Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Brief an Edvin Bekkevold, 1923-06-21

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923
Horten, 21. 6. 1923
Lieber Br. E. Bekkevold,
Gottes guter Friede.

Heute habe ich Besuch von Helene Hansen, Helga Smith und Anna Kjærnet gehabt. Dabei ging es um eine Sache, die Helene H. am Herzen lag.

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Helene denselben Geist, dieselbe Gesinnung und dieselbe Weisheit wie ihr Bruder Thorleif hat, aber sie fühlt sich dadurch unterdrückt, dass die Schwestern ständig zurückgesetzt werden. Im Lauf der Zeit hat sich eine Verkündigung eingeschlichen, wodurch die Schwestern mehr zurückgesetzt werden, als es die Schrift gebietet. Sie soll in der Gemeinde ihr Haupt bedecken, nicht Lehrer sein usw.; doch sie hat die Freiheit zu beten und zu weissagen. Wir haben jetzt ältere Schwestern unter uns, die nicht jeder beliebige jüngere Bruder unterweisen kann, und diese Schwestern fühlen sich verletzt, wenn sie sich immer erst nach dem Allerjüngsten von den Männern einreihen sollen. Helene hat mehrere Jahre lang darunter gelitten, verstehe ich. Ich möchte überhaupt nicht dir oder jemand anderem die Schuld für diese Situation geben, die so unbemerkt und schleichend entstanden ist, aber ich möchte in aller Einfachheit versuchen, dies wieder in Ordnung zu bringen, wie ich auch zu Helene sagte.

Ich glaube, Helene sollte Gelegenheit bekommen, ihre Weisheit, ihre Kraft und ihre Gesinnung unter Beweis zu stellen, indem sie unter den Schwestern dienen kann; denn ich glaube, dass sie mehr Einsicht hat als die meisten ihres Geschlechts.

Mit der Zeit machen sich neue Forderungen geltend, das Persönliche macht sich bei Frauen genauso wie bei Männern bemerkbar, und alle sollen heranwachsen, um zum Werk des Dienstes vollkommen zugerüstet zu werden. Daher sollen alle, Männer und Frauen, Gelegenheit bekommen, sich im Dienst zu üben. Das Niveau der Gemeinde wird dadurch angehoben und das Bedürfnis aller wird zufriedengestellt. Betrachte daher Helene Hansen als deine Mitarbeiterin und nicht als Ackerland; denn ich denke, sie hat genug Unterweisung dazu bekommen. Ich möchte in dieser Richtung keine Aussage über weitere Schwestern machen; ihre Tüchtigkeit muss sich zeigen, wenn sie nur Freiheit bekommen zu dienen. Für H. Hansen war es ein großer Wunsch, dienen zu dürfen. Es war eine wahre Freude, mit ihr sprechen zu dürfen und ihre gottesfürchtige Gesinnung und ihre klaren Linien kennenzulernen. Sprich mit ihr über diese Sache und lass innerhalb aller Grenzen des Geistes Freiheit herrschen. Doch nicht Freiheit für das Fleisch!!!!

Liebe Grüße

J. O. Smith

Grüße deine Frau und die Geschwister.