Der Epheserbrief
Tot und lebendig gemacht
„Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.“ V. 1 und 2.
Das Gesetz sagt: Du sollst nicht lügen. Wenn man dann, um sich selbst zu schonen, eine Unwahrheit sagt, leitet man das Gericht von sich weg zu jemand anderem oder etwas anderem. Das Gericht hätte doch an mir wirken sollen, um sich danach in Gerechtigkeit zu kehren; doch nun weist man dieses Gericht durch eine Lüge von sich, was dasselbe besagt, wie dass man durch eine Lüge seine eigene Erlösung von sich schiebt.
Das Gesetz sagt: Du sollst nicht stehlen. Wer stiehlt, tut dies, um sich selbst zu schonen. Er braucht dadurch nicht zu arbeiten, er kann von der Arbeit anderer leben und anderer Leute Lohn genießen.
All dies ist Sünde und führt zum Tod. Das Gewissen wird abgestumpft, und schließlich hört man nicht mehr, dass der Geist uns der Sünde überführt. Man ist tot in Übertretungen und Sünden. Die Begierde empfängt und gebiert auch weiterhin Sünde, und das Gewissen wird noch weiter weggeschoben. Man dringt tiefer in den Tod hinein.
Dieser Tod ist der Aufenthaltsort aller Gottlosen. Der Tod wird einmal in den Feuersee geworfen werden, Offb. 20, 14, und dorthinein werden ihm alle folgen, die sich in ihm befinden.
Es ist darum der Mühe wert, nun durch Christi Evangelium dem Tod, der Macht Satans, zu entrinnen. Gott hat Macht, uns in das Reich seines lieben Sohnes hineinzuführen, vom Tod zum Leben, aus Satans Macht zu Gott.
Der Tod ist der Ort, wo Finsternis herrscht, wo Satan Macht hat, wo die Heerscharen in der Luft ihr Werk in den Kindern des Unglaubens haben.
Man kann kaum fassen, dass es so schlimm sein kann, wie es wirklich ist. Ein fürchterlicher Aufenthaltsort, aus dem sich noch niemand außer durch das Evangelium Christi zu retten vermochte.
Das gesamte Werk Gottes ist doppelt – sowohl die Erlösung als auch die Verdammnis.
Jeder, der nach den Lüsten seines Fleisches lebt, und jeder, der den Willen des Fleisches und der Gedanken tut, befindet sich im Tod. Das Verlangen des Fleisches ist Tod, d. h. es begehrt vollständige Zufriedenstellung seiner Lüste, ohne von Gewissensbissen geplagt zu sein.
„Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner großen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr errettet!“ V. 4 und 5.
Der Aufenthalt im Tod unter Satans Macht und Gottes Verdammnis war ein Elend. Wenn der Mensch trotzdem davon spricht, dort Spaß zu haben, dann geht dieses Vergnügen auf Kosten des Bildes Gottes, das vielleicht noch nicht ganz vom Tod zerstört ist. Wo aber der Tod gewütet hat, ist es vorbei mit allem, was Vergnügen heißt.
Christus drang in den Tod ein und nahm dem die Macht, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und erlöste die, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Hebr. 2, 14 und 15.
In seinem Fleisch vollbrachte Christus dieses Meisterwerk, indem er sich selbst verleugnete, denn durch den Samen des Weibes sollte der Schlange der Kopf zertreten werden. D. h. der Mensch sollte Satan besiegen – jedoch durch Gottes Kraft und Wegleitung.
Das große Reich „Tod“ kam nun durch Christi Werk unter Gericht und Verdammnis. Jeder wird der Sünde, der Gerechtigkeit und des Gerichts überführt. Der Geist dringt in Restaurants und in Tanzlokale ein. Er redet ein Wort mit beim Kartenspiel und Trinkvergnügen. Niemand vermag ihn auszuschließen, denn Christus, der die Schlüssel des Todes und des Totenreiches hat, hat ihn geschickt. Wenn die Vergnügung zu Ende ist, hält der Geist Fastenpredigten und redet kräftiger, als irgendein Pfarrer dies tun könnte. Er züchtigt den Menschen und weist ihm einen besseren Weg.
