Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1919-12 - Der Epheserbrief

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Der Epheserbrief

Er eignete sich während dieser Wanderung ein Licht und eine Erkenntnis des Geheimnisses Christi an, die keiner von den Alten zu empfangen imstande war. Denn die unzähligen Opfer innerhalb des Leibes machen der Sünde auf immer ein Ende, während die Opfer außerhalb des Leibes nur an die Sünde erinnern.

Paulus war ein Diener des Geistes und lernte, des Geistes Sinn zu verstehen. Da nun des Geistes Sinn der Sinn Gottes und Gottes Sinn Christi Sinn ist, hat Paulus durch den Wandel im Geist denselben Sinn bekommen. Das ließ die Gemeinschaft innig werden. Paulus wurde hellhörig, weil er willig war. Als solcher wurde er viel gebraucht und hatte bis ins Unendliche Bedarf an Licht, um all die schwierigen Fragen innerhalb der Gemeinden zu klären. Gott, der all unser Verlangen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit erfüllt, sparte da auch nicht mit Offenbarungen und Einsicht. Er ließ den Apostel in unausforschliche Herrlichkeiten hineinblicken, damit dieser dadurch mit Eifer erfüllt würde, den Gemeinden zu dienen, und damit diese wiederum wachsen und im Glauben gestärkt werden sollten.

Wenn wir uns nun durch den ewigen Geist selbst opfern, werden wir nicht allein Erkenntnis darüber bekommen, was Christus litt, sondern wir werden die Leiden und die Herrlichkeit mit ihm teilen. Die Weisheit, die in Christus ist, fließt gesetzmäßig in uns über. Seine Geheimnisse werden unser Leben, daher wird unser ganzes Leben ein Geheimnis. Wenn es auch geheimnisvoll ist für alle, die außerhalb sind, so ist es doch offenbar und ausgebreitet für denjenigen, der das Leben hat.

Der Apostel als Diener der Heiden

Nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist.“ V. 6 und 7.

Gott führte den Apostel im Geist mit Macht zu der Erkenntnis, dass die Heiden Miterben waren und zum Leib Christi gehörten. Paulus sah im Geist, wie der natürliche Leib durch den Geist als Opfer ausgesondert wurde. „Einen Leib hast du mir bereitet.“ Er sah, wie die Heiden mit einem Geist zu einem Leibe getauft wurden.

Daraufhin drang er in den Leib ein und wurde ein Diener Jesu Christi für die Heiden. Die Arbeit des Geistes besteht nicht allein darin, zu einem Leib zu taufen, der Geist soll in den natürlichen Leib hineindringen und sich die Opfer auswählen. In dieser Arbeit war Paulus Gottes Mitarbeiter, während die Gemeinde selbst Gottes Ackerland war. Er verwaltete priesterlich Gottes Evangelium, indem er sein Schwert nicht aufhielt, Blut zu vergießen. Gott ersah sich das Opfer, und der Apostel verrichtete den Priesterdienst, indem er die Heiden zum Gehorsam des Glaubens hinführte. Röm. 15.

Um nun den Priesterdienst tun zu können, musste Paulus selbst in dem geprüft sein, worin er anderen helfen sollte. Gottes Wort musste an ihm und in ihm erfüllt werden, damit er es in anderen erfüllen konnte.

Die Erkenntnis über den Leib ist auch in unseren Tagen ein großes Geheimnis, und um wieviel größer ist dann die Erkenntnis über die Opfer im Leib. Auf dieselbe Weise wird der Dienst durch die Geistestaufe groß, doch der Priesterdienst im Leib durch den Geist wird noch viel größer.

Die Herrlichkeit des Erbes nimmt an Wert nach der Anzahl der Opfer zu. Denn je mehr man opfert, desto gottesfürchtiger und heiliger und reiner ist man.

Wenn nun der Leib durch den Geist zu einem einzigen großen Opfer ausersehen ist, dann sind doch viele Opfer innerhalb dieses einen Leibes schwieriger zu opfern als der Leib als Ganzes.

