Wir haben seinen Stern im Osten gesehen
„Und er führte mich wieder zum Tor im Osten. Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam von Osten und brauste, wie ein großes Wasser braust, und es ward sehr licht auf der Erde von seiner Herrlichkeit.“ Hes. 43.
Die Herrlichkeit Gottes kommt immer von Osten. Wie die Sonne mit Leben und Wärme von Osten kommt, so kommt auch der Vater der Geister mit seiner Liebe, mit seinem Leben und Licht von Osten. Das vollkommene Gesetz der Freiheit geht im Osten auf. Selig ist jeder, der in dieses hineinschaut. Warum ist Osten die Richtung, die Hoffnung gibt? Eben weil die tiefe Finsternis der Nacht vor der im Osten aufgehenden Sonne weichen muss. Der Wächter wartet auf den Morgen, er wartet auf Licht von Osten. Während er wartet, hofft er, dass es kommen wird – das Licht und das Leben, das ihm Ablösung bringen wird.
Unsere Finsternis wird vom Licht aus dem Osten erhellt. Als Jesus geboren wurde, kamen einige Weise aus dem Land im Osten und sagten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“ Mt. 2, 2. Glücklich ist jede Seele, die diesen Stern im Osten erblickt. Wenn sie versteht und glaubt, wird sie davon Weisheit bekommen, so wie die Weisen aus dem Osten Weisheit davon bekamen.
„Und die Herrlichkeit des Herrn kam hinein ins Tempelhaus durch das Tor, das nach Osten liegt.“ V. 4.
Wenn unser Sinn mit der Erwartung des Morgens beschäftigt ist, wie der Wächter, dann wird die Herrlichkeit des Herrn durch dieses Tor der Hoffnung in unser Herz einziehen. Wie gut ist es, bei allen Schwierigkeiten sein Gesicht ihm zugewandt zu haben, von dem die Hilfe kommt. Sich auf Menschen zu verlassen ist, wie seine Erwartung nach Westen zu richten; denn so spricht der Herr:
„Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt, und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom Herrn.
Der wird sein wie ein Dornstrauch in der Wüste und wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand wohnt.
Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist.
Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün, und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“ Jer. 17, 5 ff.
Es ist nicht egal, wohin man sich am Tag der Not wendet. Wendet man sich an Menschen, wird die Seele trocken und man verschmachtet. Man wird weinen, aber niemand achtet darauf. Die aufgehende Sonne kann uns nur den Rücken zuwenden, so wie wir ihr den Rücken zuwenden, indem wir unsere Hoffnung auf den Westen setzen. Wenn wir uns aber dem Herrn zuwenden, nach Osten, dann zieht seine Herrlichkeit durch unsere Tore ein und seine Fußstapfen triefen von Segen. Dann sind unsere Wurzeln an der lebensspendenden Quelle gepflanzt und unsere Blätter baden sich im Licht der Sonne! Zu seiner Zeit tragen wir Frucht – gesegnete und nahrhafte Früchte.
Liebe Seele, nimm daher eine richtige Stellung gegenüber deinem großen Heiland und Helfer ein. Ohne ihn können wir überhaupt nichts tun.
„Da hob mich der Geist auf und brachte mich in den inneren Vorhof und siehe, die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus.“ V. 5.
Ist es nicht so: Wenn wir uns nach innen kehren, wenn wir das Reich Gottes mit Gewalt an uns reißen, dann füllt die Herrlichkeit des Herrn das Haus. Wir brauchen diese Fülle des Geistes Gottes in unserem inneren Wesen, damit wir uns in seiner Wahrheit, seinen Gerichten und seinen Leiden und seinem Sterben freuen können. Herrliche Auferstehungskraft! Selig ist jede Seele, die sich in dieser in alle Wahrheit leiten und treiben lässt. Er wird fremd werden den Kindern seiner Mutter, er wird von seinen Mitbrüdern verkannt und missverstanden werden, doch der Vater und der Sohn werden ihn kennen. Sie werden zu ihm kommen und sich ihm offenbaren. Vom Geist wird er emporgehoben und hineingeführt, eben weil er alles einsetzt, um im Reich Gottes vorwärts zu kommen.
Hier möchtest du dich sonnen, hier möchtest du dich im Licht Gottes baden, du Feind des Kreuzes Christi. Doch ich sage dir, dass diese Herrlichkeiten nur für die bestimmt sind, die die Gerichte des Herrn lieben, für die, die täglich ihr Kreuz auf sich nehmen. Diese können von den Herrlichkeiten mit voller Überzeugung auf eine gesalzene und gehaltvolle Weise zeugen. Wer nur die Herrlichkeiten Gottes sucht, sich aber fleißig dem Gericht und der Wahrheit entzieht, gleicht einem Mann, der nur genießen und nie arbeiten will. Schlussendlich verarmt er und endet im Verderben.
Im Lauf meines Lebens habe ich viele getroffen, die eine Schar Seelen um sich selbst gesammelt und diese mit Verheißungen ohne Bedingungen und ohne Kreuz genährt haben. Aber ihnen allen ist es ergangen, wie es in Jeremia Kap. 17 heißt:
„Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem Einzelnen zu vergelten entsprechend seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.
Wie ein Rebhuhn, das Eier brütet, die es nicht gelegt hat, so ist, wer ein Vermögen erwirbt, aber nicht auf rechtmäßige Weise; in der Mitte seiner Tage muss er es verlassen, und an seinem Ende ist er ein Narr!“
Haben wir nicht Mal für Mal gesehen, dass die Hirten sich ein Vermögen erworben haben, doch nicht auf rechtmäßige Weise? Sie haben die Herrlichkeiten ergriffen, ohne den Preis zu bezahlen. Sie haben ihre Küken an denselben billig erworbenen Schätzen teilhaben lassen. Aber ist es nicht wahr, haben wir nicht Mal für Mal gesehen, dass sie mitten im Leben den Reichtum verlassen mussten??? Und sind sie nicht am Ende zu Narren geworden??? Doch, Gottes Wort steht fest.
Liebe Seele, bezahle den Preis. Kaufe (bezahle es) Gold von mir, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst. Offb. 3, 18. Sprich nicht, dass du reich bist und genug hast und nichts brauchst, wenn du die Kosten nicht bezahlt hast. Denn dann bist du, ohne es zu wissen, elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Offb. 3, 17.
„Selig sind, die ihre Kleider waschen, dass sie Teil haben an dem Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt.“ Offb. 22, 14.
