Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1918-04 - Außerhalb des Lagers

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Außerhalb des Lagers

„So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers.“ Hebr. 13, 13. Das Gesetz des Mose gebot, dass alle Aussätzigen, alle, die Eiterfluss haben, und alle, die an Toten unrein geworden sind, aus dem Lager geschickt werden sollten. 4. Mos. 5, 2.

„Sowohl Männer als auch Frauen sollt ihr hinausschicken; vor das Lager sollt ihr sie hinausschicken, damit sie nicht ihr Lager verunreinigen, da ich doch in ihrer Mitte wohne!“ V. 3.

Wenn nun Gott inmitten des Lagers wohnt, wie kann dann zu uns gesagt werden, dass wir zu ihm hinausgehen sollen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen? Im Lager sollten alle rein sein; aber draußen befanden sich die Aussätzigen und alle, die Eiterfluss hatten oder an Toten unrein geworden waren. Sollen wir uns nun verunreinigen wie diese oben Genannten, um zu ihm, außerhalb des Lagers, zu gelangen? Nein, das glaube ich nicht. Wir brauchen uns nicht zu verunreinigen; denn ein stärkeres Licht wird uns zu erkennen geben, dass wir im Licht Gottes immer unrein gewesen sind, auch als wir als rein galten und uns selbst innerhalb des Lagers als rein ansahen. Innerhalb des Lagers verlangt Gott keine größere Reinheit von uns, als man sie von einem natürlichen Menschen erwarten kann, der sein Bestes tut, um das Gesetz zu halten.

Wenn Gottes Geist im Herzen Wohnung nimmt, dann wird man dadurch, dass man sich in das Licht von Gottes Geist stellt, seine eigene Unreinheit im Fleisch zu sehen bekommen. Man wird das Gesetz der Sünde in seinen Gliedern erkennen, um deswillen es dem Menschen unmöglich war, die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit zu erfüllen. In diesem reinen Licht Gottes wird man unrein und hält sich selbst nicht für besser als jemand mit Aussatz oder Eiterfluss oder jemand, der an Toten unrein geworden ist. Man sieht und fühlt sich in diesem scharfen Licht des Herrn so elend, dass man mit Freuden zu ihm, außerhalb des Lagers, hinausgeht. Diejenigen, die sich noch innerhalb des Lagers befinden, meinen von sich selbst und voneinander, dass sie viel reiner und besser seien als derjenige, der im Licht Gottes anfängt, vom Gesetz der Sünde in seinen Gliedern zu sprechen. Diejenigen, die zur Zeit Jesu innerhalb des Lagers lebten, hielten sich selbst für viel reiner als Jesus. Deshalb musste er wie ein Übeltäter draußen vor dem Tor leiden; und diejenigen, die sich innerhalb aufhielten, fanden es ganz richtig, dass er seinen Platz unter allen den Unreinen einnahm, die sie selbst aus ihrer eigenen Mitte hinausgestoßen hatten.

Das gleiche geschieht auch heute noch. Innerhalb des Lagers glaubt man von sich, dass man viel reiner sei als derjenige, der zu Ihm, außerhalb des Lagers, hinausgeht. Denn Gott ist innerhalb des Lagers, und man hat es so gut und stirbt so glücklich. Doch man kann bemerken, dass da, wo die Gnade nicht vergeblich ist, uns das Treiben des Geistes aus dem Lager hinausführen will, damit wir außerhalb mit Jesus leiden. Aber ebenso wie der natürliche Mensch nichts vom Geist Gottes vernimmt, macht er ohne Gewissensbisse von ganzem Herzen mit, die Person, die sich aus dem Lager hinausbegibt, zu schmähen. In jedem Menschen innerhalb des Lagers wohnt genug Sünde und Finsternis, um das tun zu können und dies sogar für richtig zu halten. Man muss gründlich im Licht Gottes gestanden und seine eigene Torheit betrachtet haben, um die Trennung zwischen „dem Lager“ und „außerhalb des Lagers“ verstehen zu können.

Wenn Gott im Lager ist, dann ist er nicht dort, um dort zu bleiben, sondern um diejenigen, die für das Reich Gottes geschickt sind, aus dem Lager hinauszutreiben, diejenigen, die auserwählt sind, an göttlicher Natur Anteil zu bekommen. Rühme dich deshalb nicht dessen, dass du vorübergehend innerhalb des Lagers bist, und erhebe nicht deine Stimme zu Schmähungen gegen den, der aus dem Lager zu ihm hinausgeht – zum Elend. Denn der, den du für unrein hältst, ist viel ehrlicher als du, der du deine Unreinheit nicht siehst und dich deshalb für rein hältst. Noch nie habe ich gehört oder gesehen, dass Unwissenheit und Finsternis jemanden reinigt. Aber tagtäglich sieht und hört man, wie unreine Menschen in ihrer Unwissenheit und Finsternis sich ihrer Tugenden und ihrer Reinheit rühmen. Es gibt zwar niemanden, der zu unrein ist, um erlöst zu werden; aber wenn man sich in seiner Unreinheit für rein hält, bleibt man in seiner Sünde. Denn wenn das Licht, das in einem Menschen ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Im letzteren Licht wird alles Fleisch verherrlicht, selbst wenn es im Licht Gottes wie Gras auf dem Feld ist.

Wenn ein Stier geopfert werden sollte, musste er ohne Fehler sein. Insoweit hätte dieser sich also gut mit den Fehlerlosen innerhalb des Lagers messen können. Aber dennoch sollten Fleisch, Fell und Mist des Stieres außerhalb des Lagers mit Feuer verbrannt werden. 2. Mos. 29, 14.

Das Feuer, das der Herr gekommen war, auf Erden anzuzünden, wirkt niemals innerhalb des Lagers; aber außerhalb zehrt es am Eigenleben, an der Sünde im Fleisch. Das Feuer wirkt an dem, der erkennt, dass er Dinge hat, die verbrannt werden sollen und müssen. Wenn man aber nichts findet, was dem Feuer zu übergeben ist, wird dieses überflüssig.

Auch wir müssen ohne Fehler sein, bevor wir zu ihm, außerhalb des Lagers, hinausgehen können. Darum sehen wir auch, dass die besten Kräfte des Lagers, diejenigen, die mehr Licht suchen, einer nach dem anderen zu ihm, außerhalb des Lagers, hinausgehen. In der Regel wird jedem von ihnen als Abschiedsgruß ein Schmähwort hinterhergerufen.

Die Schar außerhalb des Lagers fängt nun an, größer zu werden, und die Gemeinschaft im Geist wird von Tag zu Tag stärker. Aber es wird auch nicht an Schmach gespart. Doch da diese vortrefflich mit dem Feuer zusammenwirkt, um das Opfer zu verzehren, sollen wir in unseren Leiden mit ihm geduldig sein; weil sich unsere Erlösung naht.