Hören wir auf ihn, so wird uns Gott durch seinen Geist aus diesem Tod herausführen. „Und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.“ V. 6 und 7.
Gottes Güte gegen uns in den kommenden Zeiten
Im Tod schläft man den schweren Schlaf des Todes, daher muss uns Gott mit Ihm auferwecken. Mit Ihm auferweckt zu werden, den unsere Seele liebt! Welch ein herrliches Aufwachen für uns, die wir von nichts anderem wussten als von der Macht und Tyrannei Satans. Nun werden wir mit Ihm auferweckt, und er versetzt uns zusammen mit sich selbst in den Himmel. Ja, das ist etwas anderes, als mit Satan in den Tod versetzt zu sein. Gelobt sei Gott für eine so gründliche Erlösung!
So wie wir vorher von Satan und der Welt tyrannisiert wurden und es schlimmer und schlimmer mit uns wurde, will Gott im Gegensatz dazu in den kommenden Zeiten den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns erzeigen. Ich habe bereits begonnen, etwas von dieser Güte zu schmecken, die in Ewigkeit fortsetzen wird. Und ich nehme an, auch du hast eine Kostprobe seiner überschwänglichen Güte empfangen. Gutes und Barmherzigkeit werden uns unser Leben lang folgen.
„Ich selbst will vor dir herziehen und das Hügelige eben machen; ich will eherne Türen zerbrechen und eiserne Riegel zerschlagen;
und ich will dir verborgene Schätze geben und versteckte Reichtümer, damit du erkennst, dass ich, der Herr, es bin, der dich bei deinem Namen gerufen hat, der Gott Israels.“ Jes. 45, 2 und 3.
Wenn du, nachdem du vom Tod zum Leben, von Satans Macht zu Gott hinübergegangen bist, in eine Stockfinsternis hineingeführt wirst, dann fürchte dich nicht. Er, der sowohl Licht als auch Finsternis schafft, sagt: „Der Herr hat gesagt, er wolle im Dunkeln wohnen.“ 1. Kön. 8, 12. Aber er wohnt auch in einem so starken Licht, dass sich ihm niemand nahen kann.
Wenn Gott dich in die Finsternis hineinführt, dann hat er eine Absicht damit. Er hat nämlich eine ganze Schatzkammer mit herrlichen Schätzen in seinem Dunkel für dich. Aber, sagst du, im Dunkel kann ich nicht zu diesen gesegneten Schätzen hinfinden. Doch, Micha sagt: „Wenn ich auch in der Finsternis sitze, so ist doch der Herr mein Licht.“ Mi. 7, 8.
Er will dich an geheime Orte hinführen, damit du von dort die herrlichsten Kleinode holen kannst. Deine Wege werden für die Menschen ein Rätsel sein; aber wo du wandelst, wirst du fruchtbare Wege hinterlassen, und deine Füße werden von Fett triefen.
„Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“ V. 8 und 9.
Satan mit seinen Mächten und Gewalten bürgte dafür, dass wir uns nicht durch eigene Anstrengung aus seiner Macht und seinem Reich retten würden. Eine größere und mächtigere Person musste uns befreien. Das einzige, was wir tun konnten, war, das Angebot zur Befreiung anzunehmen. Welch eine starke Person muss dieser Jesus von Nazareth sein, dass er mitten in das Reich eindringen kann, das Satan gehört, um daraus vor aller Augen Gefangene wegzuführen. Wir verstehen, dass dies reine Gnade ist, denn unsere Werke hätten uns genauso wenig befreien können wie die Anstrengungen einer Mücke im Spinnennetz. Wir sollen nichts haben, dessen wir uns rühmen können. Ein kleines Lob wäre nur eine Annäherung an Satan. Gott gibt seine Ehre niemandem. Wenn uns Ehre gebühren würde, dann ist Gott so treu, dass er uns geben würde, was uns zusteht. Doch nun steht uns keine Ehre zu, daher wird seine Wahrheitsliebe dafür sorgen, dass wir keine bekommen. Nicht der ist bewährt, der sich selbst empfiehlt, sondern der, den der Herr empfiehlt. Dies ist der Fall, wenn wir in all unserem Tun und Lassen Gott ehren; dann wird er uns ehren. Doch das ist nicht eine Ehre, auf die wir ein Recht hätten, sondern ein Lohn für Treue innerhalb des Rahmens der Gnade.