Während dieser Arbeit benötigt Gott Mitarbeiter. Der Vorsprung des Apostels vor den Heiden hierin war, dass er sich wie Jesus selbst durch einen ewigen Geist als Opfer darbrachte, während die Heiden die Mithilfe eines Apostels benötigten, um diese Opfer hervorzubringen.

Der Allergeringste erleuchtet alle

Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, unter den Heiden den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, um alle darüber zu erleuchten, welches die Gemeinschaft ist, die als Geheimnis von den Ewigkeiten her in Gott verborgen war, der alles erschaffen hat.“ V. 8 und 9.

Heuchelei und Lüge sind so verbreitet, dass wohl niemand glauben wird, dass der Apostel es ernst meinte, als er sagte, er sei der Allergeringste unter allen Heiligen. Und doch trieb ihn der Geist dazu, dies zu sagen.

Ja, er war sehr gering in seinen eigenen Augen. Der kleinste egoistische Gedanke oder die geringste Aufgeblasenheit bewirkt, dass sich der Geist zurückzieht. Aber nun war die Haushaltung mit diesem Geheimnis, das Paulus verkündigte, ihm im Geist geoffenbart. Der Geist zeugt nicht von irgendeinem Menschen, er zeugt nicht einmal von sich selbst. Er zeugt von Christus. Um Offenbarungen des Geistes zu bekommen, muss man sehr gering in seinen eigenen Augen sein. Im Geist zu forschen – und Entdeckungen zu machen und anderen mit diesen zu dienen, erfordert, dass man geringe Gedanken über sich selbst hat.

Paulus hatte von sich selbst den Eindruck, dass er den Engeln wie auch den Menschen ein Schauspiel war – ein Schuhabstreifer für alle. Dies kam daher, dass er in all seinem Dienst vom Geist getrieben Widerstand leistete gegen das Fleisch anderer Menschen, um es als Opfer ans Kreuz zu bringen. Dies trug ihm viel Widerspruch und viele Trübsale ein. Diese wiederum wirkten in einer solchen Weise auf ihn, dass er sich als der allergeringste, der allerelendste unter allen Heiligen vorkam.

Viel Widerspruch von allen Seiten macht elend. Darum heißt es von Jesus, dass er geplagt, geschlagen und gemartert war. Wenn dann das wahre Licht auch bei uns selbst von nichts anderem als von Elend zeugt und uns durch seine Gerichte des Lichts viele Opfer abverlangt, dann nimmt das Elend zu, sodass man der Geringste von allen Heiligen wird. Denn man hat Menschen gegen sich nach dem Geist und Gott gegen sich nach dem Fleisch.

In diesem Zustand ist man demütig genug, allen Licht darüber zu vermitteln, wie die Haushaltung mit dem Geheimnis, das von ewigen Zeiten her in Gott verborgen war, vor sich geht.

Die Haushaltung wird durch das Gericht des Lichts klar dargelegt. Die Vielfalt der Opfer in Verbindung mit mancherlei Art von Priesterdienst zwingt Rechtssachen hervor, in denen durch Licht und Vollkommenheit (Urim und Tummim) Urteile gefällt werden. Man kommt dadurch der Sünde im Fleisch bei und man kommt zu diesem: „Das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch.“ Röm. 8, 3.

Eine Haushaltung mit diesem Licht und diesem Gericht ist auch in unseren Tagen ein Geheimnis; denn das Fleisch windet sich und wehrt sich dagegen, Gegenstand einer so radikalen Behandlung zu sein. Aber wo man mit Christus leidet und wo man um Seines Namens willen alles erduldet, da wird mit diesen höchst verborgenen und geheimen Dingen eine Haushaltung betrieben innerhalb des Vorhangs – seinem Fleisch.

Hier wird von Stunde zu Stunde eine Haushaltung mit Lebenswerten betrieben, hier verliert man Leben und findet man Leben in einem fort. Das macht diese Haushaltung spannender und interessanter als jede andere Haushaltung.

