Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Brief an Aksel Smith, 1918-01-26

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923
Haugesund, 26. Januar 1918
Lieber Bruder Aksel,
Gottes Friede.

Vielen Dank für deinen lieben Brief heute mit den beigelegten Briefen. Gott hat in Ostnorwegen reichlich gesegnet, verstehe ich. Br. Aslaksen ist in Horten gewesen und hat mit großer Kraft Zeugnis abgelegt, sagt Pauline. Wir stoßen in unserer Arbeit auf so viele neue Vorkommnisse; wir haben ja keine Erfahrungen von früher her in all diesem. Daher müssen wir mit umso größerem Eifer auf Ihn hören, der vom Himmel redet, damit wir das Richtige treffen und den Segen erhalten können.

Was Ystrøm betrifft, glaube ich, dass man einen Küsterdienst getan hat und weiterhin tun wird, solange er das Haupt ist. Ebenso wie die Weisheit der Torheit vorzuziehen ist, soll der Weise Haupt für denjenigen sein, der in der Erkenntnis Gottes nicht an ihn herankommt. Auch wenn ich kein konkretes Beispiel dafür habe, glaube ich kaum, dass irgendjemand von den Geschwistern bei Ystrøm auf die inneren Wege kommen kann, ehe nicht Ystrøm selbst in diese hineingeht. Hierfür gibt es zwei Gründe: 1) Gott ehrt einen Vater vor dessen Sohn. 2) Unbewusst oder bewusst pflanzt Ystrøm denselben Unglauben an das innere Leben, den er selbst besitzt, in seine Schar.

Ystrøm muss selbst in das Blut des Bundes hineingeführt werden, und damit hätte man sofort anfangen sollen; ehe man sich auf einen Küsterdienst eingelassen hat. Br. Karl Pedersen hat seinen Dienst unter ihnen angefangen, doch die Zeit wird zeigen, ob er das Stehvermögen hat – ob er es schafft, bei ihnen bis zur Scheidewand zu kommen.

Karl hat mich mehrere Male ins Gesicht geschlagen; daher fühle ich mich nicht verpflichtet, ihm in der Arbeit Wegleitung zu geben. Er will selbständig sein. Jedoch hat er jetzt eine Stellung eingenommen, in der er weniger selbständig zu sein scheint, und es kommt darauf an, ob er bei Ystrøm und seinen Geschwistern siegreich vorwärts und hindurch bis zum Blut des Bundes kommen kann. Wenn man gegenüber Ystrøm ein Diener des Geistes und eines Neuen Bundes sein will, dann riskiert man, ihn und damit seine ganze Schar als Feinde zu bekommen. Als ich Ystrøm begegnete, fingen sofort die Auseinandersetzungen im Geist an, was er bestimmt spürte; und ich glaube, diese wären weitergegangen, bis das eine oder andere geschehen wäre. Aber wenn jetzt nichts geschieht, dann glaube ich, dass man die Sache falsch anpackt – selbst wenn Ystrøm sagt, dass es in Horten gut geht. Jetzt kannst du hierüber nachdenken. Bei Personen, die mit Gewalt und Macht erklärt haben, dass sie von der gegenseitigen Hilfe, die ich zu geben gesetzt bin, frei sind, widerstrebt es mir, ihnen – gegen ihren Willen – Ratschläge und Tipps für die Arbeit zu geben. Berg tat das zu seiner Zeit und wir sehen, wie sein Dienst später geworden ist. Im Leib (der Gemeinde) und durch den Leib kann Gott segnen, doch reißt man sich hiervon los, dann wird alles, was man vorweisen kann, lediglich ein Küsterdienst. Ich habe ja nichts dagegen, dass es gutgeht; aber ich glaube, dass die Gesetze und Verbindungen des Geistes in so lebenswichtigen Bereichen unterbrochen sind, dass man nicht vermag, jemanden bis zum Blut des Bundes zu führen, niemanden bis zum Vorhang, niemanden bis zum Altar. Es gibt, wie gesagt, viel Neues, das einem begegnen kann; doch sind die Gesetze des Geistes nicht neu für mich; wenn ich auch nicht alle ihre Zusammenhänge sehen kann, so glaube ich doch zu verstehen, nach welchem Grundgesetz und auf welcher Grundlage sie wirken.

