Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Johan O. Smith

Skjulte Skatter 1922-01 - Jesus allein

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Jesus allein

Auf den ersten Blick sieht dieses „Jesus allein“ so schön aus. Man findet diese Worte an den Wänden freikirchlicher Versammlungshäuser und in deren Schriften als Ausdruck dafür, dass es ein Volk ist, das von Menschen frei gemacht ist.

Aber ist Jesus nun in die Welt gekommen, um sich von Menschen frei zu machen? Kam er nicht, um ihre Not zu teilen und ihnen aus den Schwierigkeiten zu helfen? Es ging ihm nie ums eigene Wohlergehen. Er liebte die Menschen und gab sein Leben für sie. Aber in diesem „Jesus allein“ kann man so Vieles unter einer frommen Maske verbergen. Wird man beleidigt, kann man weggehen und sich damit trösten, dass man Jesus allein hat; denn die Menschen enttäuschen mich nur und schaden mir.

Jesus betet zu seinem Vater und sagt: „Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind.“ Joh. 17, 22.

Hätte Johannes nun zu Petrus gesagt: Es ist mir egal, Petrus, was du sagst, denn ich habe Jesus allein. Wäre dann Jesu Gebet erfüllt worden?

Jesus als Haupt des Leibes (der Gemeinde) hält den ganzen Leib zusammen, stützt ihn und fügt ihn durch Gelenke und Bänder zusammen, sodass er nach Gottes Wirken wächst. Kol. 2, 19. Wenn die Arme zu den Beinen sagen würden: Wir brauchen euch nicht, denn wir haben Jesus allein, was würde dann aus dem Leib werden?

Jeder von uns muss persönlich mit Jesus Christus in Verbindung stehen. Wir können aber niemals einen „Jesus allein“ bekommen, denn der Leib ist aus den Vielen zusammengesetzt. Will man einen Jesus allein haben, dann deshalb, weil man verbittert ist über das Zusammenschmelzen und das Feuer, das die Feindschaft innerhalb der Gemeinde verzehrt, sodass die Gemeinde als Leib wachsen kann. Deshalb sondert man sich auf seelische Weise ab, um etwas für sich selbst zu bekommen, um dadurch die Zucht zu umgehen, die ein zusammenschweißendes Gemeindeleben mit sich bringt.

„Auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.“ Eph. 2, 21-22. Jeder Stein im Bauwerk steht in Verbindung mit dem benachbarten Stein und erhält sein Wachstum nach der jedem Glied zugeteilten Wirksamkeit. Ein Stein kann sich nicht, weil er die anderen Steine nicht leiden kann, aus dem Bauwerk losreißen und sagen: „Jesus allein“ ist mir genug.

Zur Zeit Jesu gab es Bauleute, die ihn, der zum Eckstein, zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Ärgernisses gemacht wurde, verwarfen. 1. Petr. 2, 7. Auch die Bauleute unserer Zeit verwerfen ihn als den Haupteckstein im Bauwerk. Sie wollen Jesus allein haben – ohne dass er ein Haupteckstein in einem geistlichen Bauwerk ist. Gerade deshalb wird er für sie ein Fels des Ärgernisses und ein Stein des Anstoßes.

„Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi.“ Eph. 4, 11-13.

Wenn man nun von all diesen Dienern in der Gemeinde nichts wissen will, sondern nur „Jesus allein“ haben will, wie kann man dann zur vollen Mannesreife in Christus heranwachsen? Wenn jemand in der Gemeinde unterweisen will, wird er aufgefordert zu schweigen, denn Jesus allein ist ihnen mehr als genug. Will ein Hirte sich der Lämmer annehmen, wird ihm davon abgeraten; denn jedem Einzelnen von ihnen ist Jesus allein genug.

Ob diese schöne Decke nicht Satan allein gemacht und damit den Sinn von Vielen betört hat? Denn sie kommt mir sowohl zu kurz als auch zu schmal vor; sie kann die Torheit nicht verbergen, obwohl diese Decke von den heutigen Bauleuten gepriesen wird.

Wenn Gott eine Decke über das Herrliche legt, dann ist diese lang und breit genug.