Willst du dich dort hineinwagen und an der Haushaltung teilhaben? Willst du dich vom Allergeringsten bedienen lassen?

Gottes mannigfaltige Weisheit wird kundgetan

Damit jetzt kundwerde die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Himmel durch die Gemeinde. Diesen ewigen Vorsatz hat Gott ausgeführt in Christus Jesus, unserm Herrn.“ V. 10 und 11.

Schon von ewigen Zeiten her hatte Gott sich vorgenommen, durch die Gemeinde den Mächten und Gewalten im Himmel seine mannigfaltige Weisheit kundzutun.

Aus der Tiefe berief er uns: aus Ägypten holt er seinen Sohn. Aus dem Dreck richtet er den Armen auf und setzt ihn unter Fürsten. Ihn, der geplagt, geschlagen und gemartert war, ihn, den man für nichts achtete, setzt Gott zu seiner Rechten, um die zukünftige Welt zu regieren. Was nichts ist in dieser Welt, das hat Gott erwählt, damit er das beschäme, was etwas ist.

Gottes Weisheit gedeiht unter denen, die arm sind, die kein Ansehen haben. Aus diesen geht ein Volk hervor, das ewig Zepter und Stab tragen wird.

Wenn nun die Mächte und Gewalten im Himmel, die zu allen Zeiten in ihrer Kraft und Herrlichkeit gelebt haben, dies zu sehen bekommen, dann werden sie höchst verwundert sein über Gottes Weisheit. Sie werden dann in die Lage versetzt, mit vollem Verständnis und aus tiefster Seele Gott zu preisen. Auf diese Weise bekommt Christi Blut in einem tieferen Sinn durch die Gemeinde eine unmittelbar wirkende Kraft auf die Mächte im Himmel zur Versöhnung mit Gott. Die Engel konnten an einem einzigen Tag dreitausend Menschen in der Wüste niederschlagen, und sie konnten als Schutz vor den Heerscharen des Herrn stehen. Sie konnten Lot aus Sodom befreien und Petrus aus dem Gefängnis, doch die Kraft und Weisheit Gottes war ihnen fremd, die sich in armen und elenden Menschenkindern entwickelte, sodass diese in all ihrer Schwachheit Satan selbst besiegten. In diese mannigfaltige Weisheit begehren sie hineinzuschauen, um Erkenntnis darüber zu erlangen, wie es möglich ist, dass der Same des Weibes der Schlange den Kopf zertreten konnte – und dies in einer derart schwachen Verfassung.

Gottes Ruhe, unsere Ruhe in Gott und die Ruhe der Mächte und Gewalten im Himmel wird vollkommen, wenn Gottes ewiger Plan mit Christus Jesus in seiner ganzen Fülle vollbracht ist – ohne Einschränkungen.

Wenn das soweit ist, werden die Mächte und Gewalten durch die Gemeinde zur vollen Einsicht in die Tiefen Gottes gelangt sein. Die Ehre, mit der sie durch diese Erkenntnis den Vater ehren können, wird dadurch vollkommen, weil Gottes Werk im Sohn vollkommen ist.

Die Bedrängnisse des Apostels sind die Ehre der Gemeinde

Darum bitte ich, dass ihr nicht mutlos werdet wegen meiner Bedrängnisse um euretwillen, die euch eine Ehre sind.“ V. 13.

Jeder, der in Geist und Wahrheit ein Diener des Herrn ist, weiß, dass es zwei Arten von Trübsalen gibt. Zunächst Trübsale um seiner selbst willen, dann Trübsale um der Gemeinde willen.

Gott macht es so, damit derjenige, der in der Gemeinde dient, einen Vorsprung haben soll und auf den Gebieten geprüft ist, auf denen er anderen helfen soll.

Die Trübsale für die Gemeinde sind weit größer als die persönlichen Trübsale, darum fördern sie die Entwicklung des Gemeindedieners in einem viel höheren Maß als die persönlichen.

