Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Brief an Elias Aslaksen, 1918-01-30

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

(Original fehlt)

„Viking“, Haugesund, den 30. Januar 1918
Lieber Bruder Elias Aslaksen,
Friede.

Fast in jeder Stadt sitzen in unserer Mitte viele Geschwister, die die Lehre angenommen haben. Sie haben sich auf menschliche Weise unterworfen und wir haben keinen Kampf mit ihnen; doch die wenigsten, glaube ich, bekommen einen nach der Reinigung im Blut des Bundes lebendig gemachten Geist. Wenn sie das bekommen hätten, gäbe es nicht so viel Passivität. Wie man hiermit umgehen soll, weiß ich noch nicht. Man muss sie wohl ein- und ausgehen lassen, da man ja nicht einfach den einen zur Rechten und den anderen zur Linken setzen kann. Doch kann man ein Auge auf die Sache haben.

Ich bin auf mehrere solche schweigsamen Menschen getroffen, die auf eine Weise dabei sind, mit denen ich jedoch, ehrlich gesagt, weder ein noch aus weiß. Ich habe mich nach der Arbeit mit solchen Menschen todkrank in meinem Geist gefühlt. Es war, wie wenn ich bis zu den Knien in der Erde gegangen wäre. Ich habe gefürchtet, sie zu zerstören, wenn ich sie zu hart anpacke, doch die herrlichsten Schätze können ihnen keine Freude bereiten, weil sie ihnen nicht gehören. Es ist zwar möglich, eine ganze Anzahl solcher auf menschliche Weise überwundenen Menschen zu sammeln; aber hat das irgendeinen Nutzen??? Ist es nicht besser, in der Versammlung der Toten zu schlafen als in unserer??? Andererseits habe ich Furcht davor, die Vorhöfe des Herrn zu zertreten.

Nun bin ich ca. dreieinhalb Jahre hier in Westnorwegen und sechs Monate in der Finnmark gewesen. Keiner meiner Gleichaltrigen hat eine ähnliche Fahrt so weit von Zuhause weg hinter sich. Es wird eine Freude sein, wieder ostwärts zu kommen, obgleich wir ja nach dem Willen Gottes hier in Westnorwegen gewesen sind.

Grüße deine Familie und die Geschwister, die eventuell bei dir sind.

Sei selbst herzlich gegrüßt von deinem Bruder

Johan