Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1918-08 - Ein kleiner Einblick in das Geheimnis der Gottesfurcht

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Ein kleiner Einblick in das Geheimnis der Gottesfurcht

„Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ 1. Tim. 3, 16.

Es gibt ein Geheimnis, das nur den Gottesfürchtigen offenbart wird, deshalb wird es das Geheimnis der Gottesfurcht genannt. Es ist nicht einfach ein gewöhnliches Geheimnis, sondern es ist ein großes Geheimnis. Jeder, der dessen teilhaftig wird, muss dasselbe sagen. Man kann über dieses Geheimnis mit der größten Redegabe und Überzeugung reden, und es wird nicht geglaubt, wenn der Betreffende nicht hinreichend gottesfürchtig ist. Worin besteht nun dieses Geheimnis, das so reich an Herrlichkeit ist?

1. Er ist geoffenbart worden im Fleisch

Hast du gründlich darüber nachgedacht, was es heißt, dass Jesus im Fleisch geoffenbart worden ist? Hast du darüber nachgedacht, was Fleisch ist? Wenn du dieses Geheimnis nicht verstehst, dann kannst du das Werk Christi nicht so wertschätzen, wie man es wertschätzen sollte. Doch, sagst du, ich glaube, dass er vor über 1900 Jahren von der Jungfrau Maria geboren wurde. Das ist kein Geheimnis – viel weniger noch ein großes Geheimnis. Das ist sozusagen ein Wissen, das mit Glauben nichts zu tun hat.

Der Gottesfürchtige wird täglich sein Kreuz auf sich nehmen und Jesus nachfolgen. Während seines Wandels auf diesem Weg des Kreuzes wird er in seinem eigenen Fleisch Widerstand gegen die Leitung des Geistes entdecken. Er wird herausfinden, dass der Geist gegen das Fleisch streitet und das Fleisch gegen den Geist. Dieses Fleisch bereitet ihm viel Mühsal und viel Kummer. Aber eines Tages findet er einen grundlegenden Trost, indem es vor seinem inneren Blick klar wird, dass auch Christus im Fleisch geoffenbart worden ist. Er hatte die gleichen Prüfungen und die gleichen Versuchungen wie wir; er bekam Kraft vom Vater, um zu siegen; und wir wissen, dass wir nun in Jesus Christus mehr als Kraft um zu siegen bekommen werden. Deshalb heißen die Leiden, die in meinem Fleisch entstehen, weil ich mich vom Geist treiben lasse, Leiden Christi; der Tod, der in meinem Fleisch eintritt, wird das Sterben Jesu genannt. Ist dies nicht ein Geheimnis? Höre dich unter allen Theologen der Welt um, ob sie darüber Bescheid wissen. Frage religiöse Menschen, die in der einen oder anderen Versammlung ihr Leben leben und denen es so ausgezeichnet dort gefällt. Sie haben nicht die geringste Klarheit über Christus geoffenbart im Fleisch. Wenn du aber einen Gottesfürchtigen fragst, der vielleicht unter religiösen Menschen nicht als gottesfürchtig gilt, der jedoch weiß, was es heißt, vom Geist getrieben zu werden, von ihm wirst du Antwort bekommen – er mag dem Fleisch nach sein, was er will.

Manche Menschen, die dem Fleisch nach religiös, dem Geist nach aber gottlos sind, wollen Jesus in einem Fleisch haben, das wie Adam vor dem Sündenfall ist. Sie sagen auch, dass Jesus das Kreuz getragen hat und wir daher darum herum kommen. Eine Folge davon muss sein, dass Jesus gehorsam war und wir daher darum herum kommen. Jesus wird selig und wir kommen daher darum herum.

Lege das Lineal an deren eigene Worte an und du wirst sehen, dass diese am Ende ins Verderben führen.

Nun aber sagt die Schrift: Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er es gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel. Denn er nimmt sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an. Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Denn worin er selbst gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden. Hebr. 2.

Hieraus geht deutlich hervor, dass er in allem seinen Brüdern gleich geworden ist, und dass er als solcher versucht worden ist und gelitten hat, als er versucht wurde.

Nun heißt es in Hebr. 4, 15, dass er in allem gleichwie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Jeder, der dieses 4. Kapitel liest und darüber nachdenkt, wird verstehen, dass Jesus, obwohl er wie einer von uns war und wie wir versucht worden ist, die Prüfung bestanden hat, sodass er keine Sünde tat; denn in seinem Mund ist kein Betrug gefunden worden.

Die Sünde empfing in Jesus Christus direkt im Fleisch ihr Urteil. Röm. 8, 3. Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch. Wer nun im Geist lebt und wandelt, wird dahin gelangen, dass die Sünde im eigenen Fleisch verdammt wird. Deshalb ging Jesus voraus und wurde getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. Diejenigen, die ihm auf dem Weg des Kreuzes nachfolgen, werden auch nach dem Geist lebendig gemacht; denn der letzte Adam wurde zu einem Geist, der lebendig macht. Daher gehört auch dies zum Geheimnis der Gottesfurcht:

2. Gerechtfertigt im Geist

Beachte: Geoffenbart im Fleisch. Es heißt nicht gerechtfertigt im Fleisch. Dagegen ist er gerechtfertigt im Geist. Die Heuchler und Pharisäer wollten vor den Menschen dem Fleisch nach gerecht sein, damit sie deren Ruhm genießen konnten. Aber von Jesus heißt es nur, dass er im Fleisch geoffenbart worden ist. Wir sind auch geoffenbart und offenbar im Fleisch; aber weil wir nicht im Fleisch gerechtfertigt werden sollen, trachten wir nicht danach, dem Fleisch nach gut anzukommen. Dagegen befleißigen wir uns, ihm wohlgefällig zu sein – Gott, dem wir in unserem Geist durch unseren Herrn Jesus Christus dienen.

Fragt man nach Christen, dann findet man in der Regel Menschen, die sich viel Mühe damit machen, ein religiöses Fleisch vorzuweisen. Lässt man aber ihr Fleisch unbeachtet, um mit ihnen nach dem Geist Verbindung zu bekommen, dann stellt es sich fast immer heraus, dass sie dem Geist nach Feinde sind. Doch Gottes Wort sagt: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ „Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr.“ Es ist deshalb Elend, Armut, Blöße und Blindheit, sein religiöses Fleisch als Grundlage für Gemeinschaft vorzuweisen. Gerechtfertigt im Geist klingt ganz anders; in den Tod mit dem Fleisch! Gottes Geist nimmt von dem, was Christus gehört, und teilt es uns mit. Der Geist bringt nicht ein religiöses Fleisch hervor, sondern er macht unseren Menschengeist lebendig. Der Geist steht in Feindschaft zum Fleisch, und lassen wir uns vom Geist treiben, kommt der dritte Zeuge hervor, das Blut. Dies ist das Blut des Bundes, durch das Gott den großen Hirten und Bischof der Schafe, unseren Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat. Hebr. 13, 20. „Dieser hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen.“ Hebr. 5, 7.

(Fortsetzung folgt)