Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1922-04 - Heiliger Hass

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Heiliger Hass

Kann man im Heiligen Geist hassen? Ja, mit einer Gründlichkeit so stark wie der Tod selbst. Der Hass richtet sich nicht gegen Menschen, sondern gegen die Sünde und die Lehren, die in die Sünde hinausführen, wie auch gegen den Egoismus.

Christi Lehre kann nicht auf Gefühle gegründet werden. Es fühlt sich gesegnet an, wenn man Vergebung für seine Sünde bekommt. Es fühlt sich herrlich an, den Heiligen Geist als seinen Wegleiter und Fürsprecher zu bekommen. Doch es fühlt sich weniger angenehm an, wenn der Geist uns zu unseren Feinden, zu unserem Egoismus, zum Kreuz und zu den Werken des Gehorsams führt. Man jubelt, solange Gott gibt, ebenso wenn von allen Verheißungen Gottes an uns die Rede ist. Doch sobald Gott etwas fordert, wird man oft sauer und verdrossen, und sollte jemand über den Gehorsam des Glaubens Zeugnis geben, dann weist man ihm die Tür und bezeichnet ihn als „Gesetzesknecht“. Man hasst also gerechte Werke des Glaubens, man hasst den Tod über den Egoismus und die Lehre, die der Gottesfurcht entspricht. Dieser Hass ist kein heiliger Hass, daher fallen auch so viele ab, und dennoch wundert man sich darüber, dass sie abfallen.

Der heilige Hass richtet sich gegen die Sünde und den Egoismus. Er richtet sich gegen falsche Lehre, gegen die Feindschaft gegenüber dem Kreuz und gegen die Werke des Leibes. Ja man hasst dann auch den Rock, der vom Fleisch befleckt ist.

Wenn dieser Hass unter den Gläubigen wirksamer würde, dann würde Gottes Name unter den Gottlosen weniger verspottet werden. Wenn aber die Evangelisten die Lehrer aus der Gemeinde vertreiben und sich anmaßen, „Alleskönner“ zu sein, dann geht es so, wie es sich derzeit zeigt. Gott lässt sich nicht spotten.

Es gab eine Zeit, da posaunte man hinaus, dass in Skien das Feuer brennen würde. Dann fiel das Feuer in Sarpsborg. Dann wurden sie erst hier, dann dort mit Feuer getauft.

Wer nun tatsächlich von Gottes Feuer getroffen wird, lässt nicht vor sich her posaunen. Still und sich über sich selbst schämend leidet er, bis Ruhe eintritt – er wünscht keine Einmischung in die Angelegenheiten seines Herzens. Er hasst sich selbst mit einem göttlichen, heiligen Hass und trägt Leid über sich selbst. Seine Feuertaufe hinauszuposaunen wäre ebenso unpassend, wie bei einer Beerdigung zu tanzen. Doch die Sache ist die, dass man nicht weiß, was die Feuertaufe ist. Man glaubt fast, dass sie eine Zugabe zu all den anderen Herrlichkeiten und Annehmlichkeiten ist. Die Schrift sagt: Wenn wir mit ihm leiden, werden wir auch mit ihm verherrlicht werden. Wenn wir in der Versuchung wie Jesus leiden, dann kann von Sieg die Rede sein. Doch der Mensch will lieber sündigen als leiden.

Es zeigt sich, dass die Sünde vor der Tür lauert und dass sie nach uns Verlangen hat. Wie eingebildet und dumm ist es dann, sich selbst und anderen einzureden, dass die Sünde aus dem Fleisch weggenommen sei. Nein, sie wurde nicht weggenommen. Die Lehre, die uns sagt, dass die Sünde weggenommen worden sei, ist von Satan und führt die Menschen ins Verderben. „Wenn wir sagen, wir haben eine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ 1. Joh. 1, 8. Werdet nicht in großer Zahl Lehrer, da solche eine größere Verantwortung haben. Wir kämpfen nicht gegen die, die fallen. Denn es ist ehrenwert, Abgefallenen wieder auf die Beine zu helfen. Vielmehr wollen wir für sie beten und sie lieben. Aber an die Leitenden, die meinen zu stehen, die sich für Lehrer von Gottes Volk halten, die sich anmaßen, Gemeinden zu gründen und vor dem Weg des Kreuzes und vor dem Wort vom Kreuz warnen – an diese wollen wir ein ernstes Wort richten.

Ich weiß, dass in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt, ob man mit dem Geist getauft wurde oder nicht. Vielmehr wohnt in unseren Gliedern ein Gesetz der Sünde. Und sind wir nicht wach, dann kann uns dieses in alle möglichen Sünden hineintreiben. Röm. 7, 23, Jak. 1, 14, Jak. 4, 1.

Ich möchte empfehlen, etwas mehr über die Sünde im Fleisch zu lernen und nicht die Augen vor den Wahrheiten zu verschließen, die von diesen äußerst ernsten Dingen handeln.

Vielleicht ist es letztendlich die größte Liebe, die sich Feinde schafft – indem sie die Wahrheit sagt.