Diener des Geistes
Ein Diener des Geistes wird mit Gottes Geist zusammenarbeiten und dem entgegenwirken, was dieser entfernt haben will. Er wird im Geist Personen und Verhältnisse ergründen und sich immer dort befinden, wo beurteilt und entschieden wird. Er kennt niemanden nach dem Fleisch, sondern alle durch das Haupt Jesus Christus. Verwandtschaft und Freundschaft werden deshalb aufhören, bei geistlichen Entscheidungen eine Rolle zu spielen; denn was Fleisch ist, wird für ihn Fleisch sein, ob es bei einem nahen Verwandten ist oder nicht, wie geschrieben steht: „Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seinem Vaterland und in seinem Haus!“ Mt. 13, 57. Er glaubt nicht um der Rede willen von diesem oder jenem; er ergründet selbst, wie sich alles vor Gott verhält – und davon ausgehend redet und handelt er. Für ihn gelten nicht Beschlüsse der Mehrheit und deren Auffassung der Dinge, wenn das Zeugnis des Geistes fehlt. Der Herr selbst wirkt in den Herzen, ihm das zu geben, was er zum Lebensunterhalt benötigt, sodass er sich in seinem Handeln frei fühlt und nicht zum Knecht der Geber wird. Er hat es nicht nötig, dafür Gemeinden zu gründen, dass viele für seinen Lebensunterhalt sorgen; er zieht es eher vor, mit dem Evangelium zu leiden und lässt es genug sein mit der Eintragung, die droben im Buch des Lebens stattgefunden hat. Frei von allen macht er sich zum Diener aller. Eitelkeit ist ihm ein Gräuel und verehrt jemand in der Gemeinde diesen Abgott im Verborgenen, so ist es doch ihm nicht verborgen. Versprechungen sieht er als Leichtsinn an und Schmeicheleien prallen zur Unehre dessen ab, der mit so etwas kommt. Er lässt nicht vor sich her die Posaune blasen, um kundzutun, wo er unterwegs ist und was er tut. Er führt kein Tagebuch, da er allezeit in dem Bewusstsein lebt, dass der Herr nahe ist, und es wäre ihm ein Ekel, sich selbst zu empfehlen. Er kennt die Schwäche der Gemeinden und ist sparsam damit, Ehre auszuteilen. Er lässt sich nicht vom Reichen betören, da er dessen Geld nicht braucht; er bewundert nicht den Gelehrten, weil er weiß, dass die Weisheit dieser Welt Torheit vor Gott ist. Er nimmt nicht den Namen Pastor an, da er weiß, dass alle, die aus der Finsternis zu Gottes wunderbarem Licht gekommen sind, Könige und Priester Gottes sind. Er verhält sich wie ein Bruder unter Brüdern und liebt es, verborgen zu sein. Er scheint träge zu sein, wenn andere meinen, dass man handeln sollte, handelt aber, wenn man keine Ahnung davon hat, dass sich etwas Verkehrtes anbahnt. Er ist unbegreiflich, geliebt und gefürchtet. Wo er die Grenze setzt, ist es lebensgefährlich, weiterzugehen; wer das nicht glaubt, wird es erfahren. Weisheit ist sein liebster Besitz und durch den Geist des Rates und der Stärke zerstört er Festungen, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erheben. Er ist sehr gering in eigenen Augen, deshalb ist seine Anwesenheit schwach und seine Rede gering geachtet. Pastoren und Theologen können ihn nicht ausstehen und sie finden seine Gegenwart abscheulich. Er spürt ihre Abscheu – er ist ein Stein des Anstoßes. Er hat keinen Zugang zu den Versammlungen der Toten, weil dort die Wahrheit schon längst auf dem Markt gestrauchelt ist. Er ist dort, wo es sich begibt – außerhalb des Lagers – und hat dort einen Altar, von dem zu essen kein Recht haben, die der Stiftshütte dienen. Diejenigen, die ihn hören, werden alle mehr oder weniger ihm gleich. Er ist für seine Widersacher wie Leviathan, an dessen Panzer die Pfeile der Bogenschützen abprallen und jeden, der sich gegen ihn erhebt, wird er schuldig sprechen. Dies ist das Anrecht der Diener des Geistes, das ihnen vom Herrn zuteil wird, und das Erbteil von ihm. Ein Diener des Geistes ist mit Widerstand vertraut und Christi Leiden sind ihm wohlbekannt. Er achtet auf die Zeiten und ist am bösen Tag in der Hand des Allmächtigen verborgen, geht aber direkt nach Jerusalem, wenn der Geist ihm bezeugt, dass Fesseln und Bedrängnisse dort auf ihn warten. Die Herren der Welt, welche in der Finsternis dieser Zeit herrschen, haben sich mit ihrem ganzen Gewicht auf ihn gelegt und haben selbst herausgefunden, dass sie zu leicht waren. Seine Hände sind gelehrt zu kämpfen, er ist gefährlich für den Wolf und den Mietling, aber ein guter Freund und Beschützer für die von Herzen Aufrichtigen. Er sieht viel und sagt wenig, darum ist sein Schweigen meistens der wirksamste Vortrag. Er liebt die Einsamkeit, aber seine Zuhörer folgen ihm. Er ist wie ein Aas, das die Adler anzieht. Er leuchtet nicht für viele seiner Zeitgenossen, denn die meisten lassen sich von dem betören, was in ihrer Zeit als leuchtend und groß angesehen wird; doch weit draußen in der Zukunft wird er wie ein Fixstern im Kontrast zur finsteren Himmelsfeste seiner Zeit leuchten. Er ist mehr wert als Zehntausend und bei seinem Heimgang wird es spürbar, dass ein Licht erloschen ist. Doch es lebt und wird ewiglich leben.
Wer ist ein Diener des Geistes und wer will es werden??