Geschaffen zu guten Werken
„Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ V. 10.
Gott sagt zu Mose: Ich bin, der ich bin. Er ist ein Vater aller, die Kinder heißen, im Himmel und auf Erden. Er ist der Schöpfer und wir sind sein Werk. Er bildete uns aus einem Lehmklumpen und blies den Geist des Lebens in unsere Nase, sodass wir zu einer lebendigen Seele wurden.
Wie tief wir doch ruhen können, wenn wir Gott „lch bin“ sein lassen und wir sind, was wir sind, nämlich „sein Werk“. Auf diesem Platz verstehen wir leicht Dinge, die wir sonst nie verstehen würden, solange wir uns als ein kleines bisschen „lch bin“ neben Ihm, der uns geschaffen hat, betrachten.
Allein durch Satans Wirkungen kommt der Mensch zu dem Ergebnis, dass er etwas sei.
Nicht einmal als Erlöste sind wir etwas, denn dann ist Christus unser Leben.
Gott hat Fürsorge für sein Werk, wir können ganz in der Ruhe sein. Wir sind nicht nur sein Werk in Fleisch und Blut, sondern er hat auch im Voraus alles bereitet, was wir im Leben ausführen sollen, und das beweist am allerbesten, dass wir sein Werk sind. In sein Werk hat er Fähigkeiten und Kräfte gelegt, um sein Werk in den verschiedenen Zeitaltern und unter den verschiedenen Völkern fortzuführen. Er selbst wacht sowohl über sein Werk als auch über die Werke, die zuvor bereitet sind.
Die Werke der Apostel waren grundlegend für die ganze Christenheit. Sie waren zuvor bereitet. Später hat Gott heilige Männer und Frauen unter den Völkern erweckt. Es standen Männer auf wie Luther, der durch die Werke, die zuvor bereitet waren, das Bestehende umkehrten. Je mehr diese heiligen Männer in die zuvor bereiteten Werke eindrangen, desto wertvoller wurde ihr Leben und Wirken in Gottes Augen – zum Nutzen der Menschen.
Und nun sind wir an der Reihe, in seinen Werken und in seinem Licht zu wandeln. Gott kennt den Zeitgeist, den wir zu bekämpfen haben. Er wusste im Voraus, dass wir in einer Zeit leben würden, in der sich die Menschen eine Vielzahl von Lehrern, nach denen ihnen die Ohren jucken, wählen würden, eine Zeit, in der sich durch falsche Lehrer falsche Lehren einschleichen würden, die zum Verderben führen, 2. Petr. 2, 1, eine Zeit, in der man immerfort lernen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen würde, eine Zeit, in der man den Schein der Gottesfurcht hat, deren Kraft aber verleugnet.
Um all diesem Elend entgegenzuwirken, hat Gott unsere Werke im Voraus bereitet, und je gründlicher wir die Torheit in Gottes Licht bloßzulegen vermögen, desto tiefer wird unsere Ruhe und desto vollkommener führen wir aus, was uns Gott zurechtgelegt hat.
