Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Skjulte Skatter 1919-09 - Der Epheserbrief

Gesammelte Schriften Band 3 • 1918 - 1923

Der Epheserbrief

Stephanus sagt: „Ihm wollten unsre Väter nicht gehorsam werden, sondern sie stießen ihn von sich und wandten sich in ihrem Herzen wieder Ägypten zu und sprachen zu Aaron: ‚Mache uns Götter, die vor uns hergehen; denn wir wissen nicht, was diesem Mose, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, widerfahren ist.‘

Und sie machten zu der Zeit ein Kalb und opferten dem Götzenbild und freuten sich über das Werk ihrer Hände.

‚Habt ihr vom Hause Israel die vierzig Jahre in der Wüste mir je Opfer und Gaben dargebracht?

Ihr trugt die Hütte Molochs umher und den Stern des Gottes Räfan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, sie anzubeten. Ihr Halsstarrigen, mit verstockten Herzen und tauben Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr.

Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die zuvor verkündigten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.

Sie schrien aber laut und hielten ihre Ohren zu und stürmten einmütig auf ihn ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Apg. 7.

Jesus sagt von ihnen: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!“ Mt. 23, 37.

Obwohl es derart elend um sie bestellt war, glaubten sie von sich selbst, die „Beschnittenen“ zu sein, erhaben über diese „unbeschnittenen“ Heiden. Obwohl sie das Gesetz nicht gehalten hatten, rühmten sie sich doch des Gesetzes, der Väter und der Testamente.

Sie waren ein halsstarriges Volk und doch beanspruchten sie die Ehre, Abrahams Kinder zu sein. Sie rühmten sich des Gesetzes, das sie täglich übertraten und der Väter und Propheten, die sie gesteinigt hatten. In dieser eingebildeten Würde sahen sie auf die Heiden als auf unreine Wesen herab.

Doch Gott hatte Abraham zum Vater vieler Völker gesetzt, er wusste auch den Ausweg für die Epheser und damit für jede Gemeinde aus jedem Volk. Darum sagt der Apostel weiter:

„Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi.“ V. 13.

Gesegnetes Blut! Es bahnt den Weg für Juden und für Heiden. Trotz des Gesetzes, der Väter und der Testamente hatten die Juden einen Sündenleib wie die Heiden. Die Lüste des Fleisches bekamen Macht über sie – in direktem Widerspruch gegen das Gesetz. Darum musste Gott seinen Sohn senden und eine geistliche Operation im Fleisch vornehmen und die Sünde in diesem verdammen. Dadurch wurden Juden und Heiden unter die gleichen Bedingungen gestellt. Daher haben sie auch beide Zugang zum Vater im gleichen Geist. Das Gesetz wurde um der Übertretungen willen gegeben. Wenn nun der Sündenleib im Fleisch zunichtegemacht wurde, dann verschwand das Gesetz für die Übertretungen ganz natürlich von selbst. Damit verschwanden auch die Ehre und der Vorzug der Juden gebenüber den Heiden; denn es war ja das Gesetz, dessen sie sich rühmten.

Er macht aus zweien eins

Denn Er ist unser Friede, der aus Beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte.“ V. 14-16.

Beachte, dass er in seinem Fleisch das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen abgetan hat. Das ganze Geheimnis liegt in diesem „in seinem Fleisch“. Dieses Fleisch hatte er als Mensch, und zu diesem Fleisch werden wir durch den Geist getauft und geweiht, denn wir sind mit einem Geist getauft, um ein Leib mit ihm zu sein.

In diesem Leib vollzieht sich ein Todesprozess – zuerst in ihm, danach in uns. Der Eigenwille und damit der Sündenleib wird im Fleisch zunichtegemacht. Sowohl für Juden wie für Heiden wird die Sünde in Christi Leib zunichtegemacht. Alle Feindschaft erhält den Todesstoß durch die Zunichtemachung des Sündenleibes. In Christi Blut gibt es Versöhnung für alle Bosheit, die Scheidewand des Zaunes wird abgebrochen.

Wenn der Eigenwille, die Sünde im Fleisch, durch den Willen Gottes überwunden und getötet wird, dann kommen wir in vertraute Harmonie mit dem Gesetz. Die Übertretungen verschwinden von selbst, denn die Kraft, in der wir die Übertretungen begingen, ist nicht mehr da. Dadurch ist auch das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen abgetan – und wir sind uns selbst ein Gesetz.

„Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet durch den Leib Christi.“ Röm. 7, 4.

„… hat er jetzt versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod.“ Kol. 1, 22.

Im Leib wird Gottes Werk vollführt. Darum muss Gottes Werk auch in uns geschehen, solange wir noch in Fleisch und Blut sind. Nicht hinter Tod und Grab sollen wir überwinden, sondern jetzt im Fleisch. Gott machte einen Bund mit Abraham, als dieser noch in seinem Fleisch war. Das war ein Glaubensbund. Nun hat Gott mit uns in Christi Leib durch sein Blut einen neuen Bund gemacht.

