ist, dann habe ich gleichwohl Gemeinschaft mit ihnen, wie man ja an unserem Verhältnis zu Schw. Ingeborg Stene und dir selbst sehen kann.

Ich weiß nicht, wie es jetzt um das Darlehen steht, das Br. D. Kvalheim damals von dir bekommen hat. Er ist ja bettelarm, wie man sagt, und das muss man ja berücksichtigen. Es ist mir zu Ohren gekommen, dass ihm in der Versammlung in Ålesund zugerufen wurde: „Bezahle deine Schulden.“ Ich weiß nicht, ob dieser Zuruf in Liebe geschehen ist, zumal ja alles bei uns in Liebe geschehen soll. Lass mich alles wissen und lass mich deine Einstellung gegenüber Br. Kvalheim wissen. Du weißt selbst, dass ich ihm geraten habe, dir in kleinen Beträgen – auch wenn sie noch so klein sind – die Schulden abzuzahlen. Versuche, alles zu ertragen und auszuhalten; denn du warst ja selbst ungeschickt genug, ihm ein so großes Darlehen zu geben. Es gibt etwas, was man „erlassen“ nennt. Ich will dir nicht dazu raten, aber ich möchte dich zur Gesinnung in diese Richtung ermahnen. Denn auch ich selbst habe erlassen müssen, und ich habe gemerkt, dass dies zum Vorteil für Gottes Reich war.

Liebe Grüße an dich und deine Frau von deinem Bruder

J. O. Smith