Das Gericht beginnt am Haus Gottes, 1. Petr. 4, 17. Daher gehört es zu unserem Los, zunächst einmal Licht auf die Fesseln zu werfen, mit denen Satan die Kinder Gottes innerhalb der religiösen Versammlungen bindet. Diese von ihm geliebten Menschen müssen in dem Maß und in dem Umfang befreit werden, wie sie imstande sind, Hilfe und Erlösung anzunehmen. Aber leider sind bereits viele von ihnen durch Unglauben und Mangelernährung zugrunde gerichtet worden. Die Hirten haben die Jahre hindurch sich selbst geweidet und nicht die Herde Gottes, über die sie als Hüter gesetzt waren. Darum sitzen jetzt die Schafe als versteinerte und verhärtete Mumien da, wenn sie Gottes Wort hören. Es tönt in ihren Ohren als Gericht, Gericht, Gericht. In diesem Gericht hätten sie alles überwinden sollen, was dem Gericht unterworfen war, doch nun wird das Wort ihnen selbst zum Gericht, weil sie als Gewohnheitskirchgänger Jahr für Jahr einen tiefen Schlaf auf den Kirchenbänken geschlafen haben.
Freiheit, Freiheit und nochmals Freiheit ist der Deckmantel der Heuchelei, worunter die religiösen Leiter unserer Zeit ihre Küken zu sammeln versuchen. Sie versprechen Freiheit, obwohl sie selbst Knechte des Verderbens sind. 2. Petr. 2, 19.
Gewiss gibt es auch in unserer Zeit löbliche Ausnahmen, aber wer von den Schafen hat Verstand, sich von den Ausnahmen leiten zu lassen? Und wenn diese dann auch noch das Ärgernis erregende Wort vom Kreuz verkündigen, dann schmeckt es dem fleischlichen Menschen besser, sich dahin zu wenden, wo man billiger wegkommt.
Freiheit außerhalb des Willens Gottes und der Gebote Gottes ist von einem Vater, dem Teufel. Freiheit außerhalb von Christi Leidensgemeinschaft, Licht und Reinigung durch das Blut führt ins Verderben. Diese Freiheit gibt dem Fleisch reichlich Gelegenheiten.
Gottes Freiheit liegt mit all ihren weitesten Begrenzungen innerhalb des vollkommenen Gesetzes der Freiheit. In dieser Freiheit werden wir nicht vergessliche Hörer, sondern Täter des Wortes. In diesem Tun sind wir selig. Jak. 1, 25.
Alle andere Freiheit ist Freiheit für das Fleisch und bringt den Menschen unter die Knechtschaft der Sünde.
Ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels
„Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt.“ V. 11 u. 12.
Gott erwählte zuerst Israel, um an ihnen als Volk zu zeigen, wie er sich wünschte, dass ein Volk sein sollte, das nach seinem Willen lebte. Er gab ihm Abraham zum Vater, er schenkte ihm die Patriarchen und eine ganze Reihe von Propheten, die als Gottes Hirten mit ihrem Stab seinem Volk nach dem Willen Gottes Ausrichtung gaben.
Aber es war ein halsstarriges Volk. Es war ihnen nicht genug, dass sie aus der Knechtschaft Ägyptens erlöst wurden und von dem Felsen, der sie begleitete, Christus, trinken durften. Es war ihnen auch nicht genug, dass Gott ihnen Brot vom Himmel zu essen gab, nein, sie wollten Fleisch haben, und sie wollten nach Ägypten zurück. Sie murrten in der Wüste und empörten sich gegen Mose. Sie waren feige, als es galt, an Gott zu glauben und das Land Kanaan mit seinen starken Bewohnern einzunehmen. Als sie schließlich ins Land hineinkamen, vermochten sie nicht völlig, die Völker zu vertreiben, die zuvor im Land wohnten. Es blieb ein Rest von ihnen allen übrig. Gott war Israels König, aber das war ihnen nicht genug, denn er war unsichtbar. Sie wollten einen König über sich haben wie alle andern Heidenvölker. Obwohl Gott sie mit starkem und ausgerecktem Arm aus Ägypten und aus der Knechtschaft geführt hatte, und obwohl er in der Wüste vierzig Jahre lang seinen Willen mit ihnen geoffenbart hatte, verwarfen sie nun ihren König, um wie die Heiden zu werden.