Der Apostel wollte die Kolosser wissen lassen, wie groß sein Kampf war, den er für sie und die Gemeinde in Laodicea hatte. Kol. 2, 1.

Alle gegenseitigen Streitigkeiten fielen auf den Apostel zurück, er musste in den Schwierigkeiten klären. Darum wünschte er innig, dass ihre Herzen getröstet würden und hingelangten zu allem Reichtum völliger Gewissheit im Verständnis, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist.

Dadurch, dass sie erfuhren, wie groß die Trübsal war, die er für sie litt, würde ihre Sicht klar werden. Er, den sie in ihrer Unwissenheit so gering unter ihnen ansahen, würde plötzlich groß werden, und seine Trübsale für sie, deren sie sich hätten schämen sollen, würden zu ihrer Ehre werden, wenn ihnen die Augen dafür aufgingen, wieviel Gott und Menschen für sie opferten.

Er wünschte innig, dass sie zu Gottes Geheimnis vordringen würden. Alle Stärke hat ihren Grund in einem Geheimnis. Selbst die Kraft der Gesetzlosigkeit hat ihre Wurzeln in Geheimnissen, darum heißt es „Geheimnis der Gesetzlosigkeit“. Wer seine Quellen in den Geheimnissen Christi hat, lässt sich nicht umhertreiben von Menschenlehren und fremdartigen Auslegungen der Schrift. Wir wünschen von Herzen mit dem Apostel, dass Gottes Volk zu völliger Gewissheit im Verständnis gelangen möge, das Geheimnis Gottes, Christus, zu erkennen. Unterwegs aber zu diesem hohen Ziel gibt es Trübsale aller Art zu durchleiden, die, wenn sie erst einmal bekannt werden, sowohl der Gemeinde wie deren Apostel zur Ehre werden.

Der verborgene Dienst des Apostels

Derhalben beuge ich meine Knie vor dem Vater.“ V. 14.

Wie konnte er anders! Es war ihm ja unmöglich, ihnen mit dem Verständnis, das er hatte, und mit der mannigfaltigen Weisheit, die er besaß, begreiflich zu machen, mit welchem Reichtum an Liebe er sie liebte. Ihre Fleischlichkeit hinderte sie, diesen Apostel zu begreifen, der so reich und mächtig in Gott war. Er wollte sie gerne mit seiner ganzen Fülle an Gottes Liebe umfangen, aber er fand nicht im Entferntesten verständnisvolle Gegenliebe. Dagegen fand er reichlich Ablehnung, Selbstklugheit und Aufgeblasenheit. Dies brachte ihm große Leiden ein, und in eben diesen Leiden beugte er seine Knie vor ihm, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden.

Dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen.“ V. 16.

Dies war das innige Gebet des Apostels für die Epheser. Die Reichtümer an Herrlichkeit finden sich in Gott. Doch nun betet Paulus, dass diese gewaltigen Reichtümer durch den Geist auf die Gemeinde übertragen würden, ebenso wie sie auf ihn übertragen worden waren. Wäre der Apostel nicht selbst im Besitz dieser kostbaren Schätze gewesen, hätte er unmöglich Gott darum bitten können, sie anderen zu schenken – er hätte ja sonst nicht gewusst, dass etwas so Herrliches existierte.

Diese Reichtümer der Herrlichkeit, von denen die Epheser nichts wussten, entwickeln sich durch den Geist zu einer gewaltigen Kraft für den inwendigen Menschen. Man erlangt sie in der Leidensgemeinschaft Christi.

Wenn man sie einfach ohne Leiden, ohne Trübsale bekommen könnte, dann würde jedermann geradewegs zu Gott marschieren und von ihm alle diese herrlichen Dinge fordern. Nun hat aber Gottes Weisheit den Weg zu den Herrlichkeiten Christi durch den Vorhang, das Fleisch, angelegt, und so muss jeder, wer es auch ist, zusehen, so gut er kann, ihrer habhaft zu werden.

Das Licht des Apostels hierüber führte ihn in einen tiefen und verborgenen Dienst für die Gemeinde und die Gemeinden.