Hier fängt es allmählich an zu sieden und zu kochen. Eine Predigerin, Aase Bjørndalen, die jetzt hier in der Stadt als Krankenpflegerin arbeitet, hat die Versammlungen besucht. Sie hat mehrmals geistlich gespuckt, wie man es wohl bezeichnen kann. Sie hat uns und die Geschwister dermaßen beschimpft, dass Gott sie mit großen Kämpfen und Schlaflosigkeit in der Nacht gezüchtigt hat. Doch sie muss wieder kommen. Sie wurde ärgerlich, als ich ihr sagte, dass sie das inwendige Leben noch nie verstanden hätte. Sie ist nach Nordland gefahren, wo sie auch schlecht über uns geredet hat. Jetzt scheint sie aufzugeben, und sie hat gegenüber den Geschwistern gesagt, dass sie in mehreren Dingen Licht bekommen hat. Sie saß so matt und bitter da; jetzt hört sie so aufmerksam zu, dass sie direkt nach den Worten lechzt. Ich weiß noch nicht, wo dies endet, aber ich glaube, es geht gut mit diesem steifen Nacken. Br. Gjerde vom Hardangerfjord hat am Mittwochabend wirklich gut und klar Zeugnis abgelegt. Es war eine wahre Freude, ihn zu hören. Er ist ein freundlicher und stiller Mann, um die 40 Jahre alt. Er legte darüber Zeugnis ab, wie ihm „Christus offenbart im Fleisch“ zum Segen geworden war. Eine Schw. Josefine ist solide und geradlinig; doch Sagstad und seine Frau, Brunvold und seine Frau scheinen mir dahinten zu bleiben. Der Bootsmann P. Torkildsen sagt, dass er an den Versammlungen teilnehmen will. Es war überaus notwendig, hierher zu kommen, das gehörte also zu Gottes Plan und Führung.

Nun bin ich fast vier Jahre in Westnorwegen gewesen, davon sechs Monate in der Finnmark. Niemand von meinen Gleichaltrigen ist so lange Zeit so weit weg gewesen. Ich habe einen privaten Brief an Kommandeur Kielland, unseren Korpschef, geschrieben und ihm unterbreitet, dass ich wünsche, auf ein Schiff in Ostnorwegen versetzt zu werden, bevor die „Viking“ wieder in die Finnmark ausläuft. In Moldøen herrscht jetzt gute Ordnung. In Vardø geht es gut, sagt Br. Strømme in einem Brief an Ellefsen. Br. E. will sich jetzt nach Südnorwegen versetzen lassen. Er hat den Eindruck, dass er in der Finnmark fertig ist; der nasskalte Nebel verschlimmert seinen Halskatarrh. Mir gefällt es gut auf der „Viking“ und ich hätte keine Versetzung beantragt, wenn das Schiff in Ostnorwegen stationiert worden wäre. In Bergen ist jetzt etwas Festes entstanden, weil Br. Madsen sehr einsichtig und demütig geworden ist.

Es regt sich anscheinend Einiges in Sarpsborg. Es war bemerkenswert, wie die zwei Frauen anfingen, das Wort vom Kreuz zu verkündigen. Die drei Geschwister in Hardanger bekamen hauptsächlich durch Skj. Sk. Licht, sagt Br. Gjerde. Schw. Guro schrieb an Br. Joh. Lohne einen Brief, den ich bewundern muss. Wir haben hier jeden Mittwoch um 20 Uhr und sonntags um 17 Uhr Versammlung. Ebenso versammeln sich die Geschwister samstagabends.

Liebe Grüße an dich und deine Frau sowie an die Geschwister.

Dein Bruder

Johan

Die Briefe von den Schwestern aus Drøbak sowie das Foto von ihnen habe ich den Geschwistern entlang der Küste von Vardø in Richtung Süden geschickt. Nun kannst du hören, was Br. Kvalheim sagt.