Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1923-03 - Warum wir das Weihnachtsfest beibehalten sollen

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Warum wir das Weihnachtsfest beibehalten sollen

In Zeitschriften und Monatsblättern sehe ich, dass viele Gläubige Anstalten machen, das Weihnachtsfest zu verwerfen; dabei sehen sie den Weihnachtsbaum als sündige Abgötterei an. Wenn sie das für sich behalten würden, wäre es ihre persönliche Sache; aber nun richtet man andere Gläubige dafür, dass sie nicht dasselbe tun, und damit streitet man gegen Gottes Wort, das jedem soviel Freiheit gibt, dass niemand sich in Fragen über Feiertage richten lassen soll. Kol. 2, 16. Man soll sich nicht solche Gebote auferlegen lassen: Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren! Kol. 2, 21. Wenn nun Weihnachten und der Weihnachtsbaum für jemanden Götzendienst sein sollte, dann ist es ja recht für ihn, von den Abgöttern erlöst zu werden. Aber für uns, die wir Erkenntnis bekommen haben, dass ein Abgott nichts ist in dieser Welt, wäre es die reine Torheit, uns von Götzendienern Vorschriften machen zu lassen. Wäre die Abgötterei so unschuldig wie Weihnachten und ein geschmückter Nadelbaum, dann wären wir weit gekommen auf dem Weg zum Vollkommenen hin. Nun hat aber die Abgötterei leider viel tiefere Wurzeln im Herzensgrund. Die Abgötterei im Herzen artet in Krankheit aus und wird u.a. Habsucht, Eitelkeit, Streitsucht, Sucht nach böser Lust und schändlicher Leidenschaft genannt. Das ist Abgötterei, und diese gedeiht in hohem Maß, lange nachdem man mit Weihnachten, Ostern und Pfingsten aufgehört hat. Ja, sie gedeiht selbst dort ausgezeichnet, wo man es längst nicht mehr erträgt, einen Weihnachtsbaum zu sehen.

Was ist Weihnachten ohne Christi Geburt, was ist Ostern ohne Christi Leiden und Sterben und was ist Pfingsten ohne das, dass der Heilige Geistes zur Erde gesandt wurde? Wenn nun jemand Weihnachten verwerfen will, warum dann nicht auch gleich Ostern und Pfingsten verwerfen?

Im finstersten Russland entsteht eine Partei, deren Anhänger das Christentum überhaupt verwerfen. Diese feierten dieses Jahr ihr erstes weltliches Weihnachten mit Volksfesten, Tanz, Theateraufführungen und Reden gegen die Christen und deren Weihnachten. Wollen gewisse Christen in unserem Land gerne mit diesen Leuten gemeinsame Sache machen, dann müssen wir sagen, dass uns Judas schon ziemlich nahe auf den Leib gerückt ist. Trage nicht dazu bei, dem Antichristen dadurch den Weg zu bereiten, dass du alles zu entfernen versuchst, was an unseren teuren Erlöser erinnert. Noch gibt es viele, die errettet werden sollen. Für diese kann es gut sein, besondere Feiertage zu haben, die daran erinnern, dass es einen Erlöser der Welt gibt, einen Jesus Christus, dessen Blut von aller Sünde reinigt. Wir dürfen nicht zulassen, dass Weihnachten von Mittwinterfesten mit Maskeraden und anderen gottlosen Veranstaltungen abgelöst wird.

Manche werden sagen: Ihr haltet bestimmte Tage ein und Monate und Zeiten und Jahre. Ich bin um euch besorgt … Gal. 4, 10-11. Nein, sei nicht besorgt, sondern fürchte dich davor, die Schrift zu verdrehen. Wenn man wie die Galater auf gesetzliche Weise Tage und Zeiten einhält, um dadurch Gott zu gefallen und dadurch errettet zu werden, dann hat man Grund zur Besorgnis. Doch wenn man jetzt in diesen Tagen keine geöffneten Augen für die Widersacher hat, die Christus und alles, was an ihn erinnert, verwerfen wollen, dann hat man doppelten Grund zur Besorgnis, dass eine so große Finsternis unter den Christen herrscht.

Wir leben in einer Zeit, in der die Vollzahl der Heiden bald eingegangen sein wird – eine Zeit, in der selbst die Heiden all der Reden und Predigten über Jesus Christus überdrüssig sind. Ich meine daher, dass man mit Klauen und Zähnen all das verteidigen sollte, was an unseren teuren Meister erinnert.

