Gedanken
Gottes Kraft ist immer hinter den Kräften zu finden, die ihr im Wege stehen. Die Kräfte, die Gott widerstehen, werden sich durch ihr Streben nach äußerem Glanz immer an der Oberfläche befinden, während die Kraft Gottes als eine stille, unüberwindliche Kraft die Realitäten als Ertrag hat, wenn die widerstrebenden Kräfte an der Oberfläche ihren Lärm verbreitet haben. Je näher wir der Stille Gottes kommen können, desto mehr erleben wir Gottes Kraft und Ruhe. Das Bestreben, durch menschliche Anstrengungen voranzukommen, sind Rückschritte; aber ein stilles und hörendes Ohr kann mitten unter den Kindern des Lärms seinen Weg finden. Das Rednerpult ist dort begehrt, wo die Unruhe im Geist groß ist. Daher ist es besser, wenige Worte von einem weisen Mann an einer Straßenecke zu hören. Wenn du etwas behauptest, dann begründe es nicht mit etwas, das fallen wird. Ein dreistes Auftreten scheint stark zu sein, und doch findet man am meisten davon in der Schwachheit des Fleisches. Wenn diese aufgedeckt wird, dann ruft ihr Besitzer nach Gnade und Liebe anstatt nach Gericht. Wo findet man denn den Weg zum Frieden, wenn man das Fleisch verteidigen und ihm Gnade und Liebe bis tief hinein in die Narrheit erweisen will? Ob nicht der Geist, der richten und ein Feuer anzünden wird, für den Jubel in Babel heilsam wäre? Wo findet man Gottes Licht in diesem religiösen Tageslicht, in dem das Selbstvertrauen, in der herrschenden Finsternis Licht zu haben, an Machtausübung grenzt? Glauben und Gehorchen wird dir Licht und Feinde verschaffen. Dies wird dir einen gebahnten Weg zeigen, auf dem alles und alle gewogen und zu leicht befunden werden, die sich nicht durch denselben Gehorsam und Glauben Gottes Licht und Gottes Kraft angeeignet haben. Satan rast durch Freund und Feind; aber auf den Weg wagt er sich nicht. Hast du seine Anschläge erfahren? Je mehr Gott einen Menschen gebraucht, umso kräftiger werden die satanischen Angriffe. Aber seine Angriffe sind nur auf eine Gesinnung ausgerichtet, die menschlich ist; daher wird man dadurch, dass man still in der Gesinnung des Geistes bleibt, zu den Kriegen des Herrn gerüstet sein, auch dann noch, wenn der Widersacher seine letzten Kräfte aufgebraucht hat. Wenn ich schwach bin, so bin ich stark. Es ist mit großer Selbstüberwindung verbunden, seinem Widersacher gegenüber zu schweigen, wenn man die richtigen Antworten hat, aber nicht die rechte Zeit dafür ist. Auch diese Treue wird mit dem Tod des eigenen Fleisches belohnt, während sich der Widersacher in der Freude über seinen Sieg berauscht, was genauso falsch ist wie das Fleisch, in dem die Freude wohnt. Wenn dann aber die Zeit gekommen ist, hat man die Antworten parat. In diesem Augenblick verschwindet die eingebildete Freude, und die Kraft erweist sich wieder als Kraft – ohne das Mitwirken des Fleisches.
Was an Freude und Jubel über die vielen Verheißungen veranstaltet wird – ohne vorher den Willen Gottes getan und die Bedingung für die Aneignung der Verheißungen erfüllt zu haben – ist wie Freude über schöne Seifenblasen, deren Vorhandensein eine Freude erweckt, die zusammen mit der Blase platzt. Es wird als Störung des Friedens bezeichnet, wenn man Seifenblasen als das, was sie sind, aufzeigt. Man möchte nicht die Wahrheit über die Seifenblase hören – dass sie platzt – und doch platzt sie vor den Augen aller. Aber in Freude und Hoffnung darauf, dass die nächste Seifenblase ewig leben werde, wird der Jubel fortgesetzt. Auch dies ist eitel und Haschen nach Wind. Wer dagegen den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.