Dieses Geheimnis vom Zaun der Feindschaft, der durch Christi Fleisch zunichtegemacht wurde, wurde Paulus durch Offenbarung zuteil, und er sagt selbst, dass dies eine bedeutende Einsicht in die Geheimnisse Christi ist. Eph. 3, 3 und 4.

Christus geoffenbart im Fleisch

„Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch.“ 1. Tim. 3, 16.

Um der Sünde im Fleisch beizukommen, musste Christus im Fleisch geoffenbart werden. Kannst du das glauben? Oder glaubst du, dass er wie ein Engel oder wie Adam vor dem Sündenfall gewesen sei?

Soweit ich verstehe, war in Adam vor dem Fall keine Feindschaft zunichtezumachen, auch nicht in den Engeln. Und im Übrigen nimmt er sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams. Hebr. 2, 16.

„Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.“ Hebr. 2, 14-15.

Durch den Sündenfall kam die Natur unter den Fluch. Weil auch unser Leib der Natur angehört, kommt auch er unter den Fluch. Verflucht ist jeder, der an einem Holz hängt. Die Sünde und der Leib können nicht voneinander getrennt werden, sie sind fest miteinander verbunden. Allein Christi Blut kann der Sünde im Fleisch ein Ende machen. Weil aber das Kreuz in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zum Tod hin wirkt, werden die Wirkungen von Christi Tod in unserem sterblichen Fleisch fortwährend von Leiden nach dem Fleisch begleitet sein. Wenn Christi Tod eintritt, verschwindet das Gericht.

Schon bei kleinen Kindern kann man unzählige Beweise dafür sehen, dass sie eine Wurzel und einen Keim der Sünde in sich tragen. Die ererbte Sünde soll nicht in unserem sterblichen Fleisch herrschen und wir sollen seinen Begierden keinen Gehorsam leisten. Dagegen sollen wir Christus als Herrn in unserem Herzen heiligen und durch die Kraft des Heiligen Geistes den Willen Gottes tun. Die Sünde im Fleisch kam dadurch in die Klemme. Der alte Mensch ist gekreuzigt, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Röm. 6, 6. Dieses Meisterwerk tat Gott, als er seinen Sohn sandte und die Sünde im Fleisch verdammte. Röm. 8, 3. Er sandte ihn um der Sünde willen. Was dem Gesetz unmöglich war, wird nun möglich, denn in jedem einzelnen Menschen ist ein Tod Christi zuwegegebracht worden. Nur benötigt Gott unseren Willen und unsere Zustimmung dazu, dass dieser Tod in uns wirken darf. Wenn es nicht so wäre, hätte Gott uns nicht nach den Gesetzen der Freiheit erlöst.

Die Sünde lauert vor der Tür, wir aber sollen über sie herrschen.

Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen. Denn ein Leib wurde ihm bereitet, und in der Buchrolle stand von ihm geschrieben, dass er kommen würde, um den Willen Gottes zu tun.

Jesus hatte als Mensch einen Willen. In Lk. 22, 42 heißt es: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!

Dieser menschliche Wille Jesu wurde für den höheren und stärkeren Willen, den Willen Gottes, verleugnet und gekreuzigt.

Die Gebote und Satzungen wurden um der Übertretungen willen gegeben, und die Übertretungen kamen durch den Eigenwillen hervor. Wenn nun der Wille Gottes bei Christus allezeit ausgeführt wurde, dann war ihm das ja zu größerer Ehre, wenn er gleichzeitig einen Eigenwillen zu bekämpfen hatte, als wenn er keinen solchen gehabt hätte. Daran sollten diejenigen denken, die sich Christus als Adam vor dem Fall vorstellen. Je stärker ein Feind ist, desto größere Ehre ist es, ihn zu überwinden. Diese Kelter trat Jesus allein und bahnte uns dadurch einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch. Hebr. 10, 20. Die Gebote verschwinden mit dem Eigenwillen, und durch das Treiben des Geistes wird die Forderung des Gesetzes erfüllt.

Alle Versöhnung mit Gott geschieht in Christi Leib. Dort wird die Feindschaft abgebrochen, dort reinigt das Blut, dort wird Christi Leben offenbart. Der Menschenwille und die Menschenmeinungen werden verjagt und der Wille und die Meinungen Gottes werden an deren Stelle gesetzt. Wir bekommen Anteil an Gottes Natur, denn durch diesen Willen sind wir durch dieses eine Opfer Jesu Christi geheiligt.

Durch Jesu Christi Willen und Opfer sind wir geheiligt, doch es besteht ein Unterschied zwischen geheiligt zu sein und heilig zu sein. Ein ungläubiger Mann kann durch seine gläubige Frau geheiligt sein, heilig ist er jedoch nicht. Ebenso ist das ganze Werk Christi für uns getan, wenn auch nur ein Bruchteil davon in uns getan ist. Was für uns getan ist, heiligt, was aber in uns getan wird, macht uns heilig. Manche verfälschen diese Schriftstelle und sagen, wir seien ein für allemal heilig gemacht durch das Opfer Jesu, so dass wir hinfort keine Heiligkeit anzustreben bräuchten.

