Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1923-09 - Ein Wort an Evangelisten und selbsternannte Lehrer

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Ein Wort an Evangelisten und selbsternannte Lehrer

Vom Glauben der Römer an Gott sprach man in aller Welt. Röm. 1, 8. Der Apostel schrieb bestimmt nichts anderes an sie als das, was sie begriffen und verstanden, und dennoch ist der Römerbrief ein Rätsel für die Christen unserer Tage. Dies beweist, dass die Christen in Rom auf einer höheren Entwicklungsstufe im Christenleben standen als die Christen unserer Tage.

Jene wussten von der Sünde im Fleisch, denn der Apostel ermahnt sie, die Sünde nicht herrschen zu lassen in ihrem sterblichen Leibe, und seinen Begierden keinen Gehorsam zu leisten. Röm. 6, 12. Es war ihnen Kraft über die Sünde gegeben, ansonsten wäre eine solche Ermahnung sinnlos gewesen.

Wenn wir von der Sünde freigemacht werden und in den Dienst der Gerechtigkeit treten, dann wird damit nicht die Sünde im Fleisch weggenommen. Die Sünde im Fleisch kann auch die Begierde im Fleisch genannt werden. Darum heißt es: Ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Deshalb sollen wir uns der Begierde oder der Sünde gestorben halten und uns lebendig für Gott halten.

Als wir im Fleisch waren, da wirkten in unseren Gliedern die Leidenschaften der Sünde. Röm. 7, 5. Das zeigt, dass wir nun nicht mehr im Fleisch sind. Darum heißt es: „Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt.“ Röm. 8, 9.

Eben dieses Umziehen vom Fleisch in den Geist macht aus, dass viele Kinder Gottes glauben, die Sünde im Fleisch verloren zu haben oder vom siebten Kapitel des Römerbriefes in das achte Kapitel umgezogen zu sein. Doch die Sünde ist im gleichen Ausmaß im Fleisch vorhanden. Darum sollen wir uns der Sünde gestorben halten.

Während der Heiligung, die stattfindet, nachdem wir mit dem Geist getauft sind, führt Gott uns zu unseren Feinden, und diese sind unser Brot.

Kanaan war voller Feinde, als Israel über den Jordan zog. So ist auch unser Fleisch voller Feinde, nachdem wir durch das Gesetz dem Gesetz gestorben sind. Es gibt weiterhin nichts Gutes in unserem Fleisch. Nun ist der neue und lebendige Weg durch den Vorhang, sein Fleisch, gebahnt, darum geht derselbe Weg notwendigerweise auch durch unser Fleisch. Auf diesem Weg begegnen wir einer Unzahl von Feinden, die alle in der Kraft eines ewigen Geistes besiegt werden sollen. Hier gibt es Opfer genug und hier gibt es Brot genug. Christus ging auf diesem Weg voraus, und Gott verdammte die Sünde in seinem Fleisch, damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.

Wir haben reichlich Beweismaterial dafür, dass die Sünde in uns wohnt, nachdem wir mit dem Heiligen Geist getauft sind; denn weil man der Begierde im Fleisch nachgegeben hat, sind massenweise Menschen abgefallen. Die Sünde im Fleisch durfte herrschen und man ist in offenbare Sünden gefallen. Das Einzige, was uns erretten und bewahren kann, ist, dass wir am Kreuz bleiben. Die Christus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Diese Kreuzigung ist eine Glaubensstellung, die augenblicklich aufhört, wenn man die Lüste herrschen lässt.

Alle Spaltung, aller Streit und alle Uneinigkeit kommen daher, dass man die Lüste in den Gliedern herrschen lässt. Jak. 4, 1. Alle offenbaren Sünden, die Werke des Fleisches genannt werden, Gal. 5, 19, kommen dadurch zum Vorschein, dass man der Lust im Fleisch nachgibt.

Ich bin überzeugt, dass viele Seelen gerade deshalb in Sünde fielen, weil sie glaubten, die Sünde wäre aus ihrem Fleisch weggenommen. Sie hörten auf zu wachen und zu beten; die Lust dagegen war hellwach, und so fiel man. Werdet nicht in großer Zahl Lehrer, da diese größere Verantwortung haben werden. Bedenke, welche Verantwortung diejenigen haben, die die Menschen in derart falsche, einschläfernde Lehren hineinführen wie diese, dass die Sünde durch die Geistestaufe aus dem Fleisch weggenommen wird.

Ich finde, dass einem aus der Schule des Lebens klar werden muss, dass man strenge Ermahnungen braucht, die Sünde im Fleisch nicht herrschen zu lassen und den Begierden keinen Gehorsam zu leisten.

Aaron und seine Söhne sollten die Schuld für die Übertretungen tragen, die durch fremde Eingriffe in ihr Priesteramt verübt wurden. So braucht es auch in unserer Zeit Männer, die alle diese selbsternannten religiösen Lehrer im Zaum halten können, sodass diese auf ihren rechten Platz verwiesen werden.

Als Usija mächtig geworden war, überhob sich sein Herz zu seinem Verderben; denn er verging sich gegen den Herrn, seinen Gott, und ging in das Haus des Herrn, um auf dem Räucheraltar zu räuchern.

Aber der Priester Asarja ging ihm nach und achtzig Priester des Herrn mit ihm, zuverlässige Leute, und sie traten Usija, dem König, entgegen und sprachen zu ihm: Es gebührt nicht dir, Usija, dem Herrn zu räuchern, sondern den Priestern, den Söhnen Aarons, die geweiht sind zu räuchern. Geh hinaus aus dem Heiligtum; denn du vergehst dich und es wird dir keine Ehre bringen vor Gott, dem Herrn.

Da wurde Usija zornig, und der Aussatz brach aus an seiner Stirn, usw. 2. Chron. 26, 16 ff.

König Usija war nicht nur mächtig, sondern auch eigenmächtig geworden. Die Söhne Aarons waren für ihn so unbedeutend klein. So geht es meistens dem Evangelisten, wenn der Herr ihn durch Erweckungen großmacht. Die Hirten, Lehrer und Propheten werden so klein, dass sie nicht einmal existieren. Der Evangelist meint von sich, alle Aufgaben erfüllen zu können. Er drängt sich wie Usija vor und über seine Grenzen hinaus; er dringt in die Aufgaben anderer ein und maßt sich an, ein Lehrer zu sein und wird nur ein falscher Lehrer, da Gott ihn nie zu etwas anderem als zu einem Evangelisten eingesetzt hat. Die ganze Gemeinde steuert auf den Bankrott zu, viele fallen ab, überall bricht der Aussatz aus – und doch schläft man den Schlaf der Sorglosen und wartet auf die nächste Erweckung, in der man selbst erneut als deren Mittelpunkt erstrahlen will. Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles zusammen ist Eitelkeit. Nur Gottes Wort bleibt bestehen: Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Lehrer usw. Sie sind dazu eingesetzt, dass die Heiligen vollkommen zugerüstet werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens. Gott hat die verschiedenen Diener in der Gemeinde eingesetzt, und diese bitten nicht irgendeinen Menschen freundlich darum, ihr Werk ausführen und vollführen zu dürfen. Die alttestamentlichen Propheten haben von den religiösen Menschen ihrer Zeit keine feine Behandlung bekommen. Und ich glaube, dass jeder, der vor Gottes Angesicht stehen und für ihn Priesterdienst tun will, dasselbe erfahren wird in unserer neutestamentlichen, so genannt aufgeklärten Zeit, in der aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis gemacht wird.