Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1922-05 - Haben die Heiligen Sünde?

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Haben die Heiligen Sünde?

Antwort auf „Korsets Seier“ (Der Sieg des Kreuzes) vom 24. April 1922

„Korsets Seier“ meint nein! Man hatte Sünde, bevor man gerechtfertigt wurde; doch nachdem man errettet ist, dann hat man keine Sünde mehr – nur dass der Leib aus der Zeit, als man Sünde hatte, geschwächt ist. Die Zeitschrift meint, dass 1. Joh. 1 falsch ausgelegt wird.

„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, dann verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ 1. Joh. 1, 8. Beachte, dass „Sünde haben“ in der Gegenwart steht. Es steht nicht „Sünde hatten“. Wenn nur diese eine Schriftstelle von der Sünde im Fleisch reden würde, dann könnte man es falsch verstehen, wenn einem ansonsten jeglicher geistliche Sinn fehlt. Doch nun haben wir massenhaft Schriftstellen, die beweisen, dass – selbst wenn man noch so heilig ist – die Sünde weiterhin im Fleisch ist. Die Reinigung besteht nicht darin, dass wir die Sünde im Fleisch loswerden, sondern dass wir die Sünde in unserer Gesinnung loswerden, sodass wir dem Gesetz Gottes mit unserer Gesinnung dienen können. Röm. 7, 25. Wer die Ehe bricht, dient dem Gesetz der Sünde mit seiner Gesinnung, und darin liegen die Sünde und die Verdammnis. Wäre die Sünde jedoch im Fleisch geblieben und hätte keinen Einfluss auf unsere Gesinnung bekommen, dann wäre man ohne Verdammnis geblieben.

„K. S.“ fragt, was aus der Sünde wird, wenn wir im Licht wandeln und das Blut Christi uns von „aller Sünde“ reinigt? Wie viel bleibt dann übrig? 1. Joh. 1, 7. Dies soll der Beweis dafür sein, dass alle Sünde aus dem Fleisch weggenommen wird.

Beachte: Hier ist davon die Rede, im Licht zu wandeln. Das Licht fällt sein Urteil über allerlei in unserem Leben, das wir wegreinigen müssen. Dies tut das Blut Christi, wenn wir im Licht wandeln und dem Licht gegenüber treu sind. Die bewusste Sünde wird aus der Gesinnung weggenommen, aber nicht aus dem Fleisch. Nach und nach werden wir mehr Licht bekommen und größere Bereiche meines Eigenlebens werden beleuchtet. Auch hiervon wird Christi Blut reinigen. Auf diese Weise macht es Sinn, dass man von Licht zu Licht und von Kraft zu Kraft geht, bis wir uns vor Gott auf Zion begegnen. Wir werden von aller bewussten Sünde gereinigt.

Nach der Auslegung von „K. S.“ sollte derjenige, der heute im Licht wandelt, heute von aller Sünde frei werden. Wenn er dann morgen im Licht wandelt, dann sollte das Blut Christi nichts mehr zu reinigen haben, da ja alle Sünde gestern weggereinigt wurde. Wir verstehen, in welche Richtung eine solche Lehre zeigt. Und doch ist sie natürlich wahr und biblisch! Gott aber sei gedankt, dass wir selber Bibeln haben – und den Geist als Mittler und Lehrer zur Gerechtigkeit.

„Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Röm. 8, 10. Was ist damit gemeint? Eben, dass man nicht nach der Sünde im Fleisch, nach den Lüsten im Leib leben soll; sondern dass wir uns vom Heiligen Geist leiten und treiben lassen sollen. Salomo ließ sich von den Lüsten im Leib überwinden und uns ist wohl allen bekannt, dass das möglich ist – auch wenn man geistgetauft ist. Oder ist es vielleicht nur der geschwächte Leib, der mit jemandem, der sündigt, durchgeht? Ob es nicht die Sünde selbst ist? Hab keine Angst davor, alles beim rechten Namen zu nennen. Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, dann betrügen wir uns selbst. Wir wollen aber nicht, dass „K. S.“ sich selbst betrügt, darum schreiben wir dies.