Es ist vielleicht so, dass manche an all dem Backen, Schlachten und allen anderen Weihnachtsvorbereitungen Anstoß nehmen, und ihnen dies die Ursache dafür ist, dass sie das Weihnachtfest verwerfen. Wenn nun diese höchst Geehrten bei Speis und Trank so durch und durch enthaltsam wären, dass sie gewöhnlich in Fasten und Beten leben würden, dann könnten sie vielleicht einen Funken Berechtigung zu ihrer Behauptung haben. Nun ist es aber leider so: Diejenigen, die Weihnachten verwerfen, schlagen sich bei den weihnachtlichen Festessen oft als erste den Bauch voll. Somit ist dies nicht ihr innerster Beweggrund dafür, Weihnachten zu verwerfen. Vielmehr ist es in der Welt eine große Ehre, Neues zu erfinden – und so auch in einzelnen christlichen Lagern. Stell dir vor, ein Erfinder davon sein zu können, Weihnachten zu verwerfen! Welch eine Ehre? Wie wird doch das Fleisch dadurch genährt? Für diesen Genuss mag man schon das Weihnachtsessen sausen lassen!

Lasst euch deshalb nicht richten von Geboten und Regeln über das Halten oder Nichthalten von Feiertagen. Es kann zwar einen Schein von Weisheit haben, wenn man auf menschliche Weise seine Behauptung verteidigt, aber das ist überhaupt keiner Ehre wert. In Ermangelung der wesentlichen Wahrheiten gibt man sich mit dem Unwesentlichen ab, um damit seine mangelnden Kenntnisse über die wahren Werte des Lebens zu verbergen. Will jemand einen Tag heiliger halten als den anderen, so tue er das. Will ein anderer alle Tage gleich heilig halten, so tue er das. All das kann man gut in seinem Herzen vor Gott praktizieren und dennoch die gewöhnlichen Feiertage beibehalten. Gott gab Mose eine Vielzahl an Geboten über Feiertage; und es ist gut, dass auch wir einige von ihnen haben; denn an diesen haben wir Gelegenheit, einander zu besuchen und Konferenzen abzuhalten.

Selbst die Welt wird vom Ernst und der heiligen Freude der Weihnachtszeit fasziniert und in Schranken gehalten. Es wäre schrecklich, diese ganze Bande loszulassen – lasst uns sagen an Heiligabend und am 1. Weihnachtsfeiertag, an Tagen, die ansonsten einigermaßen in Ehren gehalten werden.

Lasst uns Gott um Weisheit in allen Dingen bitten; denn sickert es durch, dass die Christen mit Weihnachten gleichgültig sind, wird die weltliche Gesetzgebung bald die Initiative ergreifen, es zu verwerfen. Danach kommen Ostern und Pfingsten an die Reihe. Denke daher darüber nach, was du redest und schreibst. Die Verantwortung folgt deinen Worten und Werken auf den Fersen. Möchtest du unbedingt ein „Erfinder“ sein, dann beschäftige dich lieber mit materielleren Dingen; denn die Nachkommen Kains sollen besonders im Hinblick auf Erfindungen begabt gewesen sein.

Lass dich nicht vom Missbrauch der Gottlosen dazu verführen, Weihnachten zu verwerfen; denn der Gottlose dringt überall ein und missbraucht die Dinge. Judas missbrauchte das Abendmahl, und dasselbe tun heute viele gottlose Menschen mit religiösem Schein. Die falschen Propheten prophezeiten lügenhaft, die Hirten weideten sich selbst und schoren die Wolle der Schafe. Dieselbe Geschichte wiederholt sich täglich. Für den Reinen sind die Feiertage rein. Hält man die Feiertage jedoch auf gesetzliche Weise, um dadurch etwas durch eigene Gerechtigkeit zu erreichen, dann verwirft man Christus gleichermaßen. Doch die Erkenntnis Gottes kommt uns zur Hilfe, sodass wir Weihnachten nicht auf diese Art und aus diesem Grund beibehalten wollen. Sondern wir möchten es als ein an Ihn erinnerndes Bindeglied beibehalten, der sein Leben für uns gegeben hat, als wir noch Sünder waren. Lasst uns aufhalten, solange wir noch nicht aus dem Weg geräumt worden sind, und lasst uns unsere Macht gebrauchen, bevor die Macht der Heiligen völlig zerbrochen wird – nicht nur um unserer selbst willen, sondern auch um derentwillen, die in Zukunft errettet werden.