Die Ruhe
„Denn wir, die wir gläubig geworden sind, gehen in die Ruhe ein.“ Hebr. 4, 3.
Man muss zwischen Frieden und Ruhe unterscheiden. Wenn wir durch den Glauben an sein Blut gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott. Von dieser Grundlage aus sollen wir in die Ruhe eingehen.
Die Ruhe beginnt, wenn wir durchs Gesetz dem Gesetz sterben; aber sie wird fortgesetzt und vertieft durch den ständigen Wandel im Glauben.
Zu Anfang gibt Gott uns viel Erkenntnis und Stärke. Die Gnade ist reichlich über uns, und wir glauben, das wirklich zu besitzen, was die Gnade wirkt und gibt. Dies macht uns stark und herrlich in Christus; wir werden in ihm geehrt. Wir beginnen in aller Heimlichkeit, uns selbst ein wenig zu bewundern, indem wir uns mit anderen messen, die nicht so viel wissen und diese Kraft nicht besitzen. Gott, der versteht, dass Gefahr im Verzug ist, zieht nun etwas von seiner Gnade von uns zurück. Unsere Stärke verschwindet, die Erkenntnis hilft uns nicht mehr. Wieder sind wir ganz abhängig von Gott und seiner Gnade. Alle Stützen und Zufluchtsorte werden uns genommen. Der Schmerz ergreift uns mitten im Frieden. Wir fühlen uns wie in einen Schraubstock gespannt, an dem Gott selbst dreht und bestimmt, wie viel wir ertragen. Hier bekommt der Hochmut einen Knacks; man lernt, nicht mehr auf sich selbst zu vertrauen. Es ist Gott, der am Ruder steht.
Dies ist es, was der Apostel erwähnt, als er zu den Korinthern sagt: Ihr seid stark in Christus, wir schwach, ihr in Ehren, wir aber verachtet. Gottes Bestimmung und Ziel mit uns ist, dass wir mit Christus sterben sollen. Er ist für uns gestorben, doch nun sollen wir mit ihm sterben. Solange wir stark und in Ehren sind, sind wir weit weg vom Tod. Wenn aber Schwachheit und Hilflosigkeit eintreten, verliert man Stärke, Ehre und Selbstvertrauen. Christi Tod wird wirksam in uns, wie er vorher für uns wirksam war. Man nähert sich dem dritten Zeugen: dem Blut. Hier gehen wir in die Ruhe ein – wir, die wir gläubig geworden sind. Frieden mit Gott hatten wir in unserer vollen Stärke; aber nun beginnt die Ruhe.
So tut Gott zwei- oder dreimal mit einem Menschen, um den Hochmut von ihm zu entfernen und damit er den Menschen von seinem Vorhaben abwende. Hier kommen Gottes Werke, Gottes Frieden und Gottes Ruhe hervor.