Es ist keine ganz leichte Aufgabe für einen Menschen, der in Fleisch und Blut ist, nach dem Willen Gottes zu leben. Man sucht meistens viele Künste, um so billig wie möglich davonzukommen. Kann man die Lehre etwas hinbiegen und dem scharfen und durchdringenden Wort die Spitze nehmen, ist es leichter, den Willen Gottes mit einem einigermaßen zufriedenen Gewissen zu umgehen. Daher kommt es auch, dass man seine Lehrer so wählt, wie es dem Fleisch passt. Die gesunde Lehre wird einem zuletzt eine sehr gefährliche Lehre und wer sie verkündigt, gilt als hart und richtend. Dagegen scheinen diejenigen, die Frieden verkündigen – Frieden mitten im Unfrieden – voller Liebe zu sein, und diejenigen, die das Ganze mit Kalk oberflächlich übertünchen, gelten als geduldig und langmütig. Zu Recht sagt Hiob: Wahrlich, ihr seid die rechten Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben! Hi. 12, 2.

Die Lehre von Christi Kreuz und Leidensgemeinschaft ist gut, sie führt zu Gottesfurcht, aber sie führt auch den alten Menschen ans Kreuz. Wenn man nun aus Weichlichkeit nichts vom Kreuz wissen will und es vorzieht, die Feindschaft leben zu lassen, dann wendet sich diese Feindschaft in voller Stärke gegen die Personen, die ihr ans Leben wollen. Das Wort vom Kreuz ist auch heute den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.

Solche Feinde des Kreuzes Christi bekommen nie Erkenntnis von „Christus geoffenbart im Fleisch“. Denn wenn man zugeben würde, dass Christus dadurch, dass er seinen Eigenwillen zugunsten des Willens Gottes opferte, nach dem Fleisch getötet wurde, dann wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass der Gott, der den Willen nach dem Fleisch bei seinem eigenen Sohn nicht verschonte, auch den unsrigen nicht verschonen wird.

Um jetzt dem Ganzen so leicht wie möglich zu entgehen, nimmt man einen andern Jesus an. Dem Jesus nachzufolgen, der im Fleisch geoffenbart wurde und der einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, sein Fleisch, bahnte, ist zu mühsam und beschwerlich.

Mit einem anderen Jesus, einem Jesus, der keinen Eigenwillen hatte, einem Jesus, der wie Adam vor dem Fall oder wie einer der Engel war, zu tun zu haben, fällt einem leichter. Dies hört sich auch für die menschliche Phantasie so gefällig an, die immer einen Sinn für alles hat, was schön und edel ist. Dass Gott die Sünde in Christi Fleisch verdammen sollte, ist aus dieser Sicht etwas Hartes und Unbarmherziges und Entehrendes gegenüber einem heiligen und reinen Jesus.

So zieht man Schlüsse auf menschliche Weise, ohne der Wahrheit einen Millimeter näher zu kommen.

Solange die Sünde im Fleisch nicht verdammt und gekreuzigt ist, nimmt sie den Menschen gefangen und gebraucht ihn in ihrem Dienst zu den schlimmsten Grausamkeiten. Davon können wir in unseren Tagen genug sehen. Wenn alle diese Mörder mit Christus gekreuzigt wären – dann würde augenblicklich Frieden in großen Teilen der Welt herrschen.

Durch die Kreuzigung des Fleisches mit dessen Lüsten und Begierden machte Gott es der Forderung des Gesetzes möglich, zu ihrem Recht zu kommen.

Früher wurde die Sünde durch das Licht des Gesetzes außerhalb des Leibes verdammt; nun aber wird sie durch Christi Werk im Leib verdammt und getötet.

Durch das Verdammen der Sünde im Fleisch entsteht der Mensch Gottes, und das ewige Erbe, das uns verheißen war, folgt mit.

„Darum ist er auch der Mittler des Neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.“ Hebr. 9, 15.

Der Mittlerdienst fängt erst an zu wirken, wenn wir durch Christi Tod die Erlösung von unseren Sünden, die wir unter dem ersten Bund begingen, angenommen haben. Das uns verheißene ewige Erbe empfangen wir im Neuen Bund – nach der Sündenvergebung.

Christus greift als Mittler den alten Menschen an und kreuzigt ihn, um dadurch wiederum den Sündenleib zunichtemachen zu können.

Die Feindschaft tritt deutlich dort zutage, wo man nicht jeden Tag sein Kreuz aufnimmt und Christus nachfolgt. Es nützt nicht zu predigen, zu singen und zu beten, wenn das Kreuz verstaubt in der Schäm-dich-Ecke steht. Es muss ins Zentrum des Herzens gepflanzt werden und von dort aus wirken, wenn man Macht mit Gott und Macht mit Menschen erlangen will. Alle großen Gottesmänner sind es durch das Kreuz geworden, denn die Feindschaft wird durch das Kreuz in unserem sterblichen Fleisch getötet.

Dies ist eine uralte und doch neue Lehre. Ja, sie ist so neu, dass sie überall Verwunderung weckt, besonders unter Menschen, die vom Kreuz reden – von dem Kreuz, das sich vor etwa 2000 Jahren außerhalb der Mauern Jerusalems befand.