Was jetzt vor sich geht, ist nicht die Erlösung des Leibes, sondern die des Geistes. Darum ist der Leib ohne Geist tot. Jak. 2, 26. „Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen.“ Jak. 4, 5. Was die Erlösung des Leibes betrifft, erwarten wir vom Himmel den Herrn Jesus Christus als Erlöser, der unseren Leib der Erniedrigung verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe. Phil. 3, 20. Dies wird erst bei der Wiederkunft Christi geschehen.

Solange wir aber im Leib wohnen, weilen wir ferne von dem Herrn, weil in unserem Fleisch die Sünde wohnt; wenn wir aber den Leib verlassen, dann sind wir daheim beim Herrn.

Wir sollen uns der Sünde für gestorben halten, aber lebendig für Gott. Röm. 6, 11. Wenn die Sünde nicht im Fleisch wäre, dann bräuchten wir uns ihr nicht für gestorben zu halten. „So lasst nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, und leistet seinen Begierden keinen Gehorsam.“ Wir können nicht verhindern, dass die Sünde in unserem Leib wohnt, doch wir können sie daran hindern zu herrschen. Die Sünde kann ohne meine Einwilligung nichts tun. Hier wirkt das Gesetz der Gesinnung und hier wirkt das Kreuz bei jedem, der der Versuchung widersteht.

„Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.“ Wenn ich daher gegen meinen Willen das tue, was ich hasse, dann tue nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Hier sagt der Apostel wieder, dass die Sünde in ihm wohnt. Jetzt wird „K. S.“ natürlich sagen, dass er nie tut, was er hassen soll und muss – bedauerlich wenig Erkenntnis von dem Licht, in dem man wandeln sollte. Doch tut jeder Einzelne von uns sehr viele Dinge, die wir zu Recht hassen sollten. Wer im Licht wandelt, hasst sie auch, darum reinigt das Blut Christi von aller Sünde, d. h. von der bewussten Sünde.

Paulus sagt: „Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern.“ Röm. 7, 23. Wenn doch „K. S.“ dieses Gesetz sehen würde! Jakobus sah es auch, denn er fragt: „Woher kommen die Kämpfe und die Streitigkeiten unter euch? Kommen sie nicht von den Lüsten, die in euren Gliedern streiten?“ Jak. 4, 1. Existieren diese Lüste jetzt nicht mehr? Sollen noch mehr Torheiten offenbar werden, bevor man geöffnete Augen bekommt? Sollen sich die Pfingstler erst in Atome aufspalten, bevor „K. S.“ das Gesetz der Sünde in den Gliedern entdeckt? Ist die Geistestaufe und die Gabe der Zungenrede „K. S.“ so in den Kopf gestiegen, dass er stockblind für alle die Wahrheiten ist, zu denen der Geist leitet? Weiß denn „K. S.“ nicht, dass die Geistestaufe nur der Anfang ist, und dass es der Geist ist, der uns in alle Wahrheit leiten wird? Joh. 16, 13. Man wird ja nicht schon am ersten Tag, an dem der Lehrer ins Klassenzimmer kommt, voll ausgebildet. Aber es sieht danach aus – nach allen diesen Jahren –, dass „K. S.“ den Lehrer sehr gern hat – die Unterweisung durch diesen Lehrer aber sehr entschieden ablehnt. Aber liebt man den Lehrer dann wirklich??

Gott sagt zu Kain, dass die Sünde vor der Tür lauert und nach ihm Verlangen hat, dass er aber über sie herrschen soll. 1. Mos. 4, 7.

Hat nun die Sünde aufgehört, vor der Tür zu lauern? Oder lauert sie außerhalb des Leibes, um bei Gelegenheit in den entkräfteten Leib einzudringen? Ich vermute, dass „K. S.“ es so haben will. Wenn es so wäre, hätte der entkräftete Leib wahrlich oft Hausbesuch; denn wir haben diesen unliebsamen Gast immer angetroffen – nicht nur bei uns selbst – auch bei den Pfingstlern, ja, selbst beim Herausgeber von „K. S.“, denn er begibt sich oft außerhalb seiner zugemessenen Grenzen und maßt sich an, Dinge zu erklären, über die er in keiner Weise Klarheit hat. Dies ist Beweis genug, dass der entkräftete Leib von der Sünde Hausbesuch hat.

„Ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt.“ Wir brauchen nicht außerhalb von uns zu suchen, um das zu finden, was zieht und lockt. Doch gerade dieses Ziehen und Locken ist die Sünde, die ihren Sitz im Fleisch hat. Gaben wir der Begierde nach, führte das zu einem Fall – zu bewusster Sünde. Es muss ein Unterschied gemacht werden zwischen Sünde haben und Sünde tun. Dafür, Sünde zu haben gibt es keine Verdammnis, aber dafür, Sünde zu tun.

Die Braut sagt in Hohelied 1: Schwarz bin ich, aber lieblich, wie die Zelte Kedars, wie die Vorhänge Salomos. Stell dir vor, schwarz, aber lieblich. Nicht wie „K. S.“ sagt: „entkräftet“. Die Sonne hatte sie verbrannt. Ist das nicht für uns alle Trost und Freude? Schwarz, aber lieblich. Dies war die Braut selbst. Sie trug den Schatz in einem irdenen Gefäß, unter einer schwarzen Decke.

„Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet, und in dessen Geist keine Falschheit ist!“ Wenn wir ohne Falschheit im Geist sind, dann rechnet uns Gott keine Schuld an. Aber komme nicht und sage, dass wir keine Sünde haben. Nicht einmal der Himmel ist in Gottes Augen rein. Auch dieser braucht Versöhnung durch das Blut Christi.

„Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott.“ Röm. 6, 10.

Wirkte nun dieses Absterben von der Sünde nur in Jesus selbst? Der Apostel Paulus trug allezeit das Sterben Jesu an seinem Leib. 2. Kor. 4, 10. Wenn er aber das Sterben Jesu an seinem Leib trug, dann wohl deshalb, weil er Sünde im Leib hatte, zumal Jesus seinen Tod um der Sünde willen starb. Das tat er, damit das Leben Jesu an seinem sterblichen Fleisch offenbar werden sollte. „K. S.“ braucht Jesu Sterben nicht an sich zu tragen, weil die Sünde bereits weggenommen ist. Es bleibt nur ein entkräfteter Leib übrig. Er muss sogar weiter als der Apostel Paulus gekommen sein, der immerdar in den Tod gegeben wurde. Was wird aus dem neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das heißt, durch sein Fleisch, wenn die Sünde weggenommen ist? Das Land, in das die Kinder Israel hineinzogen, war voller Feinde. Doch nach den Theorien von „K. S.“ sollte es nur beschädigt und geschwächt gewesen sein von den Tagen her, als die Feinde dort lebten. Aber ist das biblisch?

„K. S.“ verwendet ständig den Ausdruck „unter dem Blut“. Das hört sich schön an, doch ist es nur ein Ausdruck, den die menschliche Weisheit lehrt. Der Geist lehrt niemals so etwas Unschlüssiges und Lasches. Wer will, denke darüber nach, und ihr werdet herausfinden, dass es sinnlos ist. Man stellt sich wohl nicht unter das Blut wie unter einen Wasserfall? Das Blut wirkt ja im inneren Wesen, das ist das Sterben Christi. Man kann sich nicht darunter stellen, ohne Jesus vor sich zu haben. Wer Jesus in sich hat, trägt auch sein Sterben und damit sein Blut in sich. Wer sich „unter etwas“ stellt, beweist ja damit, dass er lebt. Doch wir müssen sterben, wenn wir leben wollen.

„K. S.“ verweist auf Adam und Eva vor dem Fall als einen vollwertigen Beweis dafür, dass es möglich sei, durch und durch rein zu sein und doch in Sünde zu fallen. Lasst uns das etwas näher betrachten. Gott hatte zum Menschen gesagt, dass er von allen Bäumen im Garten essen könne; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollte er nicht essen. 1. Mos. 2, 16. Dann kam die Schlange und sagte: „Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?“ 1. Mos. 3, 1. Beachte, dass die Schlange Eva verwirrt, indem sie von „keinem Baum“ sagt. Hierauf erwidert die Frau: „Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen; aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt! Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was gut und böse ist!“

Nun begann die Frau, an Gott zu zweifeln und an Satan zu glauben. Die Sünde war bereits in sie gepflanzt, bevor sie von der Frucht des Baums gegessen hatte. Sie war gleich dem Mann, der eine Frau ansah, ihrer zu begehren. Die Sünde war bereits in ihrem Herzen vollzogen. Die Frau glaubte mehr an Satan als an Gott. Dies war Unglaube und Unglaube ist Sünde. Da begann die Frau, den Baum anzusehen und fand, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend sei, weil er klug mache. All dies geschah, bevor sie von dem Baum nahm und von der Frucht aß, eben weil die Sünde bereits in sie gepflanzt war. Wie kann dann „K. S.“ sagen, dass sie rein war?? War es nicht die Sünde in ihrem Leib, die ihr die Kraft gab, von der Frucht des Baumes zu nehmen und zu essen? Doch, ganz bestimmt. Satan war davongegangen, als sie von dem Baum nahm. Was er in sie gepflanzt hatte, gab ihr Kraft genug, um zu sündigen. Sie wurde von ihrer eigenen Lust gereizt und gelockt – die die Schlange in sie gepflanzt hatte.

„K. S.“ verweist auf 1. Thess. 5, 23: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“

Diese Schriftstelle wollte man als weiteren Beweis dafür anführen, dass der Leib ohne Sünde wäre. Weiß „K. S.“ nicht, dass geheiligt zu sein nicht dasselbe ist, wie heilig zu sein? Ein ungläubiger Mann kann ja aufgrund seiner gläubigen Frau geheiligt sein, ist er aber deshalb heilig? Nein, er ist alles andere als heilig, vielleicht ist er ein Trunkenbold. Durch und durch geheiligt zu sein, ist also nicht das gleiche, wie durch und durch heilig zu sein, sondern durch und durch dem hingegeben zu sein, was mich heilig machen kann.

Leib, Seele und Geist sollten vollkommen untadelig bewahrt werden. Das heißt, in dem Zustand bewahrt zu werden, dass es nichts zu tadeln gibt. Doch von da aus zur Heiligkeit ist es wohl ein Riesensprung. Wenn wir unseren Leib jederzeit als ein Gott wohlgefälliges Opfer hingeben, sind wir vollkommen untadelig, denn das ist unser vernünftiger Gottesdienst. Wäre aber der Leib ohne Sünde, dann könnte wohl keine Rede davon sein, ihn als ein Opfer hinzugeben.

Die Christus angehören, haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden; und wir wissen, dass jeder verflucht ist, der am Holz hängt.

Wenn wir nun am Holz hängen (dem Fleisch nach gekreuzigt sind) und verflucht sind, wie kann man dann verflucht sein, ohne Sünde zu haben? Der entkräftete Leib ist wohl nicht verflucht? Wenn die Sünde von ihm weg ist, dann sollte es sehr gut sein; denn Gott sagte von allem, was er erschaffen hatte, dass es sehr gut war. Aber ist nun dieses Fleisch sehr gut?? Welche Erfahrungen hat „K. S.“ auf diesem Gebiet gemacht?? Doch zu Satan sagte Gott, dass er verflucht sein sollte. Er sagte das nicht zu einem entkräfteten Leib. Wo steht übrigens in der Bibel von einem entkräfteten Leib? Dieser Ausdruck hat seine Wurzeln wohl am ehesten in der menschlichen Phantasie.

Wenn doch „K. S.“ mit uns einig sein wollte, sodass er die Sünde im Fleisch eingestehen würde – wie viel Gutes könnten wir dann doch miteinander teilen, denn Sein Fleisch ist die wahre Speise und Sein Blut ist der wahre Trank. Doch nun sagt „K. S.“, dass er keine Sünde hat, deshalb müssen wir der Schrift glauben, die sagt, dass er sich selbst betrügt, und die Wahrheit nicht in ihm ist.

„K. S.“ möchte nicht für eine Zeitschrift gehalten werden, die „Sündenfreiheit“ lehrt, und das können wir gut verstehen. Wenn aber die Zeitschrift lehrt, dass man weder Sünde tut noch Sünde hat, dann müssen wir unweigerlich glauben, dass sie „Sündenfreiheit“ lehrt, auch wenn sie an einen geschwächten Leib glaubt, der früher im Dienst der Sünde stand.