Welche Gemeinschaft doch durch süße Worte und schmeichelnde Rede zustandegebracht werden kann! Nur bedauerlich, dass Geschwätz, üble Nachrede und Ungerechtigkeit diese schöne Seifenblase zum Explodieren bringen wird. Eine neue Seifenblase muss gemacht werden. Ein anderer Versammlungssaal und andere äußere Bedingungen werden Wunder wirken. Neue Prediger, neues Publikum, neue Seifenblase. Wie herrlich sie in allen Regenbogenfarben schillert und frei umherschwebt! Der Jubel ist grenzenlos. Hätte sich nur nicht diese hässliche Fliege auf ihre schöne Oberfläche gesetzt! Aber nun ist dies geschehen und die Seifenblase gibt es leider nicht mehr, die Freude ist weg.
Wir werden dazu ermahnt, uns allezeit im Herrn zu freuen; diese Freude an der Seifenblase währte jedoch leider sehr kurze Zeit. Aber wann wird Gottes Volk soweit erwachen, dass es anfängt, ein wenig von der Wahrheit zu erblicken? Wer die Wahrheit sagt, ist ein Friedensstörer und eine Posaune zum Gericht. Der Schlaf ist süß, die Träume erfreuen und stärken. Man hat Angst davor, in der reinen Wirklichkeit zu erwachen. Menschen, die den Schlaf verlängern und die Träume heller und zahlreicher machen können, werden als Propheten des Herrn angesehen. „Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben!“ Hi. 12, 2. Ihre geistlichen Väter taten ausgiebig Dienst für Baal. Insoweit gibt es nichts Neues unter der Sonne, nur haben die verschiedenen Völker verschiedene Götter. Auch über diese Dinge muss man die Wahrheit erkennen, wenn sie frei machen soll. Wenn man jedoch darin lebt und nicht die Kraft hat herauszukommen, dann darum, weil man nicht wagt, davon zu hören und die Wahrheit zu erkennen, wie sie ist. Pilatus fragte einmal: „Was ist Wahrheit?“, aber er bekam keine Antwort. Aus welchem Grund? Die Peripherie der Haushaltung Christi reichte nicht so weit hinaus an die Oberfläche, dass er auf solche Fragen Antwort geben konnte. Wer die Wahrheit liebt, wird sie finden. Aber man erträgt sie nicht, weil sie die Lüge aufdeckt und verwirft und alles an seinen Platz verweist, wie es der nackten Wirklichkeit entspricht.
Wenn das „Ich“ im Fleisch rast, dann bekommt man etwas von der Stärke des Mannes zu hören. Wenn das „Ich“ vom Geist umgeben ist, kann man auch Zeugnisse seiner ungeheuren Stärke hören; nur ist das „Ich“ im Geist etwas schwieriger zu finden und als solches dingfest zu machen, weil es mit einer Menge Schriftstellen um sich schlägt. Darum: Tod über das „Ich“, ob es sich im Fleisch oder im Geist befindet. Will sich jemand rühmen, so rühme er sich seiner Schwachheit; denn aus ihr quillt Gottes Kraft hervor. „Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.“ Das „Ich“ weiß nichts von Furcht und fühlt sich rein, siegreich und stark mitten in den größten Dummheiten. In diesem Licht, das Finsternis ist, kann das „Ich“ in ziellosem Kampfesrausch so manche Heldentaten vollbringen auf einem Acker, auf dem es nicht mühevoll gearbeitet hat. Auch dies ist, im Licht der Wahrheit gesehen, Eitelkeit. Der Geist der Furcht tastet sich in der Erkenntnis vor, damit der Geist der Weisheit einen würdigen und gebahnten Weg vorfindet. Aber wo der Geist der Furcht fehlt, wird sich der Geist der Weisheit nicht sehen lassen. Taste dich vor im Geist der Furcht, bevor du deine Kräfte gebrauchst; und willst du Krieg führen, dann hast du doppelten Grund dazu. Viele haben auf ihre Kräfte gesehen und Niederlage erlitten. Aber Abraham sah auf die Kraftlosigkeit seines Leibes und auf den erstorbenen Leib der Sara, wurde stark im Glauben und siegte. Krieg öffnet die Augen für Dinge, die man vorher nicht wusste.
