Die Gemeinde
18. Dez. 1921
Die Lutheraner teilen das Land in Pfarrbezirke auf und setzen in jedem Pfarrbezirk einen Pfarrer ein. Die Leute in einem Pfarrbezirk werden Gemeinde genannt, ob sie nun Diebe, Räuber, Hurer oder Mörder sind. Die Schrift sagt, dass solche das Reich Gottes nicht erben werden. Gal. 5, 19-21.
Die Laienprediger bilden massenhaft Gemeinden auf Grund der Bekehrung zu Gott. Sind Menschen erst einmal in eine Gemeinde hineingekommen, dann bleiben sie meistens auch dann noch lange dort, wenn alle Kennzeichen des Lebens mit Gott den Menschen verlassen haben. Wenn nur der Schein der Gottesfurcht vorhanden ist, dann nimmt man es nicht so genau damit, ob man deren Kraft verleugnet. 2. Tim. 3, 1-5.
Christus ist das Haupt der Gemeinde, Eph. 5, 23, und die Gemeinde ist Sein Leib. Die Gemeinde ordnet sich Christus unter. Eph. 5, 24.
Ebenso wie Christus lebendig ist, muss auch die Gemeinde lebendig sein. Alle Anweisungen gehen vom Haupt aus an jedes einzelne Glied. Die Gemeinde ist also ein lebendiger Organismus. Wer geistlich tot ist, kann der Gemeinde nicht angehören, genau so wenig, wie ein totes Auge oder sonst irgend ein anderes totes Glied mit dem übrigen Leib in Verbindung bleiben kann.
Die Korinther waren durch Christus in allem reich gemacht worden, in aller Lehre und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus war in ihnen kräftig geworden, so dass sie keinen Mangel an irgendeiner Gabe hatten. 1. Kor. 1, 4-7. Aber dennoch konnte der Apostel nicht zu ihnen reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. 1. Kor. 3, 1 ff. Der Beweis dafür, dass sie fleischlich waren, war, dass einer sagte, er gehöre zu Paulus, ein anderer sagte, er gehöre zu Apollos. Paulus hat gepflanzt und Apollos hat begossen; wer pflanzte, war nichts, und wer begoss, war nichts, sondern Gott, der das Gedeihen gab.
Genau dieselbe Geschichte erleben wir in unseren Tagen erneut. Einer hält sich zu Pastor X, ein anderer zu Prediger Y und ein Dritter zu Vorsteher Z. Ist man dann nicht fleischlich? Man lädt sich selbst Lehrer auf, nach denen einem die Ohren jucken. 2. Tim. 4, 3.
Man schreibt sich in die Gemeinde ein und tritt aus der Gemeinde aus wie in einem Abstinenzlerverein. Kann sich wohl jemand, der ein Glied an Christi Leib ist, zeitweise losreißen, um sich dann nach einiger Zeit wieder einzufügen? Oder kann man ein Bein für einen Monat lang abhauen, um es in einem anderen Monat wieder anzufügen? So etwas gedenkt man zu tun, wenn man in einer Gemeinde rein und raus will. Oder was schlimmer ist: man denkt nicht.
Soweit ich es verstehen kann, betreiben die Leiter mitten in diesem Wirrwarr beträchtliche Geldspekulationen. Sendet Gott eine Erweckung, beansprucht eine einzelne Partei diese für sich. Um diese Erweckung hüpft und tanzt man wie Israel um das goldene Kalb – noch lange nachdem die Erweckung aufgehört hat. Es wird geschrieben und geredet und geworben, und der Beweis dafür, dass gerade unsere Parteiung die richtige ist, zu der Gott sich bekennt, ist, dass die Erweckung zu uns gekommen ist und unsere ist. Aufgrund dieser Erweckung kann man dann neue Gemeinden organisieren und Geld verdienen.
Der Herr fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden. Es steht nichts davon geschrieben, dass man bei Petrus, Jakobus oder Johannes ein Gesuch einreichen musste, um in die Gemeinde aufgenommen zu werden. Wenn der Herr zur Gemeinde hinzugefügt hatte, glaube ich, dass die Apostel sich davor gehütet haben, Aufnahmegesuche entgegenzunehmen. Aber in unseren Tagen schämt man sich nicht, Anträge zur Aufnahme in die Gemeinde anzunehmen, und man schämt sich nicht, solche Anträge zu genehmigen. Es fehlt jetzt nur noch, dass man einen bestimmten Geldbetrag entrichten muss, um aufgenommen zu werden. Wer weiß, wo das Ganze enden wird, wenn die Leitung so schlecht ist.
Gehören wir Christus an, dann gehören wir der Gemeinde an, ob sie uns in ihrer Gemeinde haben wollen oder nicht. Die Gemeinde ist mit Christi Blut erkauft – ohne dass wir Gesuche an Menschen einreichen, die selbst Erlösung brauchen.
Der Sinn des Gemeindelebens ist, dass Jesus uns in der Gemeinde ausbilden kann und seine Gemeinde ohne Flecken oder Runzel darstellen kann. Eph. 5, 27. Der Einzelne soll hier seine geistliche Ausbildung dadurch erhalten, dass die verschiedenen Gnadengaben wirksam werden. Man hat kein Recht, den aus der Gemeinde auszuschließen, dessen Dienst es ist, sie rein zu halten. Geldspekulationen und Eigeninteresse erhalten meistens die Oberhand, und es geschieht, was geschrieben steht: Ihr werdet aus den Synagogen ausgeschlossen und um meines Namens willen von allen Menschen gehasst werden. Dann bleibt nichts anderes übrig, als zu ihm hinaus aus dem Lager zu gehen und seine Schmach zu tragen. Denn es ist fast immer so: Wer Reinheit und Gottesfurcht will, wird als hart und querköpfig geschmäht. Sein Eifer wirkt so, dass nur wenige übrigbleiben wie bei Jesaja – und das erträgt man nicht. Die Massen besitzen das Geld, daher: weg mit dem Propheten, weg mit der Wahrheit, lasst die Münze klingen – um nicht zu sagen die 30 Silberlinge.
Was ist also zu tun? Sollen wir uns in gar keine Gemeinde einschreiben? Ja, nirgends! Wir sind durch einen Geist zu einem Leib getauft, das ist die Gemeinde. Kol. 1, 24; 1. Kor. 12, 13.
Wenn Gott uns in das Buch des Lebens geschrieben hat, brauchen wir uns nicht von Menschen mit Feder und Tinte in ihr Buch eintragen zu lassen. Bist du nicht im Buch des Lebens eingeschrieben und hat der Herr dich nicht zur Gemeinde hinzugefügt, dann wirst du auch keinesfalls dadurch zur Gemeinde hinzugefügt, dass du dich hier auf der Erde bei irgendeiner Gemeinde einschreiben lässt.
Wo zwei oder drei im Namen des Herrn versammelt sind, da ist die Gemeinde, und da wird der Herr mitten unter uns sein. „Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben.“ Joh. 4, 23. Eine Versammlung solcher Anbeter bildet die Gemeinde, und unter diesen hat er Apostel, Hirten, Evangelisten und Lehrer eingesetzt. Es gibt Gnadengaben wie Zungenrede, Auslegung der Zungenrede, Weissagung, die Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten usw.
Werde nicht der Menschen Knecht, denn du bist teuer